Full text: 1952 (0080)

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künstler her folgerichtig wei 
terdenkt. Es ist der Gedanken 
maler Zolnhofer, der Dichter- 
Philosoph, der Schöpfer visio 
närer Stimmungen, die das Leid 
unserer Epoche und den Aus 
druck unserer Menschheitskrise 
enthalten. War er vorher ein 
Chronist des Bergmannslebens, 
so macht er sich jetzt mit 
Kühnheit zum Künder der Zeit, 
zum Deuter der Gegenwart. 
Kriegs- und Nachkriegserleb- 
nisse fordern ihm wieder die 
volle Wahrheit ab. „Gekreuzigte 
Menschheit" heißt die Schau 
einer Art Jüngsten Gerichts bei 
Kriegsende. Der Sonnenball ver 
sinkt blutrot und offenbar für 
immer im Meer, die nackte, 
elende Menschheit drängt sich 
am Strand zusammen, und überall ist ein Ge 
kreuzigter aufgerichtet. Gespenstisch und un 
heimlich ist die Stimmung der „Verlorenen 
Töchter und Söhne"; was der Gedankenmaler 
hier an philosophischem Gehalt zusammen 
drängt, würde vielleicht sonst in einem ganzen 
Buche wiedergegeben werden müssen. 
Der Künstler gehört der gleich nach dem 
Kriege begründeten „Pfälzischen Sezession" an, 
worin sich eine Elite ein jährliches Stelldichein 
gibt. Im Jahre 1951 wanderten zehn Bilder 
Zolnhofers mit der Sezessions-Ausstellung 
durch viele deutsche Städte, darunter eine Lear- 
Darsteliung aus der Saarbrücker Aufführung. 
Das ist wieder ein neuer Zolnhofer, ein Dra 
matiker, der seine Stoffe hinter der Bühne und 
bei großen Künstlern sucht. Ein Porträt Johann 
Dreschers, dramatisiert durch darüberschwebende 
Heimkehrende Bergleute 
Ölgemälde von Fritz Zolnhofer 
Masken desselben Gesichts, ist ein großes 
Schauspielerbildnis schlechthin. 
Der französische Staat kaufte 1950 das große 
Oelgemälde „Der Bergmann" an. Die Pariser 
Presse schrieb zur Zolnhofer-Ausstellung im 
„Maison des Beaux Arts" in Paris Ende 1949 
rühmend über die „schonungslosen Interpreta 
tionen unserer Epoche": 
„Plötzlich schien man in Paris innezuwerden, 
daß das wahre Gesicht unserer Zeit ohne die 
sen Beitrag einige wesentliche Züge entbehrt“ 
Albert Bohn 
Industrielandschait bei Dudweiler 
Zwei Jahre jünger als Zolnhofer und damit 
der Jüngste dieser drei ist Albert Bohn, ein 
Maler, dessen Schaffen jedoch ganz andere 
Perspektiven eröffnet. Er ist Saarbrücker Kind 
aus der Trierer Straße. Die gesunde handwerk 
liche Grundlage bekam er von 
seinem Vater mit, der Dekora 
tionsmaler war. Albert Bohn hat 
es nie bereut, von der Pike auf 
gedient zu haben. Nach der 
Lehre allerdings zog er zu 
nächst den feldgrauen Rock an. 
Nach der Rückkehr besuchte er 
ein Jahr lang die Kunstgewerbe 
schule in Karlsruhe und war 
nach der Prüfung im Dekora 
tionsmalerhandwerk mit 22 Jah 
ren der jüngste Meister in 
Baden. 
So hatte er nach dem Willen 
des Vaters sein Leben bürger 
lich gesichert. Im selben Au 
genblick aber begann er dieses 
Leben auf das höhere Ziel, der 
Kunst, umzustellen. Hier darf 
Ölgemälde von Fritz Zolnhofer man daran erinnern, daß zu
	        
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