Full text: 1947 (0075)

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BERGBAU 
in den Vereinigten Staaten von Amerika 
Von Direktor PEKRIN 
Die Vereinigten Staaten von Amerika sind 
in jeder Hinsicht ein sehr großes Land. Ihre 
Bodenfläche entspricht der von ganz West- 
und Mitteleuropa, und die Entwicklung ihrer 
Industrie ist der jedes europäischen Landes 
weit überlegen. Man kann die Vereinigten 
Staaten mithin nicht mit' einem einzelnen 
europäischen Lande vergleichen, sondern nur 
mit ganz Europa. So hat z. B. ihre Kohlen 
förderung im Laufe der letzten Jahre 500 
Millionen überschritten. 
Die Kohlenablagerungen sind gewaltig; sie 
reichen vom Atlantik bis zum Pazifik und von 
Kanada bis zum Golf von Mexiko. Kein 
Kohlenbecken unseres Planeten läßt sich mit 
diesem ausgedehnten Becken vergleichen, das 
sich über die Staaten von Pennsylvanien bis 
zum Missouri, d. h. über 2400 km von Westen 
nach Osten und über 1500 km von Norden 
nach Süden erstreckt. 
Wenn man von den Anthraziten im Norden 
Pennsylvaniens absieht, führt das Becken so 
genannte Weichkohle (soft coal), eine bitumi 
nöse, langflammige Kohle, die mehr oder 
weniger verkokbar ist. Die Hauptvorzüge der 
Flöze dieses Beckens sind die geringe Teufe, 
die flache und sehr regelmäßige Lagerung, 
das ausgezeichnete Hangende und das Fehlen 
Generalansicht einer amerikanischen Grube 
von Schlagwettern in den meisten Gruben. 
Das sind offensichtlich sehr günstige Be 
dingungen, welche die fabelhaften Leistungen 
im Vergleich zu unserem Bergbau erklärlich 
machen. Diese Leistungen werden durch eine 
sehr weit vorangetriebene Mechanisierung 
aller Arbeiten unter wie über Tage ermög 
licht. In Amerika sagt man: die Maschine, 
welche die menschliche Arbeit ersetzt, macht 
sich immer bezahlt. Das trifft zu wegen der 
sehr hohen Löhne für die Handarbeit und 
wegen deren Seltenheit. Gegenwärtig werden 
in Amerika 80 °/o der Kohlenförderung unter 
Tage mechanisch geladen, und es würde 
schwer fallen, Bergleute für die Wegfüllarbeit 
von Hand zu finden, selbst bei hohen Löhnen. 
Der amerikanische Bergmann arbeitet sehr 
mit Ueberlegung, er verliert keine Zeit, er 
ist bemerkenswert .„geschickt“, aber er ver 
steht unter Arbeit vor allem die Führung von 
Maschinen. 
Wie sieht nun eine amerikanische Grube 
aus? Sehr verschieden von unseren Gruben. 
Wir treffen niedrige Bauten an, im allgemeinen 
in Mauerung mit Wellblechdächern, aus denen 
sich an windigen Tagen viel Staub erhebt. 
Keine Einfriedigung, kein Tor; der Zugang 
ist für jeden offen, und wir überschreiten 
Bahnhofsgleise, auf denen enorme Stahl- 
waggons halten, von etwa 
50 to und mehr, alle mit 
selbsttätiger Entladung 
zwischen den Schienen. 
Auf einem unbegrenzten 
Gelände sieht man zahl 
reiche Autos, im allge 
meinen aber nicht sehr 
schöne und oft ganz alte 
Modelle. Dies sind die 
Wagen der Bergleute, 
die zu weit entfernt 
wohnen. 
Wenn wir in den wei 
ten Ebenen von Ohio 
oder Illinois sind, sieht 
man zwei schlanke För 
dergerüste an ein Haupt 
gebäude angebaut, wel 
ches die Sieberei oder 
die Wäsche enthält. In 
den tiefen Tälern von 
West-Virginia oder Ken 
tucky dagegen hat man 
keine Schächte, sondern 
söhlige oder einfallende 
Stollen, aus denen Züge
	        
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