Full text: 1951 (0079)

141 
„Alle Birken grünen in Moor und Heid, 
Jeder Brambusch *) leuchtet wie Gold, 
Alle Heidlerchen dudeln vor Fröhlichkeit, 
Jeder Birkhahn kullert und tollt." 
(Worte von Hermann Löns) 
Birken oder Zweige dieses Baumes sind es 
daher, die als Maibaum bzw. Maien bei Früh 
jahrsfesten zur Ausschmückung verwendet wer 
den. Ganz besonderer Wertschätzung aber er 
freuen sich in katholischen Ländern die Fron 
leichnamsbirken. Sie zieren die von der Fron 
leichnamsprozession durchzogenen Straßen. Die 
Zweige stellen die Bauern dann in ihre Ställe, 
um ihr Vieh vor Krankheit und bösen Dämonen 
zu bewahren. Auch sollen die Birkenzweige, 
wie der geweihte „Palm", den Blitz ablenken. 
In vielen Dörfern ist es Brauch, daß die 
Burschen ihren Mädchen eine Birke vor das 
Haus setzen. 
Auch die Esche mit ihren weitreichenden 
Asten ist im Glauben unserer Vorfahren sehr 
stark verwurzelt. Einer alten Sage nach soll der 
Mann aus ihr hervorgegangen sein, während 
das Weib aus der Erle entstand. Die Esche als 
alles umfassender Weltenbaum überschattete 
mit ihren Zweigen das Weltall und war der 
Gerichtsort der Götter. Unter ihren mächtigen 
Wurzeln lebten die Schicksalsgöttinnen (Parzen). 
An die Weltesche knüpft sich die Sage von der 
großen Schlacht am Ende aller Dinge. In Hol 
stein auf dem Kirchhof zu Nordtorf wächst 
jedes Jahr ein kleiner Eschensproß. In der Neu 
jahrsnacht kommt ein weißer Reiter auf einem 
Schimmel, um den jungen Trieb umzuhauen. Zu 
gleicher Zeit naht aber auch ein schwarzer 
Reiter auf einem Rappen und sucht das Vor 
haben des weißen Reiters zu hindern. Bis zum 
heutigen Tag ist der lichte Reiter Sieger ge 
blieben. Einst wird das aber nicht der Fall sein; 
dann wird die junge Esche schnell und mächtig 
emporwachsen. Ist sie so stark, daß man ein 
Pferd an ihr anbinden kann, dann kommt der 
König und wird Gericht halten. Damit ist das 
Jüngste Gericht gemeint. 
Wenden wir uns dem Mittelmeerraum zu, so 
befinden wir uns in der Heimat des öl- oder 
Olivenbaumes. Er gehört zu den charakteristi 
schen Pflanzen dieses Gebietes. Er erreicht ein 
hohes Alter und ähnelt dann mit seinem hohlen 
Stamme, den sparrigen Ästen und schmalen 
Blättern einer alten Weide. Seit dem Altertum 
steht er bei den Völkern seiner Heimat in 
hohem Ansehen. Wie die Sage erzählt, entstand 
der Ölbaum auf der Akropolis, jener berühmten, 
hochgelegenen Burg bei Athen, aus einer Lanze 
der griechischen Göttin Pallas Athene. Deshalb 
war er auch dieser Göttin geweiht. In Attika, 
der südöstlichen Halbinsel Mittelgriechenlands, 
wurde die Geburt eines Kindes durch das Aus 
hängen eines Kranzes aus ölbaumblättern ver 
*) Brambusch = Bremme — Besenginster. 
Sidol sorgt überall 
Jür blitzendes Metall. 
JC&dbc 
Geht es ans Schulieputsen, 
ist Lodix sehr von Nutzen. 
Sigella 
Sigella aber heißt 
des Hodens guter Geist. 
Aus der 
Chemico-Sidol-Fabrik Saarbrücken 
kündet, während man das Grab eines Ver 
storbenen mit ölbaumzweigen schmückte. In 
Ägypten wurden den Mumien Kränze von öl 
baumzweigen um die Stirn gebunden. Der Über 
lieferung nach kehrte die von Noah ausgesandte 
Taube mit einem Ölblatt zurück. Der Baum galt 
seither als Sinnbild des Friedens (Versöhnung 
und Bund Gottes mit Noah). Diese Bedeutung 
hat sich bis heute erhalten. 
In vielfacher Beziehung zu Sage und Brauch 
des Volkes steht der Holunderstrauch. Wie oft 
sehen wir ihn in der Ecke eines Gartens oder 
schirmend an einem Haus stehen. Die Ursache 
hierzu liegt in dem Glauben unserer Vorfahren, 
wonach der Holunder der Sitz eines wohlge 
sinnten Hausgeistes ist. Deshalb muß der 
Strauch in Ehren gehalten werden. Eine große 
Bedeutung hat er in der Volksheilkunde, be
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.