Full text: 1952 (0080)

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Schreitende Feldarbeiterinnen Aquarell A. Bohn 
seinen Vorfahren von mütterlicher Seite der 
Barockbildhauer Wunibald Wagner zählte, der 
zur Zeit des Fürsten Wilhelm Heinridi wirkte. 
Albert Bohn ging unter die ganz Modernen 
und gehörte als Mitbegründer schon 1921 der 
Vereinigung fortschrittlicher Künstler an, die 
sich in loser Form in Saarbrücken zusammen 
tat und als Vorläufer des Bundes bildender 
Künstler an der Saar zu gelten hat. Diesen Bund 
gründeten Richard Wenzel und Heinrich von 
Rüden — die beiden Verstorbenen — gemein 
sam mit Albert Bohn im Jahre 1922. In den 
letzten drei Jahren vor der Auflösung des 
Bundes, 1935, war Bohn sein 
Vorsitzender und damit Leiter 
der Saarkünstlerschaft. 
Seine künstlerische Herkunft 
hängt eng mit seinem achtjäh 
rigen Studium an der Kunst 
akademie in Karlsruhe zusam 
men. Dort war er seit 1925 
Meisterschüler bei Professor 
August Babberger. In dasselbe 
Jahr fiel seine Italienreise, die 
ihn die Schlichtheit Giottos be 
wundern ließ. Durch Babberger 
und die erdhafte Fülle seiner 
Malerei kam er zugleich in 
eine direkte künstlerische Be 
ziehung zu Babbergers ein 
stigem Lehrer Ferdinand Hod- 
ler und dessen expressive Mo 
numentalkunst. In der Heimat 
Hodlers brachte Bohn ein gan 
zes Züricher Jahr zu. Ein 1926 
entstandener „Heiliger Georg“ 
enthielt die neue Monumentalität des Hel 
dischen und Religiösen Ferdinand Hodlers. Und 
wie Hodler nicht ohne die Vorarbeit eines 
Puvis de Chavannes denkbar ist, wie auch 
Hans von Marees, aus gleicher Stilquelle 
schöpfend, die monumentale Raumkunst auf die 
Leinwand übertragen hat, so wird alles dieses 
Streben wie ein Vermächtnis durch Babberger 
an Bohn weitergeleitet. 
Auf dem Wege zum Monumentalen liegt 
fortan alles, was aus Bohns Händen hervor 
ging. In diesem Sinne schrieb schon 1934 die 
Kölnische Zeitung, er sehe ein Ziel und wisse 
die Richtung. Die Gelegenheiten waren aller 
dings zu zählen, daß der Sehnsucht nach Be 
wältigung großer Flächen in klarlinigen Wand 
bildern freie Bahn gegeben wurde, und erst 
recht sieht sich heute der Künstler schmerzlich 
daran erinnert, daß Wandmalerei Auftrags 
kunst ist. Immerhin hat es das Großmosaik 
in der Krypta des Ehrenmals in Dillingen, 
Freilichtmosaiken an der neuen Turnhalle in 
Friedrichsthal, heraldische Fresken im Neubau 
des Finanzamtes in Saarbrücken, Fresken im 
Feierabendhaus in Neunkirchen und im Schlacht 
hof-Neubau Saarbrücken gegeben. Man muß 
„gegeben" sagen, denn es ist nicht mehr alles 
erhalten, und selbst über die für die Ewigkeit 
bestimmten Werke der musivischen Kunst ist 
das Kriegsschicksal hinweggegangen. 
Aber Bohns Stil verleugnet sich auch nicht 
in den Tafelbildern, und viele erscheinen wie 
heimliche Skizzen zu großen Wandgemälden, 
sind zeichnerisch sicher und erhaben gebaut 
und mischen die Farben in freskenmäßigen 
Tönen. Die Wirkungen, die von seinen besten 
Bildern ausgehen, sind Ruhe und Feierlichkeit. 
Schwemme Aquarell von Albert Bohn
	        

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