Full text: 68.1940 (0068)

Mb. 4. Reproduktion der Tafel I aus dem Aufsatz von Nöggerath (1819) mit den beiden Ansichten des Palm¬ 
baumes 
wanderten die verschiedenen Stämme in das Geologische 
Museum der Oberrealschule in Saarbrücken, wo sie von 
den Museumsbesuchern besichtigt werden können. Ein 
anderer Stammcest von etwa 1 Meter Durchmesier wurde 
auf Grube König gefunden und steht seit weit über fünfzig 
Jahren an einer Ecke des Zechengebäudes, gleich neben 
dem Eingang zur Rettungs-Station. 
In Grube Viktoria war vor über 20 Jahren ein ver¬ 
steinerter Baumstamm mit noch zum Teil erhaltenem 
Wurzelwerk freigelegt worden, der jahrelang die daran 
vorbeigehenden Bergleute daran erinnerte, daß es zur¬ 
zeit der Entstehung der Steinkohle schon Bäume von 
riesigen Ausmaßen gegeben hat. 
Nun noch etwas über die Natur, beziehungsweise 
systematische Stellung dieser Baumreste. Nöggerath und 
seine Zeitgenosien waren der Ansicht, in den Stämmen 
handele es sich um Überreste von Vertretern des Ge¬ 
schlechtes der Palmen, da ein gänzlicher Mangel an 
Ästen festzustellen sei. Bon Sternberg (18, 1. Heft, S. 6) 
war zunächst der gleichen Meinung. Er schreibt: „Die in 
der Wellesweiler Steinkohlenzeche im Bergamtsbezirk 
Saarbrücken in dem Zwischenmittel zwischen dem dritten 
und dem vierten Flöz neuerlich gefundenen, senkrecht 
stehenden Bäume und die Früchte werden mit großer 
Wahrscheinlichkeit zu der Familie der Palmen gerechnet". 
Später hat von Sternbcrg von Prag aus eine Studien¬ 
reise unternommen und unter anderen Saargruben auch 
die Grube Wellesweiler besucht, die nebenbei bemerkt, da¬ 
mals die zweitgrößte im Sarrrevier war. Er schreibt da¬ 
rüber wie folgt (4. Heft, S. 6): „2n mehreren Zechen 
werden aufrecht stehende Bäume getroffen; die beiden von 
H. Bergrath Nöggerath beschriebenen Stämme der Grube 
Palmbaum bei WellesweilerH (Anm.: Nöggerath über 
aufrecht im Gebirgsgestein eingeschloffene fossile Baum¬ 
stämme) gehören zu Zvoinssockeinckron organum und 
pes caprae, wie wir uns aus den breiten und schmalen 
Streifen, die am oberen Theil in der Kohlenrinde noch 
wohl zu erkennen sind, überzeugten .. 
Nach diesen Beschreibungen handelt es sich in den Baum¬ 
stämmen um Steinkerne von Siegelbäumen oder Sigilla- 
rien, die 20 bis 30 Meter Höhe erreichten (Abb. 7). Nach 
dem heutigen Stande der Wiffenschaft versteht man unter 
einem Syringodendron einen meist mit Längsrippen ver¬ 
sehenen, entrindeten Steinkern eines Siegelbaumes. An 
Stelle der Blattnarben sind in der Regel zwei neben¬ 
einander angeordnete, mehr oder weniger langgestreckte 
Narben erhalten. Diese entsprechen den Parichnos-Narben. 
Auf dem schlanken Stamm der Siegelbäume saß ein ein¬ 
facher oder zweifacher Blätterschvpf. Unter diesem waren 
die ährenförmigen Fortpflanzungsorgane unvermittelt am 
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