Full text: 1949 (0077)

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Und nun war es der erwähnte Daniel de 
Conde aus Ludweiler, der die Glasfabrikation 
im Warndt erneut aufnahm, und zwar mit bestem 
Erfolge, indem er 1626 im saarbrückischen 
Kreuzwald, also auf heimischem Boden, vom 
Grafenhaus zweihundert Morgen Wald käuflich 
erwarb und hier eine Glashütte errichtete. Diese 
Glasmachersiedlung, die, wie die Fabrikation 
seihst, einen erfreulichen Aufschwung nahm, 
wurde im Jahre 1630, als man hier eine Kirche 
erbaut hatte, « Wilhelmsbrunn » genannt, jenes 
Warndtdorf, das 1766 an Frankreich ausge 
tauscht wurde und heute ein Ortsteil des fran 
zösischen Kreuzwald ist. 
Als dann der Warndt, nach den Zerstörungen 
des unseligen dreissigjährigen Krieges völlig ver 
lassen und verödet, nach 1648 wiederbesiedelt 
wurde, waren es nachweislich wieder Kolonisten 
aus dem Westen, die sich schon recht früh hier 
niederliessen, die verwilderten Fluren erneut in 
fruchtbares Land verwandelten. Ludweiler, das, 
wie wir jüngst feststellen konnten, um 1660 
schon stark von westlichen Kolonisten wieder 
besiedelt war, die französische Vor- und Fami 
liennamen trugen, nur die französische Sprache 
kannten, sich auch einen französischen Pfarrer 
und Lehrer verschrieben, ferner Nassweiler, des 
sen erster Wiederaufbauer ein Pierre Jollage 
war, Grossrossein, in dem schon vor der bisher 
angenommenen Wiederbesiedlung von 1695/96 
französische Kolonisten ansässig geworden wa 
ren, sie künden von der Pionierarbeit westlicher 
Menschen. Und die umfangreiche Studie von 
Buchleitner über die Wiederbesiedlung des 
Warndts nach dem dreissigjährigen Kriege, sie 
erzählt uns, dass die grosse Mehrheit der ersten 
Wiederaufbauer von Ueberherrn und Linseler 
Hof wie Unterbrunner Hof aus dem Westen 
kamen, dass auch Friedrichweiler von west- 
auch der BERGMANN weiss 
es längst: 
am liebsten 
BECKER* 
BIER 
liehen Menschen gegründet wurde, die Jahre zu 
vor mitten im Walde bezw. auf den erwähnten 
Höfen sich angesiedelt hatten. 
Forschen wir auch hier nach den Berufen die 
ser Pioniere im wahrsten Sinne des Wortes, so 
stellen wir fest, dass es wiederum tüchtige Land 
wirte und Handwerker waren, die die verwü 
stete Heimaterde von neuem kultivierten. Und 
wenn wir 1684 in Ludweiler von der Errich 
tung einer Pulvermühle hören, so wissen wir 
heute, dass auf Grund von persönlichen Ver 
handlungen der damaligen Saarbrücker Gräfin 
mit Paris einem Franzosen erlaubt wurde, diese 
Mühle am Lauterbach zu bauen. Wenn sich die 
genannte Gräfin den Ludweiler Färbereibesitzer 
und Grosslandwirt Jacob Boudant als Inspektor 
der jungen Glashütte Klarenthal verschrieb, so 
mochte sie für ihre Entscheidungen zugunsten 
der westlichen Siedler gewiss Grund haben. 
Aber auch die zahlreichen Neuankömmlinge 
aus dem Metzer Land, die Ende des Jahres 1685 
in den Warndt kamen, sich namentlich in Lud 
weiler und Wilhelmsbrunn eine neue Fieimat 
suchten, sie gehörten zu den gesunden Bürger 
schichten von Metz und Umgebung, von denen 
der damalige Intendant Turgot offen sagt, dass 
sie zum grössten Teile den wohlhabendsten 
Familien angehörten. Sollen wir-noch erwähnen, 
dass um 1700 der Franzose Pierard de Corail, 
der sich in Wilhelmsbrunn niedergelassen hatte, 
ein massgeblicher Bildhauer des Grafenhauses 
wurde, von dem wir an der Saar noch zahlreiche 
wertvolle Kunstwerke besitzen ! Müssen wir, um 
den Pioniergeist dieser aus dem Westen gekom 
menen Warndtsiedler zu beweisen, noch daran 
erinnern, dass der in Wilhelmsbrunn heimisch 
gewordene Glasmacher Augustin Bonhomme — 
er ist uns in der Geschichte der saarländischen 
Glasindustrie als Augustin « Guthmann» be 
kannt — im Jahre 1721 die Fischbacher Glas 
hütte erbaute und als erster auf dem Kontinent 
in der Glasindustrie die Steinkohlenfeuerung ein 
führte ! 
Niemand wird uns verübeln, wenn wir diese 
aus dem Westen zu uns gekommenen Siedler als 
Kultur- und Wirtschaftspioniere bezeichnen. 
Und die Entwicklung der Warndtdörfer in der 
Vergangenheit hat gezeigt, dass die Nachkommen 
dieser Kolonisten in vielen Fällen die Tradition 
ihrer Väter wahrten. Ludweiler und Ueberherrn 
sind einwandfrei Zeugen dieses gesunden Gei 
stes, den die Siedler aus dem Westen zu uns 
in den Warndt brachten. - er
	        

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