Full text: 1947 (0075)

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Dem 
1947 
Bergmannskalender 
zum Geleit! 
Wu könnte man wohl einen Rückblick über das erste Jahr französischer Verwaltungs 
und Aufbauarbeit an der Saar besser beginnen als mit einem Lob des Saarbergmanns. 
Es gibt Länder, die ihre Berühmtheit Künstlern verdanken oder fruchtbaren Feldern 
und Auen oder den Meeren, die ihre Ufer umspülen. Das Saarland ist weltbekannt durch 
seine Gruben, durch seine an schwere Arbeit gewöhnte disziplinierte Bevölkerung, die aus 
dem Schoß der Erde die für das menschliche Dasein so wertvolle Kohle an den Tag 
fördert. 
Wenn ich dieses Land so fleißiger gewerblicher Tätigkeit durchfahre, so frage ich 
mich, welche Folgen wohl eine plötzliche Einstellung der Kohlenförderung haben würde. 
Ich sehe dann erloschene Herdfeuer, erstorbene Fabriken, stilliegende Schiffe. 
Doch schnell verfliegen solche Vorstellungen. und wenn wir auch in den schweren 
Jahren, die Europa eben überstanden hat, ihre traurige Wirklichkeit erfahren haben, so 
können wir jetzt doch mit Vertrauen in die Zukunft blicken und dürfen uns sagen, daß 
wir mit fester Entschlossenheit den Weg der Genesung beschritten haben. 
Immer muß man den bewundernswerten Aufbauwillen hervorheben, den Techniker und 
Bergleute der Saargruben täglich von neuem beweisen. 
Betrachten wir das graphische Bild der Förderung seit Juli 1945, so finden wir eine 
Rechtfertigung für unsere Zuversicht. Die stetig ansteigende Linie einer Tageserzeugung 
von 7000 Tonnen auf 27 000 Tonnen in einem Jahr bildet den greifbaren unwiderlegbaren 
Beweis dafür, daß wir allen Grund zu freudiger Genugtuung haben. Aber wenn wir uns 
diese schlichte schwarze Linie auf dem Papier anschauen, dann dürfen wir nicht vergessen, 
wie schwer der Kampf war, der diesen ununterbrochenen Aufstieg ermöglichte. 
Wieviel Mühe, Schweiß und Arbeit hat uns dieser Erfolg gekostet! Wieviel Schwierig 
keiten und Hindernisse waren zu überwinden! Nur die unzähligen Helfer können es wissen. 
Ihnen allen gilt unser Dank. 
An erster Stelle unter ihnen — dies sei nochmals wiederholt! — sind die Bergleute zu 
nennen. Nach dem Ende der unerbittlichen Nazityrannei, die sie zu wahren Sklaven herab 
gewürdigt hatte, nach den furchtbaren materiellen Entbehrungen, die für sie Krieg, Zer 
störung und Hunger bedeuteten, haben sie sich sofort zu ehrlicher friedlicher Wieder 
au.) bauarbeit bekannt, nachdem ihrer Hände Fleiß vorher, entgegen ihrem Willen — dies 
weiß ich genau —, zu Zwecken der Kriegführung ausgenutzt worden war. 
Dann seien die Techniker, die Ingenieure und die Verwaltungsbeamten erwähnt, die 
nicht nur Eifer und Hingabe mitbrachten, sondern auch ein wahrhaft menschliches Ver 
ständnis für alle die mannigfachen brennenden Probleme und gleichzeitig den Willen, jeder 
Einzelleistung, wie bescheiden sie auch sein möge, vollauf gerecht zu werden. Denn die 
Steigerung der Förderung war keineswegs das einzige Ziel der Grubenleitung oder vielmehr 
dieses Ziel wurde nur in dem Maße angestrebt, als es sich ohne Zwang erreichen ließ. 
Die saarländischen Bergleute sollen wissen, was Frankreich ihnen mit jedem Tag von 
neuem bringen will. Es geht Frankreich nicht allein darum, Fragen materieller Art zu 
lösen. Nie wird es sich ein System der Tyrannei zu eigen machen, bei dem die Augen 
unverwandt auf Zahlen und graphische Darstellungen gerichtet sind, in einem tollen Wett 
rennen nach Schaffung materieller Werte. 
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