Full text: 1952 (0080)

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Wie sehr im römischen Weltreich die Götterkulte- 
und -ideen wanderten und geduldet wurden, zeigen 
zwei Beispiele asiatischer Religionsübung, die von 
eingewanderten Orientalen nach hier verpflanzt wur 
den. Die Verehrung des persischen Lichtgottes Mi- 
thras erfolgte in der sogenannten Heidenkapelle auf 
dem Haiberg bei Saarbrücken und in der Mithras- 
Grotte bei Schwarzerden (Kreis St. Wendel), wo jetzt 
noch das Felsenrelief des stiertötenden Mithras-Got- 
tes zu sehen ist. — Bei Tholey, in der Nähe des 
Bahnhofes, wurde vor Jahren eine Fortuna-Figur ent 
deckt. Die von Babylon ausgegangene Schicksals 
göttin hatte auch im Varuswalde ihre Anhänger. 
Vom Hochland von Iran und den Ufern des Euphrat 
wanderten die Götterideen durch das gesamte rö 
mische Weltreich bis in unsere Saar- und Blies- 
gegend. Wir sehen an dieser Fernwanderung reli 
giöser Gedanken, die sich durch Beispiele auf kultu 
rellem und wirtschaftlichem Gebiete erweitern ließen, 
wie die starke römische Zentralgewalt durch seine 
länderverknüpfenden Straßennetze eine Kultureinheit 
geschaffen, wie sie die Welt zuvor nie gesehen hatte. 
Auf diesem Straßennetz wanderte still und anfangs 
ungeachtet, die große Botschaft und milde Lehre 
Christi in unsere Heimat ein. 
Das Ctiriftentum in öec tömifrtien petioöe 
Wir haben leider keine schriftlichen Zeugnisse über 
Einzelheiten der Anfänge des Christentums in den 
Rhein-, Mosel- und Saarlanden, doch wissen wir, daß 
es vorwiegend getragen von christlichen Handwer 
kern, Händlern, Sklaven und Soldaten zu uns kam. 
Diese einfachen Menschen, die zutiefst erlebt hatten, 
wie in der Kirche Christi die Würde des Menschen, 
unabhängig vom sozialen Stand, aufs höchste ge 
achtet wird, sind die ersten Sendboten der christ 
lichen Lehre geworden. Fast gleichzeitig kamen die 
ersten Priester, — Apostelschüler von Rom gesandt, 
•— in die nordwestlichen Provinzen des römischen 
Reiches. Metz und Trier nehmen für sich die Ehre 
in Anspruch, die Gründung ihrer Kirche auf Schüler 
des heiligen Petrus zurückzuführen: Petrus selbst 
habe von Rom aus den hl. Clemens nach Metz und 
die Heiligen Eucharius, Valerius und Maternus nach 
Trier gesandt. Wenn auch eine rein geschichtlich 
denkende Zeit diese Überlieferung als Legende be 
trachten möchte, so kann nicht geleugnet werden, 
daß in Trier und Metz schon in der apostolischen 
Zeit starke christliche Gemeinschaften bestanden. 
Auch Funde haben dies bestätigt. Da diese Gemein 
den ohne Priester und Bischöfe nicht gegründet wor 
den sein können, ist anzunehmen, daß sie zu jener 
Zeit nur aus Rom gekommen sein können. — Vom 
hl. Paulus wissen wir, daß er nach eigenen Angaben, 
den hl. Crescens nach Gallien sandte, das Christen 
tum zu predigen (67 n. Chr.). 
Es ist eine Tatsache, daß im 2. Jahrhundert in 
Gallien, in den Rheinlanden, ja sogar über die Gren 
zen des Römischen Reiches hinaus, Missionserfolge 
und Christengemeinden vorhanden waren. Dafür gibt 
es zwei geschichtliche Zeugnisse: 
Der hl. Irenäus, der als Bischof der Christen 
gemeinde zu Lyon Vorstand, schreibt in einer Ver 
teidigungsschrift, in der er die Kirche als die Be 
wahrerin des einen überlieferten Glaubens gegen 
über den Irrlehren der Gnostiker verteidigt: „Nun 
wohl, diese Botschaft und diesen Glauben bewahrt 
die Kirche, wie sie ihn empfangen hat, obwohl sie, 
wie gesagt, über die ganze Welt zerstreut ist, sorg 
fältig, als ob sie in einem Hause wohne . . . Die in 
Germanien gegründeten Kirchen glauben und über 
liefern nichts anderes als die in Spanien, oder bei 
den Kelten, als die im Orient, oder in Ägypten, die 
in Lybien oder in der Mitte der Welt" (Rom). 
