Full text: 1951 (0079)

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Bei unseren Vorfahren war die Eiche ein 
heiliger Baum und dem Donnergott Donar ge 
weiht. In Eichenhainen hielten sie ihre Gottes 
dienste ab. Voll Ehrfurcht schauten sie zu den 
Kronen der mächtigen Eichen in ihren Wäldern 
empor. Der Dichter F. W. Weber schildert uns 
mit ausgewählten Worten eine solche Eiche in 
seinem Buch „Dreizehnlinden": 
Grüne Lichtung! In der Mitte 
Stand die graue Donareiche. 
Riesenhaft vor all den Riesen 
Auf und ab im Gaubereiche. 
Hehr und breit wie Tempelhallen 
Wölbte sich das Astgeschlinge; 
Allgeweiht, von Frevlerhänden 
Nie verletzt mit Beil und Klinge 
Denn nach Sag' und Väterglauben 
War sie eines Gottes Eigen, 
Der da rauscht im dunklen Wipfel, 
Der da weht in Stamm und Zweigen. 
Um dem Volk die Machtlosigkeit der heid 
nischen Götter zu zeigen, fällte der heilige 
Bonifatius eine dem Donar geweihte Eiche bei 
Geismar in Hessen. Noch heute gelten be 
stimmte alte Eichen als „Hexenbäume", in deren 
Nähe es namentlich nachts nicht recht geheuer 
sei. Auch dem Eichenlaub, besonders dem 
dürren, wohnt die Kraft als hexen- und dämonen- 
abwehrendes Mittel inne und es bildet daher 
in manchen Gegenden einen Bestandteil des 
„Palms" (siehe weiter unten). 
Allgemein standen die Eichen bei vielen 
Völkern in hohem Ansehen, im Altertum be 
sonders bei den Persern und Israeliten. Bei den 
Griechen und Römern waren sie dem Jupiter 
geweiht. 
Von der Eiche ist bekannt, daß sie sich von 
allen unseren Waldbäumen am spätesten be 
laubt. Nur die Esche grünt in manchen Jahren 
nach ihr. Eine alte Wortregel sagt: 
„Grünt die Eiche vor der Esche, hält der 
[Sommer große Wäsche. 
Grünt die Esche vor der Eiche, hält der 
[Sommer große Bleiche." 
Nach dem Volksglauben lassen viele Eicheln 
im Herbst auf einen strengen Winter schließen. 
Bis ins 20. Jahrhundert stand die Wallenstein- 
Eiche bei Stralsund. Unter ihr saß einst der 
Feldherr bei der Belagerung jener Stadt, als 
eine Kugel ihm ein Glas voll Wein vor dem 
Munde zerschlug. Abergläubisch sah der Heer 
führer hierin ein Zeichen, daß er die Stadt nicht 
erobern werde und hob infolgedessen die Be 
lagerung auf. 
In voller Kraft grünt noch heute eine andere 
Walienstein-Eiche im Schloßpark zu Scheiben 
reut als einziger lebendiger Zeuge des Todes 
marsches Wallensteins. Die alte Straße ober 
halb des Schlosses und des Hofes Scheibenreut 
führt dicht an dieser Eiche vorbei. Von einigem 
Interesse mögen die Größenverhältnisse dieses 
Baumes sein. Die Schafthöhe beträgt 2,75 m, 
der Umfang an der Wurzel 7,10 m, bei Beginn 
der Astbildung 5,40 m. Sechs mächtige knorrige 
Äste, von denen jeder am Grunde einen Um 
fang von 2,50—2,75 m hat, ragen kraftvoll in 
die Luft. Die Höhe mißt 18 m. Das Alter wird 
auf etwa 500 Jahre geschätzt. Die Eiche war 
daher schon zu Wallensteins Zeiten ein ansehn 
licher Baum. 
Im Siebenjährigen Krieg ließ ein französischer 
General eine Wadie zur „Schönen Eiche" bei 
Harreshausen in Hessen stellen, um sie vor Be 
schädigung durch vorüberziehende Truppen zu 
schützen. Von dieser Eiche sandte der General 
Samen in seine Heimat, um damit Anbauver 
suche durchzuführen. 
Der oben erwähnte „Palm", auch Palmbesen 
oder Palmbusch genannt, ist ein am Palmsonn 
tag kirchlich geweihter Zweig. In Mitteleuropa 
nimmt man dazu Zweige der blühenden Sal 
weide (Palmkätzchen). Der Palm hat je nach den 
einzelnen Gegenden meist eine charakteristische 
Form und Zusammensetzung. Zu seiner Aus 
schmückung verwendet man hauptsächlich 
Zweige vom Wachholder, Sadebaum, Haselnuß 
strauch, dürres Eichenlaub, auch Äpfel und 
bunte Bänder. Nach der Weihe verwahrt man 
den Palm im Haus. Beliebt ist der Platz neben 
dem Kruzifix oder unter dem Dach, um Unheil 
und Blitzschlag vom Hause abzuwenden. Ver 
schiedentlich werden auch Palmkätzchen in die 
Felder gesteckt, damit diese im Sommer vor 
Hagel und anderen Schäden verschont bleiben 
mögen. Auch als Amulett gegen schwere Krank 
heiten und andere böse Einflüsse dienen die 
Palmkätzchen (ein Amulett ist ein kleines An 
hängsel, das seinem Träger Schutz und Kraft 
verleihen soll). 
Wenn die Birke ihr hellgrünes, würzig duften 
des Laub zeigt, ist der Frühling da. Sie ist das 
Sinnbild der neu erwachenden Natur und ein 
Zeichen für die endgültige Verdrängung des 
rauhen Winters durch die schöne Maienzeit.
	        
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