Full text: 1952 (0080)

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Bild 9: Geiüge eines von 780° abgeschreckten 
Stahles mit 1,3 °/o C 
Bild 10: Gefüge eines von 1150° abgeschreckten 
Stahles mit 1,65 °/o C 
sozusagen dabei „eingekeilt", wodurch gleich 
zeitig die Härtung erklärt wird. Bei mäßiger 
Abkühlungsgeschwindigkeit werden Zwischen 
zustände erreicht. Ein Teil des Perlits wird noch 
gerade eben sich abscheiden können, während 
ein anderer Teil „verkeilt" bleibt (Bild 5). 
So erzählt das mikroskopische Bild die 
Wärmebehandlung des Werkstoffes. Wie ein 
Detektiv kann der Fachmann, der sich „Metallo 
graph" nennt, alle Gefügekennzeichen (Indizien) 
untersuchen und ein recht genaues Urteil über 
falsche und richtige Härtung abgeben. Ja, er 
ist überdies auch in der Lage, die Zusammen 
setzung des Werkstoffes aus dem Bild abzu 
schätzen. Desgleichen erkennt der Metallograph 
noch andere Einwirkungen, denen der Stahl 
oder das Eisen ausgesetzt waren. Besonders 
weich geglühten Stahl zeigt Bild 6. Bei kalt 
gezogenem Stahl sieht man wie die Kristalle 
gestreckt werden: Bild 7. 
Gehärteten und wieder „blau" angelassenen 
Stahl läßt Bild 8 erkennen. 
Weitere Gefügebilder zeigen die Aufnahmen 
9—11. 
Jedes Stück Eisen oder Stahl hat seine Vor 
geschichte. Die Zahl der Bilder ließe sich noch 
beliebig vergrößern. Ganze Bilder-Werke (At 
lanten) mit Hunderten von Schliffbildern be 
nützt der Fachmann. Es gehören viele Kennt 
nisse und Erfahrungen dazu, sich in der Welt 
der eisernen und stählernen Werkstoffe sicher 
zurechtzufinden. 
Wurde unsererseits der Metallograph mit 
einem Detektiv verglichen, der alle „Indizien* 
seines „Falles" sammelt, um zum Schluß seine 
Werkstoff-Rätsel zu lösen und die Knoten des 
Geflechtes zu entwirren, so ist andererseits 
auch noch ein Vergleich mit dem Arzt erlaubt. 
Stahl und Eisen können Krankheiten auf 
weisen, durch die die Lebensfähigkeit des Werk 
stoffes beschränkt und gefährdet ist. Solche 
Krankheiten zu entdecken, zu erkennen und — 
wenn möglich — Heilverfahren anzugeben, ge 
hört ebenfalls zur Aufgabe des Metallographen. 
Gefährliche Krankheiten sind: Schlacken und 
Einschlüsse im Stahl, überhitztes grobes Gefüge, 
Feinrisse zwischen den Kristallen, löcherige 
Stellen u. a. m. (Bild 12). 
Diese wenigen Beispiele mögen genügen, um 
einen Überblick der vielfältigen Erkenntnisse 
aufzuzeigen, die uns der Blick durch das Mikro 
skop zu eröffnen vermag. 
Bild 11: Gefüge eines von 1180° in Wasser ab 
geschreckten Stahles mit 1,6 %> C und 2,5 % Mn 
(Maurerscher Austenit) 
Bild 12: Einschlüsse (grau) in Eisen
	        

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