Full text: 1949 (0077)

87 
äusseren Glanz einer einfachen, schönen Klein 
residenz erhalten. Und im Mittelpunkt dieser 
baulichen Gestaltung stand eine Zeitlang die 
Erweiterung und Erneuerung 
des Residenzsdhlosses 
Nach der Zerstörung der Burg im Verlaufe 
des dreissigjährigen Krieges waren im Jahre 
1675 durch einen Pater F. Bonitius eine kleine 
Kapelle und wenige Jahre später fünf Häuser 
an der Stelle dieser Burg errichtet 
worden, von denen eins für den 
Leyener Amtmann bestimmt, 
zweigeschossig erbaut und turm 
bewehrt war. Bereits 1697 sanken 
auch diese Bauten wieder in 
Trümmer. , 
Um 1700 wurde dann ein an 
die Kapelle des P. Bonitius an 
gelehntes Jagdschloss mit 26 
Räumen und Amtswohnung er 
baut. Doch war dieser Bau schon 
in den 1760 er Jahren dringend 
erneuerungsbedürftig, weshalb 
das Blieskasteler Oberamt mit 
Zustimmung der Koblenzer Herr 
schaft daranging, das Schloss 
notdürftig mit billigsten Mitteln 
zu erneuern und es schliesslich 
auch dem modernen Geschmack 
in etwa anzupassen. Man war mit 
dem bekannten Festungsbau 
meister A. G. F. Guillemar aus 
Longwy in Verbindung getreten, 
der im Verein mit dem ortsan 
sässigen Zimmermann Schmitt 
vor allem die Fassade erneuerte, 
eine Arbeit, die 1758 durchge 
führt war. 
Nach der Übersiedlung des Reichsgrafen 
Franz Karl nach Blieskastel mochten die bis 
herigen Räumlichkeiten kaum noch ausreichen, 
weshalb namentlich durch Aufstockung der 
Raummangel zu beseitigen versucht wurde. 
So bot sich denn nach mehrjährigen baulichen 
Erneuerungen und Erweiterungen um 1778 das 
nach einem uns erhaltenen Prospekt bekannte, 
von der Bliesbrücke aus gesehene Schlossbild : 
über niedrigen, alten Privathäusern ragt steil- 
auf die gelbrote, ausgedehnte Felswand ; „ 
darüber steigt hinauf der eigentliche Schlossbau 
mit den F'ensterreihen der verschiedenen Stock 
werke und den Gaupenreihen eines mächtigen 
Daches ; links und rechts durch alle Höhen 
llankieren zwei Ecktürme den imposanten Bau ; 
mitten innen gliedert ihn ein Risalit (Vor 
sprung), zur Seite links schliesst sich auf präch 
tig gegliederten Terrassenmauern der Garten 
an, der am Siidosteck auf vorspringender Bas 
tion ein zierlich ausgestattetes Lusthaus trägt; 
Arkaden stellen die Verbindung mit dem Schloss 
her ; den Weg dahin unterbrechen malerisch 
kleine Pavillons mit pagodenhaft wirkenden 
Dachbildungen. 
Wenn auch Franz Karls Sohn gelegentlich 
schreibt, dass das Schloss von seinem Vater 
«mit beträchtlichen Kosten erbaut » worden 
sei, so handelte es sich bei der baulichen Neu 
gestaltung im wesentlichen um die Errichtung 
eines weiteren Obergeschosses und sonstige 
Erneuerüngsarbeiten, die in den Jahren von 
1770 bis 1778 durchgeführt wurden Es mag 
beiläufig erwähnt werden, dass Meister Charles 
Mangin als mit der Ausgestaltung des Schlosses 
beschäftigt angeführt wird. Und wenn 1793 
eine französische Feststellungskommission ihr 
Urteil dahin abgibt, dass die Einrichtung des 
Blieskasteler Schlosses an Pracht jene von 
Saarbrücken und Neunkirchen übertreffe, so 
mag damit gleichzeitig bekundet sein, dass das 
Haus von der Leyen sich sehr wohl neben dem 
Fürsten von Nassau-Saarbrücken und dem 
Herzog von Zweibrücken sehen lassen konnte. 
Blieskastels ^Neugestaltung 
hatte eigentlich schon mit der Durchführung 
eines bereits 1744 auf Wunsch der Bevölkerung 
aufgestellten Bebauungsplanes begonnen, und 
zwar durch Aufschliessung von notwendigem 
Baugelände im Osten der Stadt. Dreissig Jahre
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.