Full text: 1949 (0077)

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bereits soweit hinter der Düse verdrängt, dass 
nur noch die bewegte Masse der Gase als .Kraft 
anzusprechen ist. So ist ja auch bei über 70 % 
Treibstoffanteil die Endgeschwindigkeit grösser 
als die Austrittsgeschwindigkeit der Gase. Der 
Riickstoss ist unabhängig von der Fluggeschwin 
digkeit des Körpers. Die Rakete als Antriebs 
mittel ist daher auch- der entscheidende Faktor 
beim Bau von Stratosphären 
flugzeugen mit Überschall 
geschwindigkeit. 
Schnelligkeitswettbewerbe 
sind seit den Anfängen der 
Fliegerei stets das Leistungs 
zeichen der Maschinen. Seit 
kurzer Zeit erst ist der letzte 
Rekord eines Propellerflug 
zeuges (Me 109) mit 755 
Stdkm. im Jahre 1939 auf- 
gestellt, durch ein Turbinen 
flugzeug überboten worden. 
Die Leistungssteigerung wird 
daran ersichtlich, als die 
Lockheed P. 80 «Stern 
schnuppe » wie auch die 
Gloster «Meteor» über 
1.000 Stdkm. .erreichten. Die 
Techniker von Zelle und An 
trieb arbeiten nun an Flugzeugen, welche die 
Schallgrenze überfliegen können. Als Antriebs 
mittel kann ein Stato-Düsenmotor (ohne be 
wegliche Teile) dienen. Er ist im Prinzip ähn 
lich einem Turbo-Düsenmotor: hier wird der 
Kompressor durch die grosse Eigengeschwindig 
keit (über 1.000 Stdkm.) ersetzt. Die Luft ver 
dichtet sich dynamisch im Verbrennungsraum. 
Dieser Verdichtungsgrad beträgt 2 Atü bei 
1.150 Stdkm. und 5 Atü bei 2.500 Stdkm. 
Eigengeschwindigkeit (vergl. Kompressor 2-4 
Atü). Verbrennungsvorgang und Entspannung 
der Gase geschieht wie beim Turbo-Düsen 
motor. Es ist selbstverständlich, dass das An 
wendungsgebiet dieses Motors nur bei Über 
schallgeschwindigkeit liegt. Der leistungsfähigste 
Motor für Überschallflugzeuge ist der Raketen 
motor. Das amerikanische Muster 6.000 C-4 
liefert bei nur 95 kg Eigengewicht 2.200 kg 
Rückstoss, dagegen ist der Treibstoff verbrauch 
(flüssiger Sauerstoff + Alkohol) 15 X grösser 
als bei Turbo-Düsenmotoren gleicher Leistung. 
Seine Höchstgeschwindigkeit erreicht ein Rake 
tenflugzeug in der Stratosphäre. Bisher wagte 
man sich jedoch nur zögernd in diese Bereiche, 
zumal das Unglück des de Havilland «Swal- 
low», welcher im Flug auseinanderbrach, und 
der Absturz des YB-9 « Fliegender Flügel » von 
100 to Gewicht mit 8 Düsenmotoren zur Vor 
sicht mahnen. Das amerikanische Versuchsflug 
zeug Bell X-S-l wird in 24 km Höhe 2.500 
Stdkm. erreichen. Entgegen aller Behauptungen 
ist dieses amerikanische ßaumuster die bisher 
einzige Maschine, welche die Schallwand über 
schritt. Welches ist nun das Aussehen dieser 
Maschine ? Sie hat als Antriebsmittel eine 
4-stufige Flüssigkeätsrakete mit 2-4 to Rück- 
stossleistung. Bei 6 to Fluggewicht hat die Ma 
schine 4 to Brennstoff-Fassungsvermögen. Die 
Zelle hat Geschossform, dünne, kurze Flügel 
mit Landeklappen. Der Widerstandsfaktor des 
Ganzmetallflugzeuges beträgt das 18-fache seines 
Gewichtes bei doppelter Sicherheit in der 
Schallzone. Die Flächenbelastung beträgt 490 
kg/m 2 beim Start (Spitfire 125 kg/m 2 ). Bei der 
Landung, ohne Brennstoff, beträgt sie noch 
180 kg/m 2 . Die grosse Spitzengeschwindigkeit 
der Bell K-S-l ist vor allem auf den grossen 
Brennstoffvorrat (66 %) zurückzuführen, wel 
chem als Energiesteigerung 10% flüssiger 
Brennstoff beigefügt ist. Die Maschine erreicht 
durch die 6 min. andauernde Raketenleistung 
(V-2 = 67 sec.) eine grosse Höhe und dort 
bei geringem Luftswiderstand die Überschall 
geschwindigkeit. 
Dennoch ist der Aktionsradius der X-S-l 
kaum grösser als der der V-2 (letztere hat eine 
doppelt so grosse Durchschnittsgeschwindigkeit). 
Die bemannte Rakete A-9 (eine grössere V-2 
mit Pfeilflügeln) sollte 2.000 km weit fliegen,- 
der Pilot wird dabei von 2 g auf 9 g beschleu 
nigt (Bell X-S-l bis 8 g), mehr kann der 
Mensch nicht ertragen, sodass hier eine neue 
Grenze liegt. Die letzten Versuche der X-S-l 
wurden im Schleppflug in grosser Höhe und 
700 km Geschwindigkeit von der Superfestung 
B-29 aus durchgeführt. Diese Starterspamis 
kommt dem Aktionsradius zugute. 
Man spricht schon davon, die Uran-Spaltung 
als Treibstoff zu verwenden. Zu den hohen 
Atomgewichten kommt noch die 1.000-fache 
Zerfall-Beschleunigung. Die Rekorde von heute 
werden eine kurze Lebensdauer haben. 
Bild 4 Amerikanisches Überschallflugzeug Bell JY-S-1
	        

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