Full text: 1953 (0081)

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Die alte Garde der Saargruben: 
Unsere Jubilare 
S o wie Fördertürme und Bergehalden, zwi 
schen den breiten Bändern der grünen Wäl 
der gelagert, das Antlitz der Heimat prägen, 
beeinflussen die Bergleute in erster Linie das 
Leben der schaffenden Bevölkerung an der Saar. 
Die Männer, die schlechthin den schwersten 
Beruf ausüben, sind trotz allen Schweißes und 
aller Mühsal, die das Werken unter Tage von 
ihnen fordert, eng mit ihren Heimatgruben ver 
wachsen und wir finden es nicht selten, daß 
ganze Generationen sich immer wieder der 
Grubenarbeit verschreiben. 
So sehr sie mit ihren Betrieben verbunden 
sind, so sehr lieben sie aber auch ihre Heimat. 
Und dies ist nur zu verständlich. Der Bergmann 
kommt aus der unergründlichen Nacht der Tiefe, 
wo lärmend die Schüttelrutschen gehen, die 
Räder der Haspeln rollen und schnelle, von 
Preßluftlokomotiven gezogene Züge über die 
Schienen eilen, wo die Preßlufthämmer rattern, 
als gäbe es der Arbeit kein Ende. Muß er nicht 
den Tag, die strahlende Sonne, Wälder, Täler, 
den Bach, der sich durch die heimatlichen 
Wiesen schlängelt, die Vögel in den Zweigen — 
muß er nicht alle diese Herrlichkeiten, die alles 
in allem seine Heimat sind, bewußter, stärker 
lieben als ein Mensch, dem Sonne und frische 
Luft etwas Alltägliches sind? 
Die Liebe zur Heimat ist nicht der einzige ge 
meinsame Charakterzug, der die saarländischen 
Bergleute auszeichnet. Fest verwurzelt im Land 
ihrer Väter halten sie treulich an den ihnen 
überkommenen Sitten fest. Dies kommt wohl 
am deutlichsten bei den zahlreichen Bergmanns 
festen zum Ausdruck, die allenthalben in den 
Ortschaften gefeiert werden — meist mit größe 
rem Glanz als die Kirmes, 
Diese dem Saarbergmann eigenen Wesens 
züge finden wir auch bei unseren Jubilaren 
stark ausgeprägt, die wir, wie in den ver 
gangenen Jahren, heute besuchen wollen. In 
50- bzw. 40jähriger Pflichterfüllung haben sie 
ihre Kraft den Saargruben zur Verfügung ge 
stellt. Auf dem gesunden Boden der Heimat 
stehend, haben sie sich durchgekämpft bis auf 
den heutigen Tag. - - 
Wir konnten unsere Jubilare leider nicht alle 
aufsuchen. Das Leben der wenigen, von dem 
wir erzählen, sei ein Symbol für das der vielen 
Ungenannten. Ihrer wollen wir dabei ehrend 
gedenken, und ihnen allen danken wir für die 
in Treue geleistete Arbeit und rufen ihnen für 
ihr ferneres Leben ein herzliches „Glückauf" zu! 
Obersteiger Schild 
Eine Landschaft der Reife. Zum Bersten gelb 
die Kornfelder — Bäume in den Gärten von 
Früchten schwer — als einziger ruhender Pol 
zwischen dem Gewoge der Felder und Wiesen 
blauschwarz die Wälder. Und mitten darin die 
Grube Duhamel, deren Silhouette sich deutlich 
aus dem Sonnenglanz des Saartales heraushebt. 
Wir sind am Ziel, 
Der 66jährige Obersteiger Schild, dem 
unser erster Besuch gilt, empfängt uns freund 
lich und gibt uns bereitwillig auf unsere neu 
gierigen Fragen Auskunft. Am 9. 10. 1952 be 
geht er sein 50jähriges Dienstjubiläum. Er hat 
von der Picke auf angefangen. Nach sechs 
wöchiger Arbeit über Tag kommt er ohne jede 
weitere Ausbildung als Schlepper in einen 
Streb. Das ist auf Grube Dudweiler — heute 
Hirschbach. Er besucht zunächst die Werkschul 
oberklasse und Bergvorschule in Sulzbach, 
schließlich die Bergschule in Saarbrücken. Am 
3. 10. 1908 macht er seine Abschlußprüfung. Es 
folgt eine zweijährige Unterbrechung durch 
seinen Militärdienst. 1910 trifft man ihn wieder 
als Bergschüler im Aufsichtsdienst auf Grube 
Mellin. Ein Jahr darauf erfolgt seine Anstellung 
als Hilfssteiger auf Grube Schwalbach und 1912 
seine Ernennung zum „königlichen" Steiger, in 
welcher Funktion er mit vierjähriger Unter 
brechung während des Krieges bis 1920 tätig ist. 
In diesem Jahr wird er zum Fahrsteiger und 
1926 zum Obersteiger auf Grube Griesborn be 
fördert. 1935 erfolgt seine Zwangspensionierung
	        

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