Full text: 1954 (0082)

# • 
186 
Ein schnittiger Blumenkasten 
Von Kreis-Obst- und Gartenbauinspektor Alex Baron, St. Wendel 
Allenthalben läßt sich in den Gemeinden 
unseres Heimatgebietes in den letzten Jahren 
vermehrter Fensterblumenschmuck feststellen. 
Besonders unsere Bergmannsorte leisten hier 
Erfreuliches, wie beispielsweise die Gemeinde 
Hasborn im Kreise St. Wendel, wo kaum ein 
Haus ohne Blumen anzutreffen ist. Mit Recht 
nennt man die Bergmannsgemeinde Hasborn 
die blumenreichste Gemeinde des Saarlandes. 
Fensterblumenschmuck in der rechten Weise 
durchgeführt, trägt ohne Zweifel zur Ver 
schönerung des Ortsbildes bei. Ich sage: „in 
der rechten Weise durchgeführt!" 
Nicht jeder Blumenschmuck ist schön. Geranien 
töpfe, die an der Decke einer majestätisch kon 
struierten Bahnhofshalle baumeln, sehen lächer 
lich aus, ebenso wie Blumenkästen an den Wind 
erhitzern der Hochöfen schon dem weniger 
kritischen Auge als unpassend auffallen. Ueber- 
haupt beginnt die heute wieder mit Recht pro 
pagierte Dorfverschönerung nicht mit der Blume, 
sondern mit der Sauberkeit der Straßen und 
Dorfplätze und mit einer guten Wohnhausge 
staltung. Der Blumenschmuck vor und an den 
Wohnhäusern, gärtnerischer Schmuck an der 
Dorfkirche, am Dorfbrunnen und sonstwo folgt 
den Bemühungen um Baugestaltung und Sau 
berkeit. Das soll wieder nicht heißen, daß ein 
Ort mit dem Blumenschmuck erst beginnen 
dürfte, wenn alle Straßen gepflastert und 
asphaltiert sind. 
Fensterblumenschmuck ist dann besonders 
schön, wenn die Form und Farbe der Blumen 
gefäße (Blumentopf, Ton- oder Holzkasten), die 
Art und Blütenfarbe der gewählten Fenster 
blumen mit der Architektur des Wohnhauses 
und der Farbe des Hausanstriches bzw. des 
Hausverputzes harmonieren. Hier das Richtige 
zu treffen, setzt Fingerspitzengefühl und ein 
Auge für Form und Farbe voraus. Wer beides 
nicht besitzt, lasse sich beraten! 
Die modernen Häuser in den Städten und 
größeren Wohnorten sind in der Regel so ge 
staltet, daß Fensterblumenschmuck sie nicht 
verschönert, sondern „verschlechtert“. Meist 
sind diesen Häusern größere Vorgärten vorge 
lagert, die bei richtiger Gestaltung und Be 
pflanzung (was leider sehr oft nicht der Fall 
ist) nicht nur einen guten Fensterblumenschmuck 
ersetzen, sondern weit mehr und besser als die 
ser, Pflanze und Haus zu einer harmonischen 
Einheit werden lassen. 
Die Häuser unserer Bergmannsorte dagegen 
vertragen durchweg einen Fensterblumen 
schmuck. Auch dort, wo Vorgärten vorhanden 
sind. Die Blumen und Pflanzen des Vorgartens 
setzen sich mit den Fensterblumen zum Haus 
hin fort. Es ist gar nicht schwer, in allen Orten 
unseres Heimatgebietes Häuser zu finden, die 
einen nach jeder Weise hin geglückten Blu 
menschmuck aufweisen (Vorgarten einschließ 
lich Fensterblumen). — Freilich gibt es da und 
dort auch Uebertreibungen und Kitsch! Es wird 
die Aufgabe der zuständigen Behördenstellen, 
der Obst- und Gartenbauvereine und der Sied 
lervereine bleiben, das Wollen vieler Gutwil 
ligen durch Beratung und Vorbilder in die 
rechte Bahn zu lenken. 
Im Folgenden soll die Rede von den Fenster 
blumengefäßen sein und ein Blumenkasten aus 
Holz herausgestellt werden, der nicht nur 
„schnittig" aussieht, sondern vor allem auch so 
konstruiert ist, daß bei Einhaltung der hier ge 
gebenen Erläuterungen, kein Gießwasser mehr 
die Hausfront herunter zu laufen braucht. Man 
cher Hausbesitzer hat aus Furcht vor der Be 
schmutzung der Hausfront durch das aus dem 
Blumengefäß herauslaufende Gießwasser die 
Fensterblumen dummerweise auf den Kompost 
geworfen. 
Es gibt Häuser, insbesondere unter den alten 
Bergmanns- und Bauernhäusern, die mit Fen 
sterblumen in einfachen Tonblumentöpfen sehr 
schön geschmückt aussehen. Nur muß man hier 
dafür Sorge tragen, daß die Töpfe groß genug 
sind, um ein zu schnelles Austrocknen zu ver 
hindern. Ihr oberer Durchmesser soll minde 
stens 14 bis 16 cm betragen. Auch sollen die 
Töpfe nie auf der blanken Fensterbank stehen. 
Man stellt sie zweckmäßigerweise in mit Sand 
gefüllte Untersätze, die das durch das in jedem 
Topfboden befindliche Abzugsloch austretende 
Gießwasser auffangen und so ein zu schnelles 
Austrocknen der Topferde verhindern. In jedem 
Falle ist es auch ratsam, eine Schutzvorrich 
tung anzubringen, damit kein Topf bei Wind, 
Sturm und Regen vom Fensterbrett herunter 
fallen kann. Bei der Herstellung solcher Schutz 
vorrichtungen wird gerne „gekitscht". Allzu 
zierliche kleine Zäunchen und Schnitzereien,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.