Full text: 1952 (0080)

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Die alle Garde der Saargruben: 
Besuch bei unseren Jubilaren 
Von 1n g e b o r g M a r g ai t, Saarbrücken 
I m Anfang war das Wort“ übersetzt Goethes 
Faust, um dann sich verbessernd, sich 
steigernd in Erkenntnis einer tiefen Wahrheit 
das hohe Bekenntnis zu echtem Mannestum ab 
zulegen: „Im Anfang war die Tat!" — Die Tat 
— aus Urzeiten von Gott den Menschen zum 
Beispiel gegeben. Sie allein beglückt und be 
friedigt den Sterblichen. Sie hält sein Leben in 
einem festen Rahmen und hilft ihm über schwere 
Zeiten hinweg. Was aber ist Tat anderes als in 
positivem Sinne geleistete Arbeit? Deshalb gilt 
diese Erkenntnis nicht allein für den über 
durchschnittlichen Menschen — den großen 
Wissenschaftler etwa oder den berühmten 
Staatsmann, sondern steht mit der gleichen Be 
rechtigung auch als Leitmotiv über dem Leben 
der Werkmänner in Hütten und Fabriken, der 
Bergleute, die tief unten im Schoß der Erde die 
Kohle graben, — der Bauern, die mit kräftiger 
Faust den Pflug durch den Acker stoßen, um 
ihn vorzubereiten zu neuer Saat — der Ange 
stellten in den Büros — der Kaufleute, Lehrer, 
Künstler. — Sie alle, die Schaffenden — sind 
Menschen der Tat. Das Resultat ihrer Arbeit 
prägt das Antlitz unserer Zeit, und ihr Wirken 
gleicht Mosaiksteinen, die sinnvoll zusammen 
gesetzt das allumfassende, trotz aller Scheuß 
lichkeiten gewaltige Gemälde unseres Jahr 
hunderts darstellen. 
Es hätte keinen Sinn, die Arbeit der Schaffen 
den zu idealisieren. Sie ist hart und schwer, 
und der Anblick einer schwieligen, zerschun- 
denen Arbeiterfaust würde mit einem Schlag 
alle süßlichen Lobpreisungen vernichten. Der 
Fluch Gottes ruht noch auf ihr: „Im Schweiße 
deines Angesichts sollst du dein Brot ver 
dienen". Aber dieser Fluch verkehrt sich in 
Segen, sobald das Schaffen vom Menschen 
nicht als Strafe angesehen wird, sondern als 
einzige Möglichkeit, das Leben durch die Tat 
lebenswürdig zu gestalten. Segen ruht auf 
der Arbeit, wenn sie freiwillig über 
nommen und freudig und eifrig ausgeführt wird. 
Davon wissen unsere Jubilare zu sagen, die 
in 50- bzw. 40jähriger treuer Pflichterfüllung 
ihre Kraft den Saargruben zur Verfügung 
stellten, wenn sie diese Gedanken auch nicht 
alle bewußt aussprechen. Und dies — trotzdem 
auch ihre Arbeit Tribute von ihnen gefordert 
und Spuren in die meist hageren Gesichter der 
Männer gegraben hat. Einige dieser Jubilare 
haben wir aufgesucht. Ihr Leben, das hart und 
voller Mühe gewesen ist, sei Symbol für das 
Leben aller anderen auch. 
Ihnen und all den Ungenannten drücken wir 
in Ehrfurcht die Hand und rufen ihnen für ihren 
Lebensabend ein herzliches „Glück auf" zu. 
* 
Auf dem Wege zum Steinkohlenbergwerk 
Reden. Bergmannsorte zwischen Wälder und 
grüne Wiesen gebettet — Bergehalden, die sich 
bis dicht an die Straße schieben — in nicht all 
zu weiter Ferne immer wieder die hohen 
Förderräder der Gruben. Im Wald hinter Quier 
schied begegnet uns eine große Kolonne Berg 
leute. Bedächtigen Schrittes steigen die Männer 
in Richtung Grube Maybach den Berg hinan. 
Schichtwechsel. — Biidstock liegt verlassen unter 
der mittäglichen Glut der Sonne. Und hier nun 
das große, rote Backsteingebäude der Grube 
Reden-Fett. Am Eingang die überlebensgroße 
Plastik eines Bergmanns. Das Innere — nicht 
w T ie wir uns einen Grubenbetrieb vorstellen. 
Keine Spur von Kohlenstaub. Der Treppenauf 
gang hell geplättet — links geht es zu den 
Waschkauen — rechts liegen die Steigerbüros 
und die Räume der Direktion. 
Wir haben Glück — erwischen den 56jährigen 
Steiger Friedrich Riedschy aus Landsweiler 
Steiger Friedrich Riedschy im Steigerbüro 
gerade noch, bevor er zum Essen nach Hause 
geht. Er hat nicht viel Zeit für uns, denn für 
den frühen Nachmittag ist eine der üblichen 
Betriebsbesprechungen anberaumt. Aber dennoch 
erzählt er uns in kurzen Worten seinen Werde 
gang: 
Als Sohn eines Bergmannes fuhr er am 
30. September 1910 in Camphausen an. Zunächst 
war er über Tage bei der Kohlenaufbereitung 
und auch im Bürodienst beschäftigt. Mit
	        
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