Full text: 1954 (0082)

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ten Krisen, hervorgerufen durch überhohe 
Steuerlasten, überwunden werden. Aber allen 
Unbilden zum Trotz hat sich das Braugewerbe 
an der Saar durchgesetzt, und wir sind heute 
stolz darauf, traditionsgebundene und dennoch 
moderne Betriebsstätten zu haben, die im Rah 
men der Saarwirtschaft einen wertvollen In 
dustriezweig darstellen. 
Es wäre vermessen, wollte man behaupten, 
mit diesen kurzen Worten die Geschichte des 
Bieres erschöpfend behandelt Zu haben. Was 
dem Leser deutlich werden soll, ist lediglich 
die Tatsache, daß das Bier keine Erfindung 
unserer Zeit ist, sondern ein bei unseren Vor 
vätern gleichermaßen beliebter und uns über 
lieferter Trank. 
Der Brauvorgang im 20. Jahrhundert ist, wie 
bereits erwähnt, nicht mehr so primitiv wie 
dies von dem römischen Geschichtsschreiber 
Tacitus überliefert wird. Die naturwissen 
schaftliche Forschung und die fortschreitende 
Technik sind nicht ohne Einfluß auf die Brau 
industrie gewesen. Was früher mehr oder min 
der Glückssache bei dem Gelingen eines guten 
Bieres war, kann heute vorausgesetzt werden, 
weil wir dank der Forschungsarbeiten die Le 
bensfunktionen der Gerste und der Hefe genau 
kennen und überwachen können. Die an 
spruchslosen Zuber und Geräte der germani 
schen Hausfrau sind heute durch großzügige 
Anlagen, speziell für jede Phase des Braupro 
zesses, ersetzt worden. 
Da gibt es zunächst die Malzreinigungsanlage 
und die Malz-Müllerei, bevor das Malz den 
Weg in das Sudhaus antritt, wo es in riesigen 
Kupferkesseln durch den Maischprozeß in die 
Würze verwandelt wird. Diese wird mit Hop 
fen gekocht und in einem Läuterbottich von 
Erst im Mittelalter mit 
dem Erstarken der Städte 
kann von einem Braugewerbe 
gesprochen werden. Die In 
nung der Brauer, die damals 
ihren Ursprung hatte, zählt 
mit zu den ältesten Berufs 
organisationen überhaupt. 
Die mittelalterlichen Braue 
reien waren Hausbrauereien, 
der Brauer war zu gleicher 
Zeit auch Schankwirt. Im 
30jährigen Krieg hatte das 
Geiwerbe schwer zu leiden 
und auch später noch muß 
Blick in die neue Flaschenfüllanlage 
Moderner Bierlagerkeller 
der Männer versüßte und auch den schweig 
samsten Krieger redselig werden ließ, das war 
das Bier, das die germanische Hausfrau trefflich 
zu bereiten wußte. Die Sage berichtet, daß ein 
nordischer König, dem das ständige Zanken 
seiner beiden Frauen zuviel wurde, eine davon 
zu ihrem Vater zurückschickte. Er behielt die, 
die das beste Bier zu brauen verstand, ein Zei 
chen nicht nur dafür, daß auch damals schon 
die Liebe der Männer durch den Magen ging, 
sondern auch für die Bedeutung des Bieres im 
Leben unserer Vorfahren. 
Erfunden allerdings haben die Germanen das 
Bier nicht. Es ist anzunehmen, daß sie es von 
den Galliern, die diese Kunst aus ihrer Urhei 
mat Indien mitbrachten, übernommen haben. 
Mit dem Einzug des Christentums waren es die 
Mönche, die sich das Brauen angelegen sein 
ließen. Mit ihrem beliebten Klosterbier labten 
sie die Armen und sicher 
lich auch sich selbst, denn 
manches anschauliche Bild 
zeigt uns heute noch, wie 
die würdigen Gottesmänner 
sich gerne als Keller- oder 
Braumeister betätigten.
	        

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