nare, Groschen, Gulden, Heller, Taler, Ster¬
ling u. a. m. sind mehr oder weniger unmittel¬
bar mit dem Bergbau verknüpft. Von den ge¬
nannten erinnern zwei direkt an Bergftädte.
Der Heller kommt von Schwäbisch-Hall und
zeigt uns eine Schattenseite der Geldwirtschaft.
Man hatte dort die Denare, die ursprünglich
kleinere Silbermünzen waren, durch eine Bei¬
mischung von Kupfer derart verschlechtert, daß
ihr Wert bis zu 40 vom Hundert fiel. Am
schlechtesten wurden die zu Hall, die man
dann Haller nannte. Der Taler stammt aus
St. IoachimSthal.
Nachdem ein Abschnitt genannt wurde, bei
dem die Einwirkung des Bergbaues bedeutend,
aber nicht in seinem vollen Umfange erfreulich
ist, soll wieder eines unbeschränkt hervorragen¬
den Einflusies gedacht werden. Die Geburtszeit
des deutschen Volkes war eine kriegerische Zeit
und fand Männer, die ihre Ehre in allen Din¬
gen zu wahren wußten. Da wurde der Bergbau
wichtig, denn er lieferte die VerteidigungS- und
Angriffswaffen. Deutschland hätte nicht das
Land Siegfrieds sein müssen, das von jeher seine
Meister besaß, die in der Kunst der Waffen-
berftellung Weltruf hatten, um jetzt in der Zeit
reichster Erzgewinnung nicht auch gleichzeitig
vortreffliche Waffen zu schmieden.
Die Verlagerung der Landesverteidigung von
den Freien auf die Ritterschaft schuf auch neue
Kampfmethoden. Während der Germane in den
Volksheeren nur mit Schild, Helm, Schwert
oder Spieß bewaffnet war, kämpfte der Ritter
in schwerem Panzer oder hatte ein vortrefflich
gewirktes Kettenhemd an. Als Handwaffen ken¬
nen wir aus dieser Zeit Hellebarden, Lanzen,
Streitäxte, Morgensterne, Streitkolben, Wurf¬
kugeln u. a. m.
Hervorragendes hat in der Herstellung der ge¬
nannten Waffen die Stadt Solingen geleistet.
Sie, wie viele andere Städte, verdanken daher
ihr Bestehen dem Bergbau.
Mit der Erfindung des Schießpulvers und
dem Aufkommen der Landsknechtsheere änderten
sich wiederum die Kampfmethoden und damit
auch die Waffen. Die Armbrust wurde allmäh¬
lich von tragbaren Büchsen mit Luntenschlössern
abgelöst. Außer diesen gab es Karrenbüchsen, die
fahrbar waren und den Namen „canna" hatten.
Aus dieser Bezeichnung entstand der Name „Ka¬
none". Büchsen und Kanonen wurden in der
Hauptsache in Augsburg und Nürnberg ange¬
fertigt. Einem Nürnberger Büchsenmacher ge¬
lang eö, das Schmieden und Ausbohren der
Büchsenröhre zu vervollkommnen, und schlie߬
lich wird ihm auch die Erfindung des Ziehens
des Rohres zugeschrieben.
Außer den Erzen, die der Bergbau für die
Herstellung der Waffen lieferte, stellte er auch
daS Material für die Kugeln her, und ohne ihn
wäre die Fertigung des Pulvers nicht möglich
gewesen, denn er gewann den dafür so notwen¬
digen Schwefel.
Nicht nur, daß er somit die Rohstoffe schaffte,
wurde er vielfach selbst der Förderer der edlen
Kriegskunst, indem er seine Auöbeutegelder der
Anfertigung von Waffen zuführte. Als Beispiel
sei hier Herzog Heinrich von Sachsen genannt,
der in St. Marienburg baute und fast alle
Ausbeute zur Herstellung von Geschützen ver¬
wandte, die man ihm nicht gewaltig genug bauen
konnte.
Bedeutend war auch die Beteiligung der Berg¬
leute selbst in Waffengängen, wie Feldschlachten,
Verteidigungen und Belagerungen von Festun¬
gen. Sie besaßen als freie Männer die Waf¬
fenehre, und die Geschichte berichtet von ruhm¬
vollen Taten.
Abschließend soll von einer bergmännischen
Tugend berichtet werden, die für die alten
Knappen in gleicher Weise charakteristisch war,
wie sie für die Bergleute unserer Generation ist.
Diese Tugend war und ist eine Voraussetzung
bergmännischer Tätigkeit, sie ist seit Bestehen
des Bergbaues und in aller Zukunft bedeutungs¬
voll, ja sie ist der Schlüssel zu allen Erfolgen im
Bergbau selbst und seinen Einfluß auf die Ge¬
staltung der Umwelt.
Ein altes Bergwort heißt: Der Bergbau ist
nicht eines Mannes Sache! Nur in einsatzfreu¬
diger Kameradschaft kann der Bergmann den
Gefahren der Tiefe trotzen; nur in der Gemein¬
schaft, wo jeder für jeden alle körperlichen und
geistigen Kräfte einsetzt, konnte und kann Berg¬
bau betrieben werden. Das war die bedeutendste
Erkenntnis unserer Knappen-Vorfahren, und
sie übten diese Gemeinschaft in der Erde, in
den Wohnstätten, im Schacht und im Dorf. Sie
waren auf Leben und Sterben eine verschworene
Gemeinschaft. Sie gaben ihrer Vereinigung
den Namen Bruderschaft oder Knappschaft. Sie
gründeten ihre Gemeinschaft auf Ehre und
Treue. Wer den Gesetzen der Gemeinschaft nicht
Folge leistete, wurde mit Schimpf und Schande
ausgestoßen und konnte niemals mehr Knappe
fein und als Bergmann Arbeit finden.
Wenn wir auf die Entwicklung zurückblicken
und uns erinnern, daß der Bergbau Urwälder
m fruchtbare Äcker und Wiesen venvandelte, daß
er Siedlungen, Dörfer und Städte gründete,
daß durch ihn das Gewerbe gefördert wurde und
eine Veredelung und Wertfteigerung in Hand-
werkserzeugnissen hervorgerufen wurde, daß durch
seinen Einfluß der Handel einen gewaltigen
94