Full text: 1948 (0076)

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verlassenen Flöze Alvensleben, Emil und Otto 
wurden wieder aufgesucht. 
Mit 435 Mann erreichte die Belegschaft im 
Jahre 1889 ihre Höchstzahl. Die Förderung 
war auf 65 370 Tonnen gestiegen. Aber schon 
im Jahre 1892 war sie infolge ungünstiger 
Abbauverhältnisse wieder auf 44 020 Tonnen 
gesunken und die Belegschaft nach Verte- 
gungen auf die Gruben Louisenthal und Von 
der Heydt auf 271 Mann zurückgegangen. 
Als man damals ernstlich an eine Stillegung 
der Grube dachte, traten im Flöz Emil derart 
günstige Abbauverhältnisse ein, daß diese 
Stillegung verschoben wurde. Die Belegschaft 
wurde wieder vermehrt. Die Förderung stieg 
auf über 60 000 Tonnen. Um aber endlich 
Klarheit über die Lagerungsverhältnisse und 
Abbauwürdigkeit der Flöze zu erhalten, ent 
schloß man sich im Jahre 1896 zu Bohrver 
suchen. Westlich der Rossel wurde mittels 
eines solchen Versuches bis zu 350 m Teufe 
festgestellt, daß man sich hier in den ge 
suchten Flözen der Fettkohlenpartie befand. 
Eine weitere Tiefbohrung von 818 m in der 
Nähe der Markscheide der Grube Petite- 
Rosselle ließ keinen Zweifel darüber, daß 
man hier die Fortsetzung der Fettkohlenfiöze 
von Petite-Rosselle in schöner Entwicklung 
und regelmäßiger Lagerung ohne Gebirgs- 
störungen in 14 bauwürdigen Flözen ange 
troffen hatte. Zur Untersuchung der mitt 
leren Flammkohlenpartie nahm man zur 
gleichen Zeit in Ludweiler eine Bohrung bis 
zu 903 m Teufe vor. Bezüglich der Flamm- 
kohlen hatte man keinen Erfolg. Man befand 
sich mit dieser Tiefe bereits in den Warndt- 
fettkohlenflözen und stellte Ende 1897 oiese 
Bohrung ein. Westlich Großrosseln wurde ein 
Jahr später ein Versuchsschacht, abgeteuft. 
Wegen starker Wasserzuflüsse wurden die 
Arbeiten nach kurzer Zeit eingestellt. 
Auf der Feldgemarkung Klarenthal, östlich 
der Rossel, wurde am 11. November 1899 der 
damalige Rosselschacht — der nachmalige 
Gustavschacht I der Grube Velsen — ange 
hauen. Und dies war die Geburtsstunde der 
so schnell aufblühenden Tochtergrube Velsen. 
Schon nach einigen Jahren hatte sie die 
Muttergrube Geislautern überflügelt, deren 
weitere Geschichte nun kurz erzählt ist. 
Noch einmal wurde im Jahre 1902 mit 74 152 
Tonnen ihre höchste Förderziffer erreicht. 
Dann fiel sie von Jahr zu Jahr und betrug 
im Jahre 1907 kaum noch 25 000 Tonnen. 
Infolge der bereits erwähnten ungünstigen 
Verhältnisse hat es die Grube Geislautern 
trotz ihres ehrwürdigen Alters nie zur rechten 
Blüte gebracht. Sie wurde am 1. Dezember 
1908 stillgelegt und damit auch die Tages 
anlage Wehrden in demselben Jahr, als da 
mals die jüngste Berginspektion XII in 
Fürstenhausen (Fennerhof) gegründet wurde, 
und der nach ihrer bisherigen Zugehörigkeit 
zur Berginspektion I Ensdorf die Gruben 
Geislautern und Velsen zugeteilt wurden. 
Nach der Stillegung der Grube Geislautern 
fand der alte Stamm erfahrener Bergleute 
Arbeit und Brot auf der Tochtergrube Velsen, 
deren Entwicklung und Ausdehnung in 
zwischen in raschem Maße gewachsen wat 
und einen flotten Betrieb aufzuweisen hatte. 
Die Tagesanlagen der alten Grube GeiSr- 
lautern (siehe Zeichnung) wurden zunächst 
zu Schlafhäusern umgebaut und dann, als 
solche 1922/23 bei der Grube Velsen neü 
gebaut worden waren, zu Büroräumen für 
die Berginspektion XII, die im Jahre 1926 
von Fürstenhausen nach Geislautern verlegt 
wurde. 
Im Jahre 1935 wurde die Bezeichnung 
„Berginspektion“ in „Steinkohlenbergwerk“ 
umgeändert. Das Steinkohlenbergwerk Für 
stenhausen erhielt somit die Benennung „Stein 
kohlenbergwerk Geislautern“. Es umfaßt 
heute die Gruben Velsen und Louisenthal. 
So ist noch in der jetzigen Bezeichnung ,Stein 
kohlenbergwerk Geislautern“ die Erinnerung 
an die am 1. Dezember 1908 stillgelegte alte 
Grube Geislautern, mit der manches Men 
schenschicksal verbunden war, erhalten ge 
blieben. 
Zuerst erkenne didt selbst! 
Von Josef Burger, Klarenthal 
Kannst du sagen jeden Spruch 
wörtlich aus der Bibel, 
hast studiert du manches Buch, 
Bände und auch Fibel, 
lerntest du so spät und früh, 
was sie Wissen nennen: 
Alles ist verlorne Müh’, 
lernst du „Dich“ nicht kennen! 
Hast du eifrig untersucht 
heil'ge Glaubenssätze, 
neben Theorie verbucht 
Philosophenschätze, 
trotz der Mühe dennoch war 
nutzlos dein Beginnen, 
wenn du „Dich“ nicht selbst kennst klar 
in dem Herzen drinnen! 
Wenn ein Mensch sich selbst nicht kennt, 
bleibt er Null im Haufen, 
oder er fanatisch rennt, 
bis er festgelaufen. 
Darum sei dein edles Ziel, 
„Wahrer Mensch ' zu werden, 
der durch Taten leistet viel 
Gutes hier auf Erden!
	        

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