Full text: 69.1941 (0069)

Witze und Anekdoten 
Durchlaucht ist unzufrieden 
Der Landesfürst war nach dreißig Jahren wieder ein¬ 
mal zu einem Besuch des Städtchens eingetroffen. Sein 
Empfang war aufs Beste vorbereitet: Musikverein, 
Ehrrnjungfrauen und Begrüßungsansprache des Bürger¬ 
meisters. 
Aber Serenisiimus schien nicht so recht befriedigt. Und 
die Miene des Bürgermeisters war darob sorgenvoll ver¬ 
hängt. 
Endlich aber fand er Gelegenheit, den Grund der aller¬ 
höchsten Mißstimmung zu erforschen. 
„Durchlaucht," fragte er, „waren mit Dero diesjäh¬ 
rigem Empfang nicht sehr zufrieden?" 
„Nein," antwortet Durchlaucht wahrheitsgemäß. 
„Aber Durchlaucht, es war doch alles dasselbe wie 
bei Eurer Durchlaucht Besuch vor dreißig Jahren." 
„Gewiß," grollt da Durchlaucht, „sogar die Ehren¬ 
jungfrauen." 
Das kann er nicht 
Grünspecht sitzt mit Klapprot im Gasthaus. 
Grünspecht gibt groß an. 
Schließlich meint Klapprot: 
„Sie haben mir jetzt soviel erzählt, was Sie können, 
jetzt erzählen Sie einmal, was Sie nicht können. Viel¬ 
leicht kann ich das." 
„Schön," lächelt da Grünspecht, „ich kann meine Zeche 
nicht bezahlen." 
Lösung 
Grünekern ist mit Klapprot in Streit geraten. 
Grünckern^chat Klapprot Schafskopf genannt. 
Sagt Klapprot: 
„Den Schafökopf laste ich nicht auf mir sitzen." 
„Na auch gut," erwidert da Grünekern, „dann lasten 
Sie ihn sich eben abschlagen." 
Kaiser Joseph II. von Österreich hatte einst zur Be¬ 
kämpfung der reichlich offenherzigen Frauenmode seiner 
Zeit eine Kleiderordnung erlasten. 
Als er eines Tages über die Straße ging, erblickte er 
eine häßliche, sehr magere Dame, deren Kleidung auf¬ 
fällig gegen die erlassenen Vorschriften verstieß. Sie 
wollte sich scheu um die Ecke drücken. Joseph aber trat 
auf sie zu und sagte: „Keine Angst! Sie sind von meinem 
Verbot ausgenommen." 
Ein Soldat beichtete dem Garnisonprediger, daß er 
vor einigen Jahren ein Bündnis mit dem Teufel ein¬ 
gegangen und von ibm besesten sei. Er bäte um Hilfe. 
„Ist das Bündnis schriftlich abgeschlossen?" fragte der 
Prediger. 
„Nein." 
„Dann kümmere dich weiter nicht drum! Nach dem 
Edikt vom 5. 2. 1770 sind alle nichtschriftlichen Verträge, 
wenn der Vertragsgegenstand mehr als 50 Taler beträgt, 
unverbindlich." 
Der Soldat ging beruhigt fort. 
Der Wachtmeister an der Ecke traute seinen Augen 
nicht. Was war denn das für eine tolle Sache? Sieh da 
— ein Tandem. Mann und Frau saßen darauf, aber der 
„Schlitten" torkelte, daß einem Angst und Bange werden 
konnte. 
„Absteigen," herrschte er den Mann an, „mit einem 
solchen Affen können Sie doch nicht fahren!" 
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„Haste jehört, Olleken," sagte da der Ehemann, „du 
sollst loofen!" 
Der Großherzog von Mecklenburg Friedrich Franz fuhr 
einmal anläßlich einer Reise nach Afrika durch den Bos¬ 
porus. Der Zufall wollte es, daß seine Pacht einem Ro¬ 
stocker Dampfer begegnete, auf dein ein alter Seebär a» 
der Reling stand und die Piep smökte. 
„Grüßt mir mein Mecklenburg!" rief der Großherzog 
hinüber. — „Von wem?" fragte der Seebär zurück. - 
„Von seinem Großhcrzog!" — Da nahm der Alte die 
Piep aus dem Mund, spuckte über die Reling und rief: 
„Dunnerkiel — den Posten hoal di man fast, de is good!" 
Aus einer Augenklinik des Saargebietes 
„Nicht wahr," sage ich zu einem an den Augen er¬ 
krankten Bergmann, „Sie sehen alle Gegenstände so im 
Flor, und es ist, als wenn alle Dinge um Sie herum in, 
Nebel erscheinen? Nun sehen Sie mich einmal an, so 
bitte, recht genau, wie komme ich Ihnen vor?" Der Berg¬ 
mann: „Herr Doktor, auch so benebelt!" 
Eigenartiges Beileid. Ich sitze im Zuge auf dem 
Völklinger Bahnhof. In das Abteil kommt noch ein 
jovialer Herr, der seinen neben mir sitzenden Bekannten 
begrüßt. „Du haft ja einen Trauerflor um den Arm, 
wer ist denn bei euch gestorben?" „Meine Schwieger¬ 
mutter ist gestern mit dem Tode abgegangen." „Ach, ent¬ 
schuldige, ich dachte schon, euch wäre ein Unglück zu¬ 
gestoßen und ihr hättet einen Trauerfall in der Familie." 
Die doppelte Schicht. In der Not des vergangenen 
Winters reichten sich die Ärmsten der Armen an den 
Haustüren die Hand. Ein Bettler wird gefragt: „Wie 
lange betteln Sie eigentlich?" „Täglich so ungefähr drei 
Stunden, nur Sonntags mache ich doppelte Schicht, 
weil es sich da lohnt." 
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i t '.n -in.- in. -in, i ‘v.- • 
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Zeichnung von Elisabeth Koelle-Karmann
	        
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