Full text: 1953 (0081)

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unter der fadenscheinigen Begründung zur „Ver 
einfachung der Verwaltung und strafferen Zu 
sammenfassung der Betriebe". Ein schwerer 
Schlag für ihn. Nach dem zweiten Weltkrieg 
muß auch Obersteiger Schild wieder von vorn 
beginnen. Sein Haus ist ein Trümmerhaufen. 
Unter Schutt und Asche liegt die Einrichtung 
seiner Wohnung begraben. Drei beschädigte 
Stühle und eine Bettstelle, aus den Überresten 
seiner einstigen Möbel selbst gezimmert — das 
ist alles, was er nun besitzt. 
59jährig nimmt er seinen Dienst bei den Saar 
gruben wieder auf. Er wird Obeisteigei auf 
Duhamel. Welch ein Tätigkeitsbereich! Die An 
lage ist total zerstört. Selbst die Seile sind zer 
schossen, die Körbe stecken im Schacht, 200 m 
tief steht die Grube unter Wasser, alles ist 
zerbrochen, verschlammt, verschmutzt, die Ein 
richtungen verrostet — unbrauchbar. Mit einer 
zu 50 Prozent berufsfremden Belegschaft wird 
der Wiederaufbau begonnen. Alle Berufs 
gattungen sind vertreten, Beamte, alle mög 
lichen Handwerkszweige, Schneider, Friseure, 
Kinovorführer, Studenten, entlassene Soldaten 
vom einfachen Landser bis zum Kapitänleutnant. 
Obersteiger Schild versteht es, die Leute anzu 
packen und die erforderliche bergmännische 
Disziplin herzustellen. Mit Stolz berichtet der 
Jubilar, daß, trotz der totalen Zerstörung über 
und unter Tage, die Grube Duhamel als erste 
Grube die Friedensförderung wieder erreicht 
und sogar überschritten hatte. Es ist für ihn eine 
große Genugtuung, daß er trotz seines verhält 
nismäßig hohen Alters noch dazu berufen 
wurde, seine alte Heimatgrube wieder aufzu 
bauen und in Betrieb zu setzen. Er ist der Regie 
dankbar, daß er bis 1948 bei der Anlegung der 
Bergleute freie Hand hatte, denn er konnte 
manchem, der durch den Krieg in Not geraten 
war, wieder auf die Beine helfen. Dies ist eine 
besondere Befriedigung für ihn. Überhaupt ist 
Obersteiger Schild ein wahrer Vater seiner 
Grube, ein gütiger, verstehender Mensch und 
Helfer. Diesen Eindruck gewinnt man gleich in 
den ersten Minuten. So ist es nicht verwunder 
lich, daß er bei einer Belegschaft von 1400 Berg 
leuten sich doch persönlich um einzelne küm 
mert. Vor allem um seine „Schmerzenskinder“, 
die zwar tüchtige Arbeiter sind, aber aus 
irgendwelchen Gründen zu bummeln anfangen. 
Da kommt manche besorgte Mutter und manche 
junge Frau, die ihm ihr Herz ausschütten. So 
fern es vertretbar ist, versagt der Obersteiger 
seine Hilfe nie. 
Obersteiger Schild geht vollständig in seinem 
Beruf auf. Wenn er seine Zeitung gelesen und 
sein Pfeifchen geraucht hat, dann ist der Abend 
auch schon vorbei. Es sei denn, daß er sich noch 
in irgendeine Fachliteratur vertieft. — Eine 
große „Nebenbeschäftigung" hat er allerdings 
Obersteiger Schild in seinem Büro
	        

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