Full text: 1948 (0076)

226 
I 
I 
DIE HEILKRÄUTER 
Die Allmutter Natur bietet uns so viele 
Heilmittel und Heilkräfte, daß es sich wirk 
lich lohnt, sich einmal näher mit ihnen zu 
befassen. An Wegrändern stehen sie. auf 
Feldern, an Bächen und im Wald, achtlos 
gehen wir an ihnen vorbei oder zertreten sio 
sogar. Betrachten wir einmal all die unbe 
kannten und bekannten Heilkräuter und 
welche Wirkung sie auf den menschlichen 
Körper haben. 
Baldrian: wächst auf Wiesen und in Wäldern. 
Die Wurzeln werden im Frühjahr oder 
im Spätherbst ausgegraben. Der Tee wirkt 
gegen Schlaflosigkeit, er hilft gegen 
Angstgefühl und Kopfschmerzen. 
Brennesseln: sie wachsen überall. Man sam 
melt im Sommer die jungen Blätter und 
Wurzeln. Im Frühjahr geben sie uns 
das erste Gemüse; zu Heilzwecken wer 
den die Blätter getrocknet und bei Bedarf 
wieder aufgekocht. Brennessel-Wasch 
wasser hilft gegen Ausschlag; als Tee 
haben sie eine harntreibende und stuhl 
fördernde Wirkung. 
Erdbeeren: die Blätter und Blüten geben ein 
wohlriechendes Getränk, das bei Unter 
leibs- und Nierenleiden gute Dienste 
leistet und auch bei Ausschlägen heil 
kräftig wirkt. 
Fenchel: wird im Garten angepflanzt. Die 
Ernte des Samens beginnt im August. 
Man läßt einen Teelöffel voll auf 1 
Tasse Wasser kurz aufkochen und 10 
Minuten ziehen und reicht ihn bei Magen- 
und Darmbeschwerden. Gegen Husten 
und Katarrh hilft Fencheltee — aller 
dings mit Zucker gesüßt. 
Fichte: die ganz jungen, hellgrünen Sprosse 
werden im Frühjahr gepflückt und ent 
weder frisch oder getrocknet gebraucht. 
Als Tee (75 g auf 1 1 Wasser) helfen sie 
bei Katarrh, Gicht und Rheumatismus, 
da sie ätherische öle, Terpentin und Harz 
enthalten; auch gut als Inhalationsmittel 
bei Asthma und Keuchhusten. Bäder aus 
Fichtensprossen oder Fichtennadeln haben 
eine günstige Wirkung bei Erschöpfungs 
zuständen und Nervenschwäche und 
schlechtheilenden Wunden. 
Fingerkraut: man findet es ais Unkraut an 
feuchten Stellen in Gärten und Äckern, 
an Wegrändern und Gräben. Man sam 
melt die ganze Pflanze von Juni ab mit 
der Wurzel. Man kocht 5 g Kraut und 
Wurzeln mit einer Tasse Wasser kurz auf, 
trinkt davon täglich zwei Tassen warm 
bei Durchfall oder Ruhr. Zur Bekämp 
fung der Ruhr kann man den Wurzel 
stock auch mit Rotwein abkochen. Der 
Tee hilft auch bei der Behandlung von 
Wunden und Geschwüren sowie als Spül 
mittel bei Zahnfleischentzündungen und 
Zahnschmerzen. 
Hagebutten: man sammelt hier die roten 
Früchte, die etwa im September reif sind. 
Die Haare und der Kern werden entfernt, 
der Rest wird getrocknet. Hagenbutten- 
tee hilft bei Blasenleiden und Gallen 
steinen sowie bei Magenkrampf. Mit 
Kandiszucker gekocht ist er ein gutes 
Mittel gegen Keuchhusten. 
Heidelbeeren: die Beeren. Blätter und Wur 
zeln werden gesammelt. Die getrockneten 
Beeren werden roh oder als Mus gegessen 
bei Durchfall. Sie stärken die Harnorgane 
Heublumen: zur Zeit der Heuernte gesam 
melt — geben (eine Handvoll auf ein Ltr 
Wasser und mit etwas Zucker gesüßt) 
einen Tee zur Blutreinigung und Reini 
gung von Nieren und Blase. Äußerlich 
wendet man sie als Bad ah bei Ausschlag; 
auch Umschläge und Wickel aus Heu 
blumen bei Leibschmerzen und Ge 
schwüren sind zu empfehlen. 
Holunder: die Blüten werden im Juni oder 
Juli gesammelt. Der Tee (etwa 5 g auf 
Va 1 Wasser) ist harn- und schweißtrei 
bend, er wirkt lösend bei Erkältungen 
und Hustenanfällen. Gekochte oder rohe 
Holunderbeeren wirken gegen Durchfall; 
der Tee von Rinden und Wurzeln wird 
gegen Wassersucht angewandt. 
Huflattich: dessen Blüten im März und April 
und dessen Blätter im Mai gesammelt 
werden, (3 Teelöffel auf Vz 1 kochen 
des Wasser) hilft bei Katarrhen und wirkt 
schweißtreibend bei Krankheiten mit 
Fieber. 
Kamille: — sie ist bekannt. Der Tee aus 
„echten“ Kamillen (am Geruch erkenn 
bar!) wirkt bei Leibschmerzen wie über 
haupt allen krampfhaften Leiden der 
Verdauungsorgane. Auch als Gurgelmittel 
bei Halsentzündungen zu empfehlen. 
Knoblauch: man läßt die Zwiebel trocknen, 
reinigt sie und hängt sie in einen luftigen 
Raum. Äußerlich angewandt wirkt Knob 
lauch zur Reifung von Geschwüren, inner 
lich als magenanregendes, stärkendes 
Mittel. 
Lauch: hilft bei Brustverschleimung; in Milch 
gekocht, heilen Lauchzwiebeln eitrige 
Geschwüre. 
Lindenblüten: sie werden im Juni und Juli 
gesammelt und getrocknet. Ihr Tee wirkt 
schweißtreibend und krampfstillend: man 
trinkt ihn also bei Fieber, Erkältungen 
und Brustkatarrh. Man nimmt dazu 4 
Eßlöffel Blüten, die mit 1 1 kochendem 
Wasser übergossen werden. Man läßt den 
Tee ziehen, mit Zucker oder Honig ver 
süßt.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.