Full text: 1948 (0076)

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und Salebruche heißt. Ruppersberg war der 
Meinung, daß der Übergang von r in 1 auf 
französischen Einfluß zurückzuführen sei. 
Als Beispiel führt er Saarwerden an, das 
einige Male auch Salleverne genannt wird. 
Indes wurde die Form Sallverne lediglich in 
der erzbischöflichen Kanzlei zu Trier ge 
braucht und jeweils in Verbindung der bei 
den Grafen von Sallebruche und Salleverne. 
In Trier aber mußte man bestimmt wissen, 
wie der Graf geheißen hat. Auch war die 
Saar und ihre Schreibweise hinlänglich be 
kannt. Selbst in Frankreich würde man die 
Saar niemals Salle genannt haben. Allerdings 
war man in den neunziger Jahren noch nicht 
in die Geheimnisse der Ortsnamenforschung 
eingetreten, und der gelehrte Prietze saß da 
mals noch zu Füßen Ruppersbergs, des hoch- 
geschätzten Förderers saarländischer Ge 
schichtsforschung. 
Die erste urkundliche Nachricht mit dem 
Namen Sarabruca ist aus dem Jahre 999. Da 
gegen findet sich die Bezeichnung Salem- 
burca erstmalig im Jahre 1065. Für den da 
zwischen liegenden Zeitraum sind nur drei 
Saarbrücker Urkunden nachgewiesen, also 
Urkunden, in denen eine Sarabrucca-Form 
vorkommt. Hieraus könnte geschlossen wer 
den, daß die Sal-Form eine wesentlich jün 
gere, die Sar-Form dagegen die ursprüngliche 
ist. Indes ist zu berücksichtigen, daß die Sar- 
Form in der Wiedergabe seit 999 ausschließ 
lich in der kaiserlichen Kanzlei angewandt 
wurde, die Sal-Form indes in den Kanzleien 
des Erzbischofs von Trier, des Bischofs von 
Metz, des Herzogs von Lothringen, der Grafen 
von Zweibrücken und anderer benachbarter 
Herrschaften. Seit 1191 wurde sie dann auch 
— erst regelmäßig, dann wieder im Wechsel 
mit der Sar-Form — von der kaiserlichen 
Kanzlei gebraucht. 
Für die Kanzlisten war natürlich die Wie 
dergabe von Namen, die meist ganz und gar 
nach dem Gehör geschrieben werden mußten, 
eine nicht geringe Leistung. Der Graf konnte 
seinen Namen vielleicht garnicht schreiben, 
während dem Kaiser doch immerhin der 
eigene Namenszug geläufig war. Das Kastell 
des Grafen vom Sargowe (Saargau) war als 
die brucca oder brügge (der Name der 
flandrischen Stadt „Brügge“ bedeutet genau 
dasselbe, nämlich Malstatt) bereits hinläng 
lich gekennzeichnet. Der Sargowe setzte vor 
aus, daß es sich auch um das Sar-brucca 
oder Sar-brügge handelte. 
In Wirklichkeit mußte sich der Graf jedoch 
unter jener zusätzlichen Bezeichnung Sal ge 
nannt haben, die den Ort des Gaugerichtes 
und gleichzeitigen Herrensitzes besonders 
hervorhob und die durch den Zusatz brucca, 
bruch usw. eine gewisse Verdoppelung erfuhr. 
Kannte doch niemand besser den Namen 
dieses Herrensitzes als die Bischöfe und Gra 
fen der Nachbargaue, und diese hielten sich 
an Sal- und nicht an Sar-. 
Die Grafen bauten sonach ihre erste Burg 
auf den Salhof, die alte Gauversammlungs 
stätte, und hielten dort — wohl lange noch 
in offener Halle — ihre Gerichtssitzungen und 
andere Zusammenkünfte. Es war das also der 
Hauptgerichtsort, der Gaugrafensitz. Denn 
Sal — und seine Ableitungen sei, sella und 
sedel (Sattel) — bezeichnet stets den Sitz des 
Gebieters. 
Saarbrücken in seiner ursprünglichen Be 
deutung als Salemburca, Sallebrügge und 
Salebruch ist also genau dasselbe wie die in 
umgekehrter Schreibweise erscheinenden Na 
men Bruchsal und Brüssel, das mittelalter 
liche Brocksella. 
So dürfte der Beweis erbracht sein, daß 
Saarbrücken nicht nach der Haiberger Saar 
brücke und auch nicht nach dem Königshof 
Sarabrucca, sondern daß der Königshof nach 
dem Salhof (Gauthingplatz) der ehemaligen 
Hauptstätte des unteren Saargaues (auf dem 
heutigen Schloßberg) benannt wurde. 
Und nun, meine Herren vom Saarbrücker 
Stammtisch, haben Sie das Wort!
	        

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