Full text: 1949 (0077)

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ihr wohl nicht besonders gut, fragte er, nach 
allem, was er oben auf dem Heustock von ihr 
gehört habe. 
« Ach », versetzte sie,* « Wenn man so allein 
ist, als Frau, Ihr wisst ja, ein jeder tanzt einem 
auf dem Kopf herum. Am schlimmsten die 
Verwandten. » 
Sie liess es zu, dass er ihr nachher ein wenig 
in allem zur Hand ging. Sie fragte ihn zwischen 
durch nach diesem und jenem, und er gab ihr 
Bescheid, auf eine willige, treuherzige Art. Sie 
spürte seine Hilfe, sie meinte, Bab und sie 
arbeiteten wieder zusammen. Eigentlich ging 
doch nichts über eine männliche Hand im Haus 
und ein bisschen Geheischnis. 
In den nächsten Tagen mähten sie das Korn 
und brachten es ein. Darauf den Hafer. Ob er 
nicht auch noch für die Kartoffeln bleiben 
könne? Ei gewiss. Und so blieb er. Er war 
von früh bis spät auf den Beinen. Nachts 
schlief er unten in Babs Kammer, in dem Bett, 
worin Bab gestorben war. Des Sonntags ging 
er gewöhnlich allein in den Wald oder schien - 
derte über die Felder und äusserte nachher 
seine Meinung über dies und das. Einmal 
erzählte man ihr, er habe mit einem der Kater 
vor dessen Haustür gestanden, und sie hätten 
sich gestritten. 
einen jeden. Mich haben sie .auch verderben 
wollen. » 
« Ich weiss », erwiderte er. 
Nun blieb er des Sonntags bei ihr, oder er 
ging mit ihr auf den Kirchhof, an Babs Grab. 
Sie erzählte ihm von Bab. Auch zu Hause er 
zählte sie ihm, wie gut Bab gewesen sei, ein 
herzensguter Mann. Da geschah es, dass Wanne 
macher plötzlich die Hände vors Gesicht 
schlug und seufzte. Traud fiel sein absonder 
liches Tun auf. Ob er einen Kummer habe? 
Doch er gab ihr keine Antwort. 
Am Kirmessonntag stand sie vor der Türe. 
Sie sah Wannemacher aus der Wirtschaft 
herauskommen und über die Strasse gehen, 
ein wenig schwankend. Einer der Kater trat 
ihm in den Weg, Wannemacher wich ihm aus, 
doch der Kater griff ihn beim Arm, mit einmal 
lag der Kater am Boden und stand lange 
nicht mehr auf. 
Sie fühlte plötzlich eine kalte Angst vor 
Wannemacher. Sie ging in die Stube zurück. 
« Jetzt muss ich wissen », sagte sie zu Wanne 
macher, als er in die Stube zu ihr kam, « jetzt 
muss ich wissen, was für ein Spiel Ihr mit mir 
treibt ». 
Er hatte übers Mass getrunken. 
Sie warnte ihn : « Lasst Euch nicht mit den * Frau... Frau... », stptterte er, und jetzt 
Gaunern ein, Wannemacher, sie verderben F n S er § anz haltlos an zu weinen. Er liess sich 
in den Stuhl fallen. « Ich bin ein Hund, ein 
Hund, ein miserabliger Hund ! », 
stiess er hervor und hieb mit der 
Faust auf sein Knie. 
Da also erfuhr sie es : Wanne 
macher war damals auf Geheiss 
der Kater in ihre Scheune einge 
schlichen, um das Haus, gegen 
Belohnung, in Brand zu setzen, 
abends, sobald Traud zu Bett ge 
wesen wäre. Doch dann habe er 
sie auf dem Heustock stehen und 
zu Bab jammern hören, Bab, 
ihrem guten Manne. 
Er sagte : « Seht Ihr, da konnte 
ich es nicht mehr anstecken. Mir 
war, als stehe einer hinter mir und 
halte mir die Hand fest. » 
Traud nickte und legte die 
Hände auf die Brust. 
«Ja », sagte sie wie beteuernd, 
«das war er, nur er, mein guter 
Bab. Er hat Euch die Hand fest 
gehalten. Er hält Wacht über 
mich und mein Haus. O, du guter, guter Bab!» 
Wannemacher packte noch am Abend seine 
Sachen und ging. Sie stand am Fenster und 
sah ihn das Pfädchen hinauf in das Haus des 
Gendarms gehen. 
Nun hatte sie für immer Ruhe vor den 
Katern.
	        

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