Full text: 1948 (0076)

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AUGUSTA TREVERORU M 
Die historische GröSje der alten Moselstadt Trier 
Von H. KÖRNER, Saarbrücken. 
ls der römische Feldherr Julius Caesar in 
den Jahren 58 — 51 v. Chr. Gallien unter 
warf, erschienen die Treverer zum erstenmal 
ln der Geschichte. Sie waren schon damals, 
wie Caesar berichtet, ein mächtiges Volk. 
Caesar nennt in Gallien viele Städte und be 
festigte Plätze, und doch an keiner Stelle fin 
den wir, daß irgendeine Stadt in den Trierer 
Landen den Anspruch erheben konnte, Haupt 
stadt des Volkes gewesen zu sein. 
Erst später, bei den römischen Schrift 
stellern Pomponius Mela, Tacitus und Auso- 
nius, finden wir eine Bezeichnung für die 
Hauptstadt der Treverer, nämlich Augusta 
Treverorum, Urbs Treverorum oder Treve- 
rica. Als Bezeichnung der Einwohner Triers 
finden wir bei Tacitus wie bei Caesar das 
Wort „Treviri“, während dasselbe Wort als 
Stadtname vereinzelt erst im 9. Jahrhundert 
erscheint, meist in poetischer Form. Bei den 
mittelalterlichen Schriftstellern erscheint für 
die Stadt Trier die Bezeichnung „ T r e v i - 
r i s Sie wurde später am gebräuchlichsten. 
In seiner Schrift „De situ orbis“ nennt der 
römische Geograph Pomponius Mela um 40 
n. Chr. Trier eine der reichsten Städte Gal 
liens. Die Moselstadt war schon damals durch 
ein ausgedehntes Straßennetz mit dem Her 
zen des römischen Weltreiches verbunden. 
Manche römische Legion ist über Trier auf 
diesen trefflichen Heerstraßen zum Rhein 
und weiter zum „Limes“, dem römischen 
Grenzwall, marschiert. In einsamen Wald 
distrikten in der Eifel und auf dem Hunsrück 
sind heute noch Teile dieser Straßen aus 
gezeichnet erhalten. 
Trier war der Knotenpunkt von acht gro 
ßen Römerstraßen, welche die Verbindung 
Galliens mit dem Rhein .herstellten. Die 
Straßen von Reims, Köln und Mainz-Bingen 
nach Trier wurden schon zur Zeit des Kaisers 
Augustus, um 30 v. Chr., von dessen Feldherr 
Agrippa gebaut. 
Die große Straße von Bingen nach Trier zog 
im Jahre 368 n. Chr. der römische Dichter 
A u s o n i u s , der von Kaiser Valentinianus 
zur Erziehung des Prinzen Gratianus nach 
Trier berufen worden war. In seinem wun 
derbaren Moselgedicht „M o s e 11 a“, welches 
370^71 n. Chr. entstand, schildert er seine 
Reise auf der Heerstraße durch die tiefen 
Forsten des Hunsrücks. 
Römische Kolonie wurde Trier zwischen 
den Jahren 50 und 70 n. Chr. Die Einwoh 
ner erhielten um diese Zeit römisches Bür 
gerrecht. Als der Kaiser Maximianus im 
Jahre 286 n. Chr. die Stadt zu seiner Residenz 
erhob und sie zur Hauptstadt von Britannien, 
Gallien und Spanien machte, die zusammen 
eine der 4 Präfekturen des Reiches bildeten, 
wurde Trier in politischer Bedeutung die 
erste römische Stadt diesseits der Alpen, d i e 
Hauptstadt des gesamten Okzi 
dents. Dieser Stadt kann man, was ihre 
damalige große Bedeutung angeht, eigentlich 
nur die heutigen großen Regierungshaupt 
städte der europäischen Staaten zur Seite 
stellen. 
Aber auch schon vorher gehörte die Mosel 
stadt zu den berühmtesten Städten des römi 
schen Weltreiches: z. B. wurde im Jahre 276 
die Wahl des Kaisers Tacitus durch den römi-
	        
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