Full text: 1952 (0080)

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verlassen, was sie gleichbedeutend mit „in den 
Tod gehen“ bezeichnete. 
Nicht nur der Anblick der Verzweiflung, die 
Tränen seiner Kinder, die Vorstellungen seines 
treuen Dieners, des Chevalier de Keralio, 
machten Eindruck auf das im Grunde gute und 
edle Herz Christians; er fühlte und sprach es 
aus, daß die Gräfin zu 
seinem Glücke wesentlidi 
und unentbehrlich sei. 
Gräfin Forbach ließ sich 
von dieser Beteuerung 
echter Liebe nur schwer 
überzeugen, und es 
scheint, daß in ihrem We 
sen immer wieder ein 
wenig Traurigkeit und 
Herzeleid zum Ausbruch 
kam. Zum Teil mochte sie 
davon herrühren, daß 
ihre Ebenbürtigkeit am 
Fürstenhofe keineswegs 
durch die zeitentsprechen 
den Voraussetzungen ge 
sichert waren, sondern 
sich allein auf die Zunei 
gung ihres Gemahls grün 
dete und darum Schwan 
kungen unterworfen war, 
von denen kein Herz frei 
ist. Es war keineswegs 
leicht, an der Seite eines 
Mannes zu leben, dessen 
Leben so abhängig war 
von den politischen Ge 
gebenheiten des Herzogtums zwischen den 
Mächten Westeuropas. 
Gottfried von Böhm beurteilt jedoch in seiner 
Schilderung der letzten Lebensjahre und des 
Todes Christians IV. die gedrückte Stimmung 
der Gräfin Forbach als ihrer Naturanlage ent 
sprechend. Ihr Temperament habe zu dem son 
nigen pfälzischen Wesen Christians im Verhält 
nis von Licht und Schatten gestanden. Sie sei 
nicht heiter gewesen, wie die Kunst, der sie an- 
gehörte und habe mehr als der Herzog die Gabe 
besessen, zu sagen, was sie leide. „Sie empfand 
sogar — wie aus ihren sonst sehr schönen und 
gefühlvollen Briefen an ihren Sohn hervorgeht 
— das Bedürfnis, zu klagen, und wenn sie ein 
fremdes Mißgeschick bedauert, verfehlt sie nie, 
beizufügen, daß sie selbst beklagenswerter sei, 
als der Betroffene." 
Nach der Rückkehr aus Paris 1775 zog der 
Herzog wieder — wie alljährlich im Herbst — 
mit dem Hoflager nach Petersheim. Bereits in 
Paris wurde Christian von der Gicht befallen, 
die seine Rückkehr nach Zweibrücken beschleu 
nigte. In Petersheim angekommen, mußte sich 
Christian auf das Krankenlager legen, von dem 
er nicht mehr aufstehen sollte. Alle ärztliche 
Kunst versagte, und die Nachricht von der 
schweren Erkrankung des Herzogs ließ nicht 
nur alle Glieder des Zweibrücker Fürstenhofes 
nach Zweibrücken eilen, sondern auch die 
Bauern des Ortes und der umliegenden Dörfer 
waren bestürzt und in Tränen. 
Gräfin von Forbach 
Während der Sterbestunden war der Peters- 
heimer Schloßhof mit Menschen gefüllt. Als die 
behandelnden Ärzte erklärten, daß alle, die ihn 
noch am Leben zu sehen wünschten, sich beeilen 
müßten, vernahm man nur Seufzen und 
Schluchzen. 
Die Gräfin wurde gerufen. Sie hatte sich kurz 
vorher mit ihren Söhnen von ihrem Gemahl 
verabschiedet. Sie litt so, das sie mehrfach in 
Ohnmacht fiel. 
Am Abend des 4. November 1775 schied Her 
zog Christian IV. aus dem Leben. In der glei 
chen Stunde war Karl August II. Herzog von 
Zweibrücken geworden. 
Einen Monat nach dem Hinscheiden des Her 
zogs Christian IV. trat am Ende des großartigen 
und langen Diners im Zweibrücker Schloß der 
Minister des neuen Herzogs in die Mitte des 
Saales und verkündete, daß die Diener und Be 
amten Christians entlassen seien. 
Die Gräfin von Forbach hatte sich in ihre 
Grafschaft Forbach zurückgezogen, die ihr Ge 
mahl teilweise schon 1757 gekauft hatte und die 
nun ihr Witwensitz wurde. Vielen Freunden 
aus Christians Zeiten gewährte sie dort Gast
	        

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