Full text: 1952 (0080)

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mid Eisen ^on w alter Hensel, Homburg 
unter dem Mikroskop 
Bereits in der Bibel, im Buch Hiob 28, 1/2, 
wird das Eisen erwähnt: 
„Es hat das Silber seine Gänge und das Gold 
seinen Ort, da man es schmelzet. 
Eisen bringt man aus der Erde, und aus 
den Steinen schmelzet man Erz.“ 
Stahl muß ebenfalls bis in die älteste Ver 
gangenheit hinein bekannt gewesen sein. 
„Man schärfet Eisen mit dem Eisen", heißt ein 
Bibelspruch. Aber nur das härtbare Eisen, der 
Stahl, kann damit gemeint sein, weil nur Stahl 
Eisen schärft. 
Die ältesten Eisenfunde stammen aus der 
Cheopspyramide (3000 v. Chr.). Sie sind etwa 
5000 Jahre alt. 
Damaszenerklingen, jene berühmten Stahl 
werkzeuge, wurden seit Urzeiten in Damaskus 
hergestellt. Die Völker Asiens wie das klassische 
Griechenland beherrschten eine Eisentechnik. 
In dem Heldengesang der „Ilias“ von Homer 
singt der Dichter: 
„Hierauf stellt den Schützen der Held blau 
schimmerndes Eisen, 
Zehn zweischneidige Axt’ und zehn der 
Beile zum Kampfpreis." 
Eisen und Stahl sind neben der Kohle heute 
noch immer die wertvollsten wirtschaftlichen 
Faktoren für jedes Land und entscheiden über 
Macht und Machtansprüche. Gewaltige Auswir 
kungen gehen aus von dem Besitz dieser kost 
baren Metalle, darum lohnt es sich, sie einmal 
„unter die Lupe zu nehmen" und im Kleinen 
und Kleinsten nach den inneren Werten dieser 
Stoffe zu suchen, die nach außen sich so macht 
voll äußern. 
Das Eisen, wie wir es heute als „weiches" 
Eisen im Alltag in hunderterlei Formen kennen 
als Eisendraht, Blech, Rohr, Stabeisen, in 
Stangen, Profilen, Platten, Kugeln, Reifen, 
Ringen usw., wird aus den Eisenerzen mittels 
der verschiedensten Verfahren hergestellt. Diese 
Eisenerze heißen Brauneisenstein, Roteisen 
stein, Spateisenstein, Magneteisenstein, Rosen 
eisenerz, Spiegeleisen u. a. m. Die verschiedenen 
Ausgangsstoffe im Zusammenhang mit den Her 
stellungsverfahren bedingen, daß das Endpro 
dukt, das weiche Eisen, keine reine Substanz 
ist, sondern Verunreinigungen enthält. Meistens 
sind diese Verunreinigungen sogar bis zu einem 
gewissen Grad erwünscht. Der Chemiker stellt 
daher im Fertigprodukt hauptsächlich noch 
folgende Stoffe fest: Kohlenstoff, Silizium 
(Hauptbestandteil des Sandes), Phosphor, 
Schwefel, Mangan. Ganz reines Eisen wird 
nur für Sonderzwecke in kleinen Mengen her 
gestellt. 
Es ist fast silberweiß, sehr politurfähig, 
weicher noch als das weichste Stabeisen, ziem 
lich rostfrei. 
Will man Eisen mikroskopisch untersuchen, 
so wird ein etwa fingerhutgroßer Würfel auf 
einer Fläche sehr fein geschliffen und poliert. 
Die polierte Fläche würde jedoch noch nichts 
erkennen lassen, weil sie wie ein Spiegel jeden 
Lichtstrahl zurückwirft. Man ätzt daher die 
polierte Fläche durch Eintauchen in verdünnte 
Säuren oder andere Ätzmittel und erhält dann 
bei 200facher Vergrößerung etwa folgendes 
Bild (Bild 1). 
Man erkennt auf dem Bild feine, unregel 
mäßige Linien. Diese sind die Umgrenzungen 
Bild 1: Gefüge sehr kohlen 
stoffarmen Stahles 
Bild 2: Gefüge eines unter - 
eutektoidischen Stahles 
(Ferrit und Perlit) 
Bild 3: Gefüge eines 
eutektoidischen Stahles 
(streifiger Perlit)
	        

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