Bei den Kirchen in Germanien müssen wir in 
erster Linie an Köln und Mainz, die Hauptstätte der 
beiden linksrheinischen römischen Provinzen Ober 
und Niedergermanien denken, während bei den Kel 
ten u. a. auch an Metz, Trier und die Saar gedacht 
werden muß. Der hl. Irenäus war in der Lage, die 
kirchlichen Verhältnisse dieser Gebiete zu kennen, 
denn in Lyon, dem Ausgangspunkt des römischen Han 
dels nach Norden, liefen durchaus zuverlässige Nach 
richten aus diesen Gegenden ein. — Die Kunde von 
diesen Missionserfolgen war sogar bis Karthago, zum 
hl. Tertulian, Zeitgenosse des hl. Irenäus, gedrun 
gen. In einer seiner Schriften zählt er die Völker an 
den Grenzen des Römischen Reiches auf, zu denen 
der Glaube an Christus siegreich vorgedrungen ist: 
„An wen haben denn geglaubt. . . alle römischen 
Gebiete, die verschiedenen Völker Galliens, jene 
Gegenden Britanniens, welche die Römer nicht be 
treten, die aber Christus unterworfen sind, auch die 
der Sarmaten, Dacier, Germanen, Skythen, der vielen 
abgelegenen Völker ..." 
Wenn diese beiden Zeugnisse auch nur allgemein 
über die frühe Verbreitung des Christentums in Gal 
lien und am Rhein berichten, so darf doch daraus die 
Existenz von Christen und kleineren christlichen Ge 
meinden in unserer engeren und weiteren Heimat 
geschlossen werden. Auch dem legendären Bericht, 
wonach der hl. Papst Marcellus in Beckingen (Saar) 
in der Verbannung geweilt haben soll (309), mag die 
Erinnerung an ein sehr frühes Christentum an der 
Saar zugrunde liegen. Das junge Christentum würde 
sich rascher ausgebreitet haben, wenn es nicht durch 
blutige Verfolgungen, die auch die Provinzen nicht 
verschonten, gehemmt worden wäre. Es sei noch er 
innert an das Martyrium der Thebäischen Legion und 
der Trierer Bürger (286) unter dem grausamen Prä 
fekten Rictius Varus, den der Volksmund zum Typus 
des Christenverfolgers stempelte und der heute noch 
als wilder Jäger im Schaumberggebiet umherzieht. 
Er ist in der Volkssage der verdammte Leidens 
genosse des biblischen Pilatus, dessen Geist ruhelos 
bei Pachten an der Saar fortlebt. 
Mit der Bekehrung des Kaisers Konstantin trat die 
große Wende des Christentums ein. Sein weit 
schauender Blick ließ ihn die geistige Macht im 
Christentum, der die Zukunft gehören mußte, er 
kennen, und im Mailänder Toleranzedikt (Febr. 313) 
schenkte er der Kirche volle Religionsfreiheit, Gleich 
berechtigung mit dem Heidentum und Rückgabe aller 
beschlagnahmten Güter, Fast volle 100 Jahre — bis 
die ersten Stürme der Völkerwanderung (411) unsere 
Heimat trafen — konnte das Christentum in unserem 
Raume ungestört leben und sich ausbreiten. An 
Glaubensboten von der Bischofskirche zu Trier hat 
es gewiß nicht gefehlt. In dieser günstigen Zeit 
sandte der hl. Maximinius, der zweite Bischof in der 
nachkonstantinischen Zeit zu Trier, seinen Jünger 
und Schüler Quiriakus an die Saar, das Evangelium 
zu verkünden. Die Kirche zu Pachten ist dem hl. 
Maximinius und die zu Mechern dem hl. Quiriakus
	        

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