Full text: 1952 (0080)

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in Eppelborn war's nicht anders. Verpfän 
dungen, Geldnöte, Streitigkeiten untereinander 
und mit dem Landesherrn, konfessioneller Zwist 
leben in den Akten. Keine Spur jedoch von 
Fehden, frisch-fröhlichen Ritterspielen, Tur 
nieren, fahrenden Sängern, lautenschlagenden 
Burgfräuleins, glänzenden Aufzügen und Festen. 
Auch hier der oft bittere Kampf um das täg 
liche Brot und um vermeintliche oder wirkliche 
Rechte. 
So muß 1384 der Ritter Isenbart v. Kastei 
(Blieskastel), der durch Heirat Mitbesitzer der 
Burg Eppelborn geworden war, seinen Teil an 
der Burg an Johann, Herrn v. Kirkel, verpfän 
den, und sein Verwandter Hermann v. Eppel 
born, der ihm auch nicht helfen kann, muß 
notgedrungen seine Zustimmung geben. 
In den schlimmsten Nöten aber befanden sich 
die Herren v. Lew enstein: Hans Bernhard v. 
Lewenstein, 1590 durch Heirat mit Anna Amalie 
v. Hagen Besitzer von Burg und Herrschaft 
Eppelborn geworden, sollte weder selbst — 
noch später sein Sohn — viel Freude an ihr 
finden. Lewenstein hatte außer der Herrschaft 
auch die bedeutenden Schulden seines Schwie 
gervaters übernehmen müssen. Der Schwieger 
vater eines Bauern in Ratsweiler bei Ulmet am 
Glan hatte über hundert Gulden von dem Erben 
des Herren v. Hagen zu fordern, für die seit 
zwanzig Jahren keine Zinsen mehr bezahlt wor 
den waren. Ähnlich stand es um die Forderung 
eines Bauern aus Niederalben. Dazu kamen 
größere Summen, die der Herr v. Hagen bei 
Verwandten geliehen hatte. 
Die Ansprüche der Verwandten seiner Frau, 
Johann Nikolaus und Philipp Daniel v. Hagen, 
auf die Zehnten und Gefälle der Herrschaft 
Eppelborn hatte der Lewensteiner 1594 durch 
einen Vergleich erledigen können. Doch sah er 
sich schon 1599 gezwungen, die ehemals v. 
Greiffenklau'schen Untertanen in Schiffweiler, 
Stennweiler, Wemmetsweiler, Raßweiler, Ex 
weiler, Mainzweiler, Neunkirchen, Welschbach 
und Wiebelskirchen zur Befriedigung der drin 
gendsten Gläubiger für 1500 Gulden an Nassau- 
Saarbrücken zu verkaufen. 
Doch nicht genug damit. Hans Bernhard v. 
Lewenstein war in ständiger Geldnot, pumpte, 
wo etwas zu erhalten war, gegen 7 °/o Zinsen 
und bezahlte den Kaufleuten ihre gelieferten 
Waren nicht. Der Kaufmann Werner Esser in 
Saarbrücken forderte 1607 noch 95 Gulden für 
Waren, die er im Jahre 1599 geliefert hatte, 
und, zwar: schwarzer, doppelter Taffet, leib- 
farbene und grüne Seide, leibfarbener, spa 
nischer und silberfarbener Atlas sowie schiller- 
farbenes Leintuch. 
Oft meldet sich der lothringische Gerichts- 
. bote aus Vaudrevange als Gerichtsvollzieher 
in der Burg Eppelborn, und er begnügt sich 
nicht immer mit Mahnungen, sondern pfändet. 
Alle Pferde nimmt er weg, 14 Kühe, 3 Ochsen, 
1 Farren, 130 Schafe und 30 Schweine. Gewiß, 
die Frau des Herrn v. Lewenstein versucht dem 
Unheil zu steuern, aber obwohl sie selbst ihren 
bescheidenen Schmuck versetzt (3 Schaumün 
zen, ein Paar Armbänder mit schweren runden 
Steinen, 3 goldene Ringe mit Edelsteinen), so 
kann auch sie nicht verhindern, daß ihr Mann 
die Einkünfte der Herrschaft Eppelborn ver 
steigern muß, ja, daß 1612 die ganze Herrschaft 
Eppelborn mitsamt der Burg bei brennendem 
Licht vor dem Gericht in Vaudrevange ver 
steigert wird. Ansteigerer war ein Kaufmann 
Mercy aus Nancy, der sie für 47 000 Franken 
erstand. 
Daß ein „Pfeffersack", wie man die Kaufleute 
nannte, Burgherr geworden war, ging nun dem 
gesamten Adel weit und breit gewaltig gegen 
den Strich. Und zweifellos waren es adelige 
Helfer, die dem Sohne des Lewensteiners, Georg 
Friedrich, Hilfe leisteten, als er im nächsten 
Jahre die Herrschaft wieder zurückkaufte. Auch 
der Herzog von Lothringen war daran beteiligt, 
und er scheint die Gelegenheit dazu benutzt 
zu haben, Eppelborn fester in seine Abhängig 
keit zu bringen: die Herrschaft war zu einer 
Reichssteuer verpflichtet. Der Herzog von 
Lothringen verlangte anstelle dessen die Zah 
lung der lothringischen Landessteuer. Nach 
jahrzehntelangem Papierkrieg ließ der Herzog 
von Lothringen 1613 Bernhard v. Lewenstein, 
dem just die ganze Herrschaft Eppelborn ver 
loren gegangen war, verhaften und nach Nancy 
bringen. Hier wurde er zwei Monate gefangen 
gehalten und erst freigelassen, als er sich zur 
Zahlung der lothringischen Landessteuer bereit 
erklärt hatte. Seine Freilassung und der Rück 
kauf der Herrschaft Eppelborn stehen in irgend 
einer Beziehung zueinander. 
Doch damit war die Reichsritterschaft nicht 
zufrieden. Sie klagte beim Reichskammergericht, 
daß Bernhards Sohn die Reichssteuer nicht be 
zahle. Obgleich dieser darauf hinwies, daß dies 
infolge des lothringischen Zwanges nicht mög 
lich sei, wurde er 1626 in die Reichsacht getan 
und seiner väterlichen Güter für unwürdig er 
klärt. Das blieb freilich nur ein papierner Pro 
test und hatte keine praktische Bedeutung.
	        

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