Full text: 69.1941 (0069)

nare, Groschen, Gulden, Heller, Taler, Ster¬ 
ling u. a. m. sind mehr oder weniger unmittel¬ 
bar mit dem Bergbau verknüpft. Von den ge¬ 
nannten erinnern zwei direkt an Bergftädte. 
Der Heller kommt von Schwäbisch-Hall und 
zeigt uns eine Schattenseite der Geldwirtschaft. 
Man hatte dort die Denare, die ursprünglich 
kleinere Silbermünzen waren, durch eine Bei¬ 
mischung von Kupfer derart verschlechtert, daß 
ihr Wert bis zu 40 vom Hundert fiel. Am 
schlechtesten wurden die zu Hall, die man 
dann Haller nannte. Der Taler stammt aus 
St. IoachimSthal. 
Nachdem ein Abschnitt genannt wurde, bei 
dem die Einwirkung des Bergbaues bedeutend, 
aber nicht in seinem vollen Umfange erfreulich 
ist, soll wieder eines unbeschränkt hervorragen¬ 
den Einflusies gedacht werden. Die Geburtszeit 
des deutschen Volkes war eine kriegerische Zeit 
und fand Männer, die ihre Ehre in allen Din¬ 
gen zu wahren wußten. Da wurde der Bergbau 
wichtig, denn er lieferte die VerteidigungS- und 
Angriffswaffen. Deutschland hätte nicht das 
Land Siegfrieds sein müssen, das von jeher seine 
Meister besaß, die in der Kunst der Waffen- 
berftellung Weltruf hatten, um jetzt in der Zeit 
reichster Erzgewinnung nicht auch gleichzeitig 
vortreffliche Waffen zu schmieden. 
Die Verlagerung der Landesverteidigung von 
den Freien auf die Ritterschaft schuf auch neue 
Kampfmethoden. Während der Germane in den 
Volksheeren nur mit Schild, Helm, Schwert 
oder Spieß bewaffnet war, kämpfte der Ritter 
in schwerem Panzer oder hatte ein vortrefflich 
gewirktes Kettenhemd an. Als Handwaffen ken¬ 
nen wir aus dieser Zeit Hellebarden, Lanzen, 
Streitäxte, Morgensterne, Streitkolben, Wurf¬ 
kugeln u. a. m. 
Hervorragendes hat in der Herstellung der ge¬ 
nannten Waffen die Stadt Solingen geleistet. 
Sie, wie viele andere Städte, verdanken daher 
ihr Bestehen dem Bergbau. 
Mit der Erfindung des Schießpulvers und 
dem Aufkommen der Landsknechtsheere änderten 
sich wiederum die Kampfmethoden und damit 
auch die Waffen. Die Armbrust wurde allmäh¬ 
lich von tragbaren Büchsen mit Luntenschlössern 
abgelöst. Außer diesen gab es Karrenbüchsen, die 
fahrbar waren und den Namen „canna" hatten. 
Aus dieser Bezeichnung entstand der Name „Ka¬ 
none". Büchsen und Kanonen wurden in der 
Hauptsache in Augsburg und Nürnberg ange¬ 
fertigt. Einem Nürnberger Büchsenmacher ge¬ 
lang eö, das Schmieden und Ausbohren der 
Büchsenröhre zu vervollkommnen, und schlie߬ 
lich wird ihm auch die Erfindung des Ziehens 
des Rohres zugeschrieben. 
Außer den Erzen, die der Bergbau für die 
Herstellung der Waffen lieferte, stellte er auch 
daS Material für die Kugeln her, und ohne ihn 
wäre die Fertigung des Pulvers nicht möglich 
gewesen, denn er gewann den dafür so notwen¬ 
digen Schwefel. 
Nicht nur, daß er somit die Rohstoffe schaffte, 
wurde er vielfach selbst der Förderer der edlen 
Kriegskunst, indem er seine Auöbeutegelder der 
Anfertigung von Waffen zuführte. Als Beispiel 
sei hier Herzog Heinrich von Sachsen genannt, 
der in St. Marienburg baute und fast alle 
Ausbeute zur Herstellung von Geschützen ver¬ 
wandte, die man ihm nicht gewaltig genug bauen 
konnte. 
Bedeutend war auch die Beteiligung der Berg¬ 
leute selbst in Waffengängen, wie Feldschlachten, 
Verteidigungen und Belagerungen von Festun¬ 
gen. Sie besaßen als freie Männer die Waf¬ 
fenehre, und die Geschichte berichtet von ruhm¬ 
vollen Taten. 
Abschließend soll von einer bergmännischen 
Tugend berichtet werden, die für die alten 
Knappen in gleicher Weise charakteristisch war, 
wie sie für die Bergleute unserer Generation ist. 
Diese Tugend war und ist eine Voraussetzung 
bergmännischer Tätigkeit, sie ist seit Bestehen 
des Bergbaues und in aller Zukunft bedeutungs¬ 
voll, ja sie ist der Schlüssel zu allen Erfolgen im 
Bergbau selbst und seinen Einfluß auf die Ge¬ 
staltung der Umwelt. 
Ein altes Bergwort heißt: Der Bergbau ist 
nicht eines Mannes Sache! Nur in einsatzfreu¬ 
diger Kameradschaft kann der Bergmann den 
Gefahren der Tiefe trotzen; nur in der Gemein¬ 
schaft, wo jeder für jeden alle körperlichen und 
geistigen Kräfte einsetzt, konnte und kann Berg¬ 
bau betrieben werden. Das war die bedeutendste 
Erkenntnis unserer Knappen-Vorfahren, und 
sie übten diese Gemeinschaft in der Erde, in 
den Wohnstätten, im Schacht und im Dorf. Sie 
waren auf Leben und Sterben eine verschworene 
Gemeinschaft. Sie gaben ihrer Vereinigung 
den Namen Bruderschaft oder Knappschaft. Sie 
gründeten ihre Gemeinschaft auf Ehre und 
Treue. Wer den Gesetzen der Gemeinschaft nicht 
Folge leistete, wurde mit Schimpf und Schande 
ausgestoßen und konnte niemals mehr Knappe 
fein und als Bergmann Arbeit finden. 
Wenn wir auf die Entwicklung zurückblicken 
und uns erinnern, daß der Bergbau Urwälder 
m fruchtbare Äcker und Wiesen venvandelte, daß 
er Siedlungen, Dörfer und Städte gründete, 
daß durch ihn das Gewerbe gefördert wurde und 
eine Veredelung und Wertfteigerung in Hand- 
werkserzeugnissen hervorgerufen wurde, daß durch 
seinen Einfluß der Handel einen gewaltigen 
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