Full text: 1948 (0076)

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die revolutionäre Bewegung, verherrlichte in 
seinen Schöpfungen die Tugenden des Alter 
tums und wurde in etwa der offiziell aner 
kannte Maler der Revolution. Später ernannte 
ihn Napoleon zum ersten Maler des Kaisers. 
Von den Bourbonen im Jahre 1815 ver 
bannt, da er einer von den Deputierten ge 
wesen war, die im National-Konvent für den 
Tod des Königs Ludwigs XVI. gestimmt hat 
ten, verbrachte er die letzten Jahre seines 
Lebens in Brüssel trotz der Bemühungen des 
Preußenkönigs, der ihn gerne an seinen Hof 
gezogen hätte. In Frankreich gewann David 
einen tyrannischen Einfluß, und die Ge 
schichte der französischen Malerei während 
der beiden ersten Jahrzehnte dieses Jahr 
hunderts ist fast ausschließlich die seiner 
Schule. Das Dogma der Antike war von alven 
übernommen worden: Gerard, Guerin, Giro- 
det, Prud’hon. 
Eine einzige Ausnahme bildete GROS, 
der durch seine Darstellung napoleonischer 
Schlachten berühmt gewordene Maler. Er 
führte in seinen Werken die durch die An 
hänger Davids verbannte Bewegung und 
Farbe wieder ein und wählte im Gegensatz 
zu der damals herrschenden Zeitrichtung be 
sonders zeitgenössische Stoffe. Maler und 
So.dat, brachte Gros in seinen Gemälden 
die Schrecken des Krieges und seine Leiden 
mit dramatischer, selten erreichter Ein 
druckskraft zur Darstellung. 
Aber das Ansehen Davids blieb so stark, 
selbst nach dessen Verbannung, daß der Ver 
such von Gros, die etwas kalt wirkende 
Kunst der Anhänger Davids neuzubeleben, 
von seinen Zeitgenossen abgelehnt wurde, 
und der Künstler in der Erkenntnis, einen 
Irrweg eingeschlagen zu haben, Selbstmord 
beging. 
So sah es damals aus, als die romantischen 
Maler auftraten. In der Malerei stellt die 
Romantik zunächst eine Reaktion gegen die 
Vergötterung der griechisch-römischen Kunst 
dar. Die Kriege des Kaiserreiches hatten 
zahlreichen französischen Malern die Mei 
sterwerke Flanderns und Hollands geoffen- 
bart; Rubens und Rembrandt mit ihrer Farbe, 
ihrem Licht und ihrem Leben hatten sie 
von der klassischen Kunst abgelenkt. So 
entstand eine neue Kunst, die während des 
Jahrzehnts von 1820 bis 1830 führend wurde. 
Der der Revolution von 1830 folgende Wech 
sel des Regimes befestigte ihren Sieg. König 
Ludwig-Philipp und seine Minister, vor allem 
Thiers, gewährten der romantischen Malerei 
ihren Schutz. Die hervorragendsten unter 
allen Vertretern dieser Richtung sind GE- 
R I C A U L T und DELACROIX. Alle 
beide sind sehr bedeutende Künstler, und 
ihre Begabung ist so verschiedenartig, daß 
man sie nicht ohne Vorbehalt im eigent 
lichen Sinne der romantischen Schule zu 
rechnen kann. Sie ragen weit über deren 
Rahmen hinaus, und lediglich das Bedürfnis 
nach einer Einreihung läßt eine Zuordnung 
dieser beiden unabhängigen Meister zu den 
Romantikern zu. Wenn man unter Romantik 
die vorzugsweise Darstellung von Stoffen 
aus dem Mittelalter und der Renaissance 
versteht, dann waren sie Romantiker. Aber 
ihre ausgeprägte Persönlichkeit verwehrte es 
diesen Meistern, sich den strengen Vorschrif 
ten einer Schule zu beugen. 
Gericault starb sehr jung im Jahre 1824 
in voller Schaffenskraft infolge eines Sturzes 
vom Pferde. Aber er hinterließ trotzdem 
einige Meisterwerke der französischen Malerei. 
Was ihn kennzeichnet, ist die Liebe zum 
Leben verbunden mit der zur Ordnung. Er 
verherrlichte die Kraft: Frauen hat er nicht 
gemalt, nur junge, auf ihre Muskeln stolze 
Männer. Aber diese Lebensfreude wurde 
durch tiefgründige Studien in geordneten 
Bahnen gehalten. So hat Gericault in dem 
berühmten Bilde: „Das Floß der Medusa“ 
(Bild 3), zu welchem er durch ein zeit 
genössisches Ereignis angeregt wurde, näm 
lich die Rettung von Passagieren einer an 
der afrikanischen Küste schiffbrüchigen Fre 
gatte nach langen leidensvollen Tagen, von 
den Vorgängen dieses zu malenden Dramas 
denjenigen festgehalten, welcher mit mensch 
lichen Empfindungen am gesättigtsten ist; es 
ist jener Augenblick, in dem das rettende 
Schiff den Schiffbrüchigen sichtbar wird. 
Bevor er sein Gemälde begann, sammelte 
Gericault Unterlagen, ließ ein Floß nach 
den Angaben eines der Überlebenden bauen, 
reiste an die Küsten des Atlantik, um das 
Meer zu betrachten, und besuchte Kranken 
häuser, um Kranke und Tote zu beobachten. 
Nach Sammlung dieser Unterlagen schuf er 
ein Gemälde, in dem er seine Gestalten in 
zwei Gruppen aufteilte: unten diejenigen, 
die durch Verzweiflung und Krankheit nie 
dergeworfen sind, oben diejenigen, denen die 
Hoffnung auf Rettung neue Kraft geschenkt 
hat. Kennzeichnend jedoch für die Art Ge- 
ricaults ist, daß der Realismus der han 
delnden Personen des Dramas wie der der 
Gestalten Michel-Angelos in geklärter Form 
zum Ausdruck kommt.
	        

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