Full text: 1952 (0080)

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Sommertag 
E ine der schönsten Gegenden des Saarlandes 
ist der Gau, der wellige Bergrücken 
zwischen unterer Saar und Obermosel, dessen 
sanft geschwungene Höhen und Hügel wie zu 
Stein erstarrte Meereswogen anmuten. Flach 
gerundete Kuppen begrenzen seine Kammland 
schaft in der Ferne, die in langgezogenen, 
weichen und rhythmischen 
Wellen zu Tal fließen. 
Wie köstliche Musik 
nimmt man hier oben den 
ewigen Wechsel der weit 
gespannten Flächen, der 
sanften Hügelketten und 
flachen Muldentäler von 
Wiesen und Feldern in 
sich auf. Kleine Dörfer 
lugen in der besinnlichen 
Mittagsstille des klaren 
Junisonntags verträumt 
aus buschigem Obstbaum 
grün hervor. Das dichte 
Laubgehölz auf der run 
den Kuppe, in dessen 
Blättern der frische Tal 
wind und zitternde Son 
nenlichter spielen, schlie 
ßen den Horizont über 
dem Dorf ab. Tief geduckt 
schmiegen sich die meist zweistöckigen, lang- 
firstigen Bauernhäuser mit ihrem breiten Flach 
dach, auf dem manchmal noch dunkelrote 
Burgunderziegel leuchten, dem Wellenspiel von 
Tal und Höhen an. Vollendeter Rhythmus liegt 
in der Gaulandschaft und selten findet man 
einen solch innigen Zusammenklang von mensch 
licher Siedlung und seinem Boden wie hier. 
Schon äußerlich bekundet der Mensch die tiefe 
Verbundenheit mit seiner Heimaterde. 
Vom Hang lugt hie und da — im grünen 
Blattwerk halb versteckt — ein altersge 
schwärztes Hofdach über ockerfarbigen Front 
wänden ins Tal hinunter und grüßt den ein 
samen Wanderer. 
Ähnlich wie diese einsam liegenden Gehöfte 
von heute müssen wohl die alten römerzeit 
lichen Wirtschaftsgüter und „Villen“, angebaut 
am halben Hang unserer Flußtäler, ausgeschaut 
haben. 
Auf der Höhe lohnt ein herrlicher Rundblick. 
Im Duhstgeflimmer des heißen Sommertages 
verschwimmen die Täler von Saar und Mosel. 
Wir schauen ins kleine Bachtal hinab, aus dem 
wir soeben heraufgekommen sind. Am frischen 
Höhenwind haftet noch die feuchte Kühle des 
nahen Bergwaldes. Ein kurzer Windstoß trägt 
den pulvrigen Kalkstaub des Feldweges, der 
sich mühsam den Hang emporwindet, hoch in 
die Lüfte. Vor den flachgewölbten, schwin 
genden Höhenzügen, die sich fast ins Unend 
liche dehnen, drängen sich an den windge 
schützten Muschelkalkhängen Obstbaumhaine 
dicht zusammen und erwecken den Eindruck 
einer Parklandschaft oder „Englischen Gartens“. 
Am murmelnden Bach des kleinen Wiesentales, 
das sich in lustigen, raschen Windungen ab 
wärts schlängelt, stehen inmitten der mit 
Latten eingezäunten Viehpferche knorrige Nuß 
bäume neben Salweiden und hochaufgeschos 
senen, schmalen Pappeln. In dösiger Zufrieden 
heit grasen auf den feuchten, fetten Wiesen 
Kühe zu beiden Seiten des Bachlaufs. 
Dahinter liegt das Dorf. 
Geheimnis- und erwartungsvolle Stille hüllt 
uns ein. In lautloser Ruhe liegt der Ort. 
Vor der Kirche stehen die für den Gau 
charakteristischen schönen Laufbrunnen mit 
Waschhaus. Silbrig blinkendes Wasser fällt in 
steinerne oder hölzerne Brunnentröge. 
Vor dem Eingang unseres Gaudorfes liegt 
an einer Weggabelung der kleine Kirchhof. 
Junge Birken, Linde und Lebensbaum grünen 
hinter der niedrigen Kalksteinmauer. Doch das 
blanke Kupfer der neugezogenen Telegraphen- 
Landschaft aus der Dreiländerecke: Sierck
	        

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