Full text: 68.1940 (0068)

Hauptsattel mit vielen wellenförmigen schwächern Bie¬ 
gungen, welcher aber außerdem durch viele durchsetzende 
Rücken und Verschiebungen so sehr zerstückt ist, daß die 
genaue Ausmittelung der Flötzverhältnifle sehr schwierig 
wird. Innerhalb des Wellesweiler Grubenfeldes sind sechs 
bauwürdige Steinkohlenflötze bekannt, welche, durch mehr 
oder minder mächtige Gesteinsschichten von einander ge¬ 
trennt, in der angegebenen Art sattelförmig übereinander 
liegen, und wahrscheinlich zu den tiefern des ganzen 
Saarbrücken'schen Steinkohlen-Gebildes gehören. Die 
Zwischenmittel der Flöhe betragen, nach Ermittelungen 
an mehreren Punkten: vom Iten Flötz, aus dem Hangen¬ 
den ins Liegende gezählt, bis zum 2ten 6Y\ bis 7% 
Lachter; vom 2ten bis zum 3tcn 2lA bis 10; vom 3ten 
bis zum 4len 2K bis über 7; vom 4ten bis zum 5ten 
% bis 1, und vom 5ten bis zum 6ten 2^ bis 3 Lachter. 
— Das unmittelbare Dachgestein der Steinkohlenflötze 
bestehet überall aus Schieferthon, ausgenommen bei einem 
Nebensattel des vierten Flötzes, wo Sandstein auf dem¬ 
selben ruhet. Letzterer findet sich überhaupt seltener. Das 
Hangende ist gewöhnlich mehr geschichtet als das Liegende. 
Hier und da kommen Flöhe von thonigem Sphärosiderit 
von geringer Mächtigkeit vor. — Das Hauptstreichen 
der Flötze in der Wellesweiler Grube ist Stunde 3, 5K 
Achtel. Dke Nordflügel des Hauptsattels fallen im All¬ 
gemeinen stärker als die Südflügel; jene 20 bis 40 Grad, 
diese 6—10, höchstens 30 Grad. So viel über die geog- 
nostische Beschaffenheit dieser Grube. 
In einem tiefen, von Südwest nach Nordwest sich er¬ 
streckenden Stollen, der zum größer» Theile in dem Ge¬ 
steinsmittel zwischen dem 3ten und 4ten Steinkohlenflötze 
getrieben ist, welches Mittel hier die größte oben an¬ 
gegebene Mächtigkeit hat, wurde, in der Hoffnung das 
4te Flötz damit zu erreichen, ein Querschlag angesetzt, 
der zufällig an dem linken Stoße in der ganzen Ortshöhe 
einen dicken, senkrecht stehenden, versteinerten Stamm 
entblößte. Bei der im Jahr 1816 statt gefundenen Be¬ 
reisung der Rheinprovinzen durch den Königl. Preuß. 
Oberberghauptmann und Thef des gesummten Salz-, 
Berg- und Hüttenwesens Herrn Gerhard, befuhr der¬ 
selbe, in Begleitung des Königl. Preuß. Geheimen Ober¬ 
bergrathsund Berghauptmanns Herrn Grafen von Beust 
und mehrerer Königl. Beamten des dortigen Bergamts- 
Bezirks, unter andern auch diese, in mancherlei Rücksicht, 
höchst intereffante Grube. Von diesen verehrten Vor¬ 
stehern des Bergwesens, denen das Gedeihen des Tech¬ 
nischen eben so sehr am Herzen liegt, als die Aufklärung 
der Wiffenfchaft, war zu erwarten, daß auch jenes Denk¬ 
mal der Vorwelt nicht unbeachtet bleiben würde. Der 
K. Oberberghauptmann Herr Gerhard bestimmte da¬ 
mals gleich, daß dieser Stamm nach der Firste hin, so 
hoch als möglich, aber mit der größten Vorsicht, damit 
er unbeschädigt bleibe, entblößt werden sollte; daß der¬ 
selbe, zur Verhütung aller später möglichen Beschädigung 
daran, mit einer Blende zu versehen sey, wovon dem 
Steiger der Schlüssel anvertraut werden könne, und end¬ 
lich, daß der bis dahin unbenannt gewesene Stollen in 
Zukunft in allen Verhandlungen Palmbaumstollen 
zu nennen wäre, des Stammes wegen, welcher wahr¬ 
scheinlich zum Geschlechte der Palmen gehöre. 
