Full text: 1954 (0082)

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kann, kann natürlich auch ein Tonband ge 
schnitten werden, z. B. dann, wenn sich der 
Berichterstatter verspricht und zweimal hinter 
einander „und“ sagt. Dann tritt der Techniker 
auf Anweisung des Redakteurs in Funktion, 
nimmt seine Schere, schneidet das Band und 
schneidet damit das eine überzählige „und" 
heraus. 
Wiederholen wir also: Am 10. Juli umfaßte 
das Programm der „Stimme des Tages" einen 
Kommentar über Beria, eine Reportage über 
die Studienfahrt ausländischer Montanfachleute 
zur saarländischen Kokerei Reden und zwei 
Bandberichte. Der eine kam direkt über Kabel 
aus Paris, der andere per Post (bereits auf Band 
aufgenommen) aus Wien. 
Das Programm stand fest. Der verantwortliche 
Redakteur, der „Die Stimme des Tages" zu 
„bauen" hatte, entschied über die Reihenfolge. 
Zuerst der Kommentar Beria, dann der Er 
lebnisbericht des Oesterreichers (beide Themen 
haben mit der Spannung zwischen Ost und 
West zu tun), drittens, davon getrennt, der 
innerpolitische Lagebericht aus Frankreich und 
schließlich der Reportagebericht des Zeitfunk 
mitarbeiters aus der Kokerei Reden. Im Laufe 
der nächsten Stunden kamen die noch aus 
stehenden Berichte herein. Zunächst wurde der 
Kommentar diktiert. Der Sprecher (im Funk 
heißt der Mitarbeiter, der Beiträge liest, 
„Sprecher") wurde verständigt. Man sagte ihm, 
daß er „iife" lesen solle, das heißt also, daß 
er unmittelbar nach den Nachrichten direkt vor 
eingeschaltetem Mikrofon zu lesen habe. Der 
verantwortliche Redakteur nahm sich dann das 
mit der Post gekommene Band aus Wien vor. 
österreichische Klangfarbe ist nett, aber nicht 
für jeden zuträglich, und so mußte die Schere 
des Technikers (man nennt das „cuttern") einige 
Male in Aktion treten. Dies geschah nicht im 
Raum der Redaktion, sondern im Hoheitsgebiet 
der Technik. Das Band aus Wien war „fertig 
gecuttert", da meldete sich der Schaltraum, wenn 
man will die Zentralkommandostelle: „Paris ist 
da." Das hieß nichts anderes, als daß der Pariser 
Mitarbeiter Gerard Kumleben im Pariser Studio 
klar zum Bericht war. über das eigens reser 
vierte Kabel kam zunächst der sogenannte Meß 
ton. Die Techniker waren nicht zufrieden. Paris 
wurde aufgefordert, „mehr draufzugeben". Der 
internationale Funkverkehr verständigt sich 
rasch. Sofort war „mehr drauf“. Durch das Tele 
fon geht Frage an Kumleben: „Wieviel Mi 
nuten?" Antwort: „Etwa fünf Minuten." Anruf 
von Saarbrücken: „Bitte geben Sie Aufschalt 
kommando." Dann kommt des Korrespondenten 
Stimme bereits aus dem Studio: „Ich zähle von 
fünf bis Null und beginne fünf Sekunden später." 
Der Techniker läßt durch einen Druck auf den 
Startknopf das Band laufen, die Technik hat das 
Wort. Elektrizität und Magnetismus zähbern un 
sichtbar, aber hörbar auf ein nicht ganz ein 
Senderöhre im Sender Heusweiler 
Höhe: ca. 70 cm, Kosten: ca. 350 000 Frs. 
Vorbereitung der „Stimme des Tages" 
Beim Gongschlag ist es genau: 7 Uhr 
Sprecher K. Greinke bei der Zeitansage
	        

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