Full text: 69.1941 (0069)

Jedem ein treuer Begleiter im Jahre 1941 JSSÄ“--' 
Nun hat das neu« Jahr seinen Lauf begonnen. Und 
mit ihm hat in allen Wohnungen, Geschäften, Büros 
und Amtsstuben ein treuer Freund im neuen Gewand 
seinen Einzug gehalten: der neue Kalender; stiller Be¬ 
rater, unentbehrliches Hilfsmittel der zeitlichen Orien¬ 
tierung im täglichen Leben, in den verschiedensten Formen: 
als Buch-, Schreibtisch-, Wand- oder Taschenkaiender. 
Still und anspruchslos hat der Kalender für das Iabr 
1941 in ernster Zeit seinen Vorgänger abgelöst und 
seinen Play bezogen. Man merkt «S ihm nicht an, wie¬ 
viel Zeit, Arbeil und Mühe, wieviel Auseinandersetzungen, 
Umwandlungen, Veränderungen es gekostet hat, bis er 
wieder da war. 
Ein Jahr ist nach Kopernikus die Dauer eines Kreis¬ 
laufes der Erde um die Sonne. Daher umfaßt ein Ka¬ 
lenderjahr 365 Tage, 5 Stunden, 48 Minuten und 45,97 
Sekunden, eine Tatsache, der das Schaltjahr seine Ent¬ 
stehung verdankt. Die verschiedensten Völker bedienten 
sich zu ihrer Zeitrechnung neben dem Tag des Mond- 
monatS und des Sonnenjahres als höhere von der Natur 
unmittelbar gegebene Zeiteinheiten. Von den Völkern 
des Altertums hatten die Ägypter ein in Beziehung auf 
die Jahreszeiten bewegliches, mit dem Mondlauf in 
keinem Zusammenhang stehendes Sonnenjahr von 365 
Tagen, geteilt in zwölf Monate von 30 Tagen, denen 
noch fünf Ergänzungstage folgten. Neben dem Wandel¬ 
jahr hatten die Ägypter aber auch ein festes Iabr von 
365% Tagen. Die Griechen rechneten in den ältesten 
Zeiten nach wahren Mondmonaten, deren zwölf ein Jahr 
ausmachte und von denen sechs je 30 und sechs je 29 
Tage lang waren. Die Römer hatten in vorgeschichtlicher 
Zeit ein Naturjahr von zehn ungleichen Abschnitten, 
hielten sich dann an ein Mondjahr von 355 Tagen, das 
im März begann, und gingen um 450 v. Chr. zu einem 
ebenfalls am I.März beainnenden Mond-Sonnen-Jabr- 
Zyklus von zusammen 465 Tagen über. AIS 153 v. Chr. 
der bisher schwankende Amtsantritt der Konsuln aus den 
l. Januar festgesetzt wurde, wurde dieser Tag später auch 
Kalenderneujahr. Da der Kalender z. Z. Cäsars in große 
Verwirrung geraten war, gab Cäsar durch seine geniale 
Reform dem Jahr 46 v. Chr. zum Ausgleich eine Länge 
von 445 Tagen, setzte zugleich den l. Januar als Jahres¬ 
anfang fest, bestimmte die Tageszahlen der einzelnen Mo¬ 
nate und ersetzte den bisherigen Schaltmonat durch einen 
Schalttag. Cäsar hatte einen vierjährigen Zyklus von 
drei Gemeinjahren und ein Schaltjahr aufgestellt; nach 
jedem vierten Jahr wurde nach dem 23. Februar ein 
Schalttag eingefügt. Der Iulianische Kalender war vom 
Jahre 8 n. Chr. bis 1582. in Kraft. Seit dem 13. Jahr¬ 
hundert bereits beobachtete Ungenauigkeiten in den 
zyklisch-mathematischen Grundlagen des Julianischen Ka- 
lenders erschütterten seine Brauchbarkeit; in zwei Punk¬ 
ten, dem Eintritt der Frühlings-Tag-und-Nachtqleiche 
und des Osterneumonds, wich der christliche Kalender 
immer mehr von der Wirklichkeit ab. So sehte Papst 
Gregor Xlll. die von einer Kommission ausgearbeiteten 
Verbefferungsvorschläge 1582 in Kraft. Der neue Ka¬ 
lender wurde sofort in Spanien, Portugal und fast allen 
Staaten Italiens eingeführt; es folgten Frankreich, Hol¬ 
land, Brabant, Flandern und Hennegau. Die meisten 
katholischen Länder Deutschlands (Lausitz, Böhmen, 
Schlesien, Westfalen) führten den Gregorianischen Ka- 
lender 1583 ein. Die Protestanten in Deutschland haben 
ihn jedoch nur hinsichtlich der Zeitrechnung, im Jahre 
1700 mit Übergang vom 18. Februar auf den I.März 
und erst 1775 auf Veranlassung Friedrichs des Großen 
ganz, also auch seine Feftrechnuna angenommen. 1752 
erst nahm Großbritannien, 1753 Schweden den Grego¬ 
rianischen Kalender an. Die Bemübunaen um eine Ka- 
lenderresorm erstrecken sich auf die Abschaffung der Un¬ 
gleichheit der Monatslänge und die Beseitigung der Ver¬ 
änderlichkeit von Ostern und der von ihm abhängigen 
Festtage, doch ist nickt abzusehen, ob und wann eine der¬ 
artige Reform Wirklichkeit wird. 
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