Der Verfasser dieses Aufsatzes besuchte selbst die 
Wellesweiler Grube am 17ten Oktober 1817, und 
fand den merkwürdigen Drendrolithen schon so entblößt, 
wie er, nach zwei Ansichten, in der hierbei gefügten Iten 
Steindruck-Tafel abgebildet ist. Der Stamm war nicht 
allein mit Sorgfalt in der ganzen Höhe des Querschlags, 
mit einem halben Lachter Weite, rund herum frei gestellt, 
sondern auch noch von der Firste des Querschlags aus, 
mit einem Ueberbrechen, über 4 Fuß hoch, von einer 
Seite entblößt. Da das umgebende Gestein hin und wie¬ 
der fast den höchsten Grad von Festigkeit hatte, so ward 
die Entblößung zum großen Theile durch Sprengarbeit 
verrichtet, ohne daß aber der Stamm auch nur im minde¬ 
sten beschädigt worden wäre. Der umsichtigen Leitung 
des K. Preuß. Berg-Amts-Direktors Herrn Sello und 
des damaligen K. Preuß. Berg-Amts-Assessors Herrn 
vonDerschau (jetzt K. Berg-Amts-Direktor zu E s s e n) 
ist es zu verdanken, daß man diesen interessanten Stein¬ 
baum jetzt mit aller Bequemlichkeit, in seinem ganzen 
Umfange und in der angegebenen Höhe beobachten kann. 
In der Zeichnung ist der Stamm, in der ersten Figur, 
nach der Ansicht gegen Südosten abgebildet, so daß man 
in den Querschlag hinen sieht, wo er zum Palmbaum¬ 
stollen führt. Die zweite Ansicht ist vom rechten Stoße 
des Querschlags aus gezeichnet, wodurch man rechts und 
links der Weitung um den Stamm, die Fortsetzung des 
Querschlags zu beiden Seiten oder vielmehr Theile von 
dessen linkem Stoß bemerken kann. 
Der Stamm steht, wie bereits erwähnt, zwischen dem 
3ten und 4ten Steinkohlenflötze, die an dieser Stelle ein 
Gesteinsmittel von mehr als 7 Lachter seigerer Mächtig¬ 
keit trennt, fast in der Mitte desselben, im Sandstein 
und sandigen Schieferthon, die hier so in einander über¬ 
gehen, daß es zweifelhaft wird, welche Benennung man 
dieser Gebirgsart geben soll. Sie enthält viele vegetabi¬ 
lische Abdrücke. Der Stamm selbst bestehet aus derselben 
Gebirgsart, und die Rinde, welche noch zum größern 
Theil an demselben befindlich ist, erscheint in der Art, 
wie die äußere Oberfläche der meisten im Steinkohlen¬ 
gebirge vorkommenden vegetabilischen Versteinerungen, 
zum Theil in Steinkohlensubstanz umgeändert. Sie hat 
schwache, unregelmäßige Querreifen oder Risse, die hori¬ 
zontal um den Stamm herumlaufen, wie bei einer alten 
Buche; noch weniger regelmäßig und in geringerer An¬ 
zahl sieht man einige Längestreifen daran, welche jedoch 
nicht nach der Länge des ganzen Stammes auslaufen, 
sondern sich auf demselben oft nur in kurzer unterbroche¬ 
ner Erstreckung