Full text: 1954 (0082)

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Von A. Baron, St. Wendel 
Der Garten im Januar bis April 
Kurze Hinweise auf das, was in den ersten vier Monaten 
des Jahres im Garten zu tun ist 
Gemüsegarten: 
Jeder guten Arbeit geht eine Planung voraus. Mit einem 
Stück Papier und einem Bleistift läßt sich besonders dann, 
wenn im Garten noch winterliche Ruhe herrscht, alles das 
festhalten, was man im kommenden Jahr durchzuführen 
gedenkt. Bei der Aufteilung des Gartens auf dem Papier 
denke man an den Fruchtwechsel und daran, daß man 
eine möglichst große Fläche für den Anbau von Gemüse 
für den Winterbedarf berücksichtigt: Winterkopfkohl, 
Bohnen, Sellerie, Rote Rüben und Gelbrüben. Wenn in 
den Wintermonaten — bis zum ersten Salat und Spinat im 
Monat Mai — Gemüse aus dem eigenen Garten auf dem 
Tisch steht, ist Gartenarbeit immer rentabel. 
Die ersten Aussaaten im Garten werden im Monat 
Februar gemacht, wenn die Lage des Gartens warm ist 
und die Beete abgetrocknet sind. Vor allem Puffbohnen 
müssen früh in die Erde, dann Gelbrüben, Petersilie und 
die sogenannten Mai-Erbsen. Mit der Aussaat von Schnitt 
salat, frühem Kopfsalat, Spinat, Radies, Mangold und 
Markerbsen (z. B. die Sorten Aldermann, Senator) wartet 
man bis Mitte — Ende März bzw, Anfang April. Selbst 
verständlich wird alles in Rillen (Reihen) ausgesät. Es gibt 
nichts, was nicht in Rillen ausgesät werden kann. Reihen 
saat macht das Lockern des Bodens schon vor dem Auf 
laufen des Samens möglich, dann, wenn der Verlauf der 
Rillen an den Kopfenden der Beete mit einem Stäbchen 
gekennzeichnet ist. Und Bodenlockerung bedeutet eine 
Hilfe für alle Pflanzen nach vielen Seiten hin. 
Obstgarten: 
Obstbäume und Sträucher werden den ganzen Win 
ter über bis zum Eintritt der Vegetation gepflanzt, 
sofern der Boden offen ist und die Außentemperatur 
wenigstens ein bis zwei Grad über null Grad Celsius liegt. 
Pflanzenwurzeln sind frost-, Iuft- und lichtempfindlich. 
Hier ist Vorsicht am Platze! Pflanzenwurzeln gehören so 
schnell wie möglich in den Boden. Nach der Pflanzung ist 
ein Anschlemmen immer angebracht. Obstgehölze werden 
jetzt geschnitten bis zum Austrieb hin. Bei Temperaturen 
unter fünf Grad Celsius unterlasse man das Schneiden. Im 
JanuaT schneidet man die Edelreiser, die beim Veredeln 
in den Monaten Februar bis April-Mai gebraucht werden. 
Einschlag in die Erde an der Nordseite einer Mauer ist zu 
empfehlen. Mehr und mehr hat sich die Spätwinter 
spritzung (MäTzspritzung) mit Gelbspritzmitteln einge 
bürgert. Die Zahl guter Mittel ist groß. Man hole sich 
Rat auf den Landratsämtern. 
Blumengarten: 
Ziergehölze und Stauden werden gepflanzt und ver 
pflanzt. Ziergehölze schneiden! Ende März — Anfang April 
werden die einjährigen Somraerblumen: Rittersporn, Edel 
wicken, Calendula, Cosmea und viele andere ausgesät. 
Der Garten im Mai bis August 
Kurze Hinweise auf das, was in den Monaten Mai bis 
August einschließlich im Garten zu tun ist 
Gemüsegarten: 
Im M a i Aussaat von Bohnen, Gurken, Kürbissen. Mög 
lichst nach den Eisheiligen (12., 13., 14. Mai). Vor den 
Eisheiligen höchstens Aussaat von Buschbohnen. Nach 
Mitte Mai Auspflanzen von Sellerie und Tomaten, dann 
späte Oberkohlrabi und Lauch. In Abständen von 14 Tagen 
laufend Salat säen (Sommersalatsoiten: z. B. Stuttgarter 
Dauer, Bohemia, Attraktion). Aussaat von Endivien Ende 
Mai. Bis 25. Juni soll der Spätkohl gepflanzt sein. Und im 
Laufe des Juli müssen Endiviensalat, Grün- und Butterkohl 
gepflanzt werden, während Rosenkohl — der immer zu 
spät gepflanzt wird — schon im Juni gepflanzt werden 
muß. Richtige Abstände einhalten! Kopfkohl wenigstens 
40x 50 cm, Rosenkohl 60 x 60 cm, Grünkohl 40 x 40 cm. 
