Full text: 1948 (0076)

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Luft. Ja, Luft! — Nach Luft schnappend stieg 
ich einige Dutzend Leitern wieder in die Höhe, 
und mein Steiger führte mich durch einen 
schmalen, sehr langen, in den Berg gehauenen 
Gang nach der Grube Dorothea. Hier ist es 
luftiger und frischer, und die Leitern sind 
reiner, aber auch länger und steiler als in der 
Karolina. Hier wurde mir auch besser zumute, 
besonders da ich wieder Spuren lebendiger 
Menschen gewahrte. In der Tiefe zeigten sich 
nämlich wandelnde Schimmer; Bergleute mit 
ihren Grubenlichtern kamen allmählich in die 
Höhe mit dem Gruße „Glückauf!“, und mit 
demselben Widergruße von unserer Seite stie 
gen sie an uns vorüber; und wie eine be 
freundet ruhige, und doch zugleich quälend 
rätselhafte Erinnerung trafen mich mit ihrem 
tiefsinnig klaren Blick die ernst-frommen, 
etwas blassen und vom Grubenlicht geheim 
nisvoll beleuchteten Gesichter dieser jungen 
und alten Männer, die in ihren dunklen, ein 
samen Bergschächten den ganzen Tag ge 
arbeitet hatten, und sich jetzt hinauf sehnten 
nach dem lieben Tageslicht und nach den 
Augen von Weib und Kind. 
Still und sicher hatte uns jetzt das kleine 
Grubenlicht ohne viel Geflacker geleitet durch 
das Labyrinth der Schächte und Stollen; wir 
stiegen hervor aus der dumpfigen Bergnacht, 
das Sonnenlicht strahlte. — Glückauf! — 
Fischbach, evangelische Kirche 
(Phot. Max Wentz, Saarbrücken)
	        

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