Unter hundert Kleingärtnern pflanzen 95 zu dicht!! Laufend 
hacken und nach Bedarf wässern. Wenn gewässert wird, 
dann richtig! In Trockenperioden lieber einmal in der 
Woche 2 bis 3 Kannen 4 10 Liter Wasseir auf ein qm Gar 
tenfläche als jeden Abend spritzen! 
Obstgarten: 
Bei umveredelten Bäumen den Verband lösen, wenn das 
Edelreis angewachsen ist. Der erste Grünschnitt (Sommer 
schnitt) an Spalieren wird im Juni, wenn erforderlich ein 
zweiter im Juli durchgeführt. Das Wagerechtbinden des 
Seitenholzes an Spindelbüschen geschieht im Juli. Man 
lasse sich von Fachleuten unterweisen. Erdbeeren müssen 
bei Trockenheit vor der Ernte öfters gründlich gewässert 
werden. Die Ausfäuferpflanzen von guten Erdbeer-Mutter- 
pflanzen werden im Juli von der Mutterpflanze getrennt 
und im August an Ort und Stelle gepflanzt. Ein Ausdünnen 
des Fruchtbehanges ist bei Birnen- und Apfelbäumen oft 
mals unerläßlich. Es geschieht im Juni. Die Bekämpfung 
von Blattläusen an Obstbäumen und Sträuchern ist für 
Arbeitswillige kein Problem mehr. Jede gute Samenhand 
lung führt mehrere gute Bekämpfungsmittel. 
Blumengarten: 
Im Mai werden die Dahlienknollen gepflanzt. Ebenso 
die Begonien, Geranien, Salvien, Fuchsien und viele 
andere sogenannte Saisonpflanzen (auch Sommerblumen) 
auf Gartenbeete und in Fensterkästen. Im Juni werden die 
sogenannten „Zweijährigen" unter den Blumenpflanzen 
ausgesät: Ballis, Stiefmütterchen, Nelken, Vergißmein 
nicht; bis Mitte Juli der Goldlack. Der Monat August ist 
der günstigste Monat zum Veredeln der Rosen. 
Der Garten im September bis Dezember 
Kurze Hinweise auf das, was in den Monaten September, 
Oktober, November und Dezember im Garten zu tun ist 
Gemüsegarten: 
Endiviensalat wird im August-September mit den Spitzen 
der Blätter zusammengebunden, damit das Innere des 
Salatkopfes bleicht. Freigewordene Gemüsebeete können 
im September noch mit Radieschen bestellt werden. Das 
Kohlgemüse läßt man solange als irgend möglich auf den 
Beeten. Nur geplatzte Köpfe werden bald verwertet. Wird 
der Herbst witterungsmäßig gut, gelingt auch noch eine 
September-Aussaat von Feldsalat. *— Tomaten erntet man 
alle, bevor der erste Frost kommt. Man kann die Früchte 
in wärmeren Räumen nachreifen lassen. Das Nachreifen 
gelingt nur bei Früchten, die schon gut entwickelt sind. 
Die ganzen Pflanzen einschließlich Früchte kann man in 
einem frostfreien Keller aufhängen und die Früchte nach 
reifen lassen. Bei der Ueberwinterung, von Frischgemüse 
halte man sich an die Erfahrung der Fachleute, die besagt, 
daß man Grünkohl, Rosenkohl und auch Lauch in der 
Regel draußen stehen lassen kann. Gelbrüben und Rote 
Rüben werden in Sand eingeschichtet kühl überwintert. 
Entweder in einem kühlen Raum oder in einer Erdmiete. 
Kopfkohl läßt sich am besten in einer flachen Beetver 
tiefung mit den Wurzeln eingeschlagen überwintern. Die 
beim Aushub gewonnene Erde wird links und rechts des 
1,20 m breiten Beetes zu einem Wall aufgesetzt, auf den
	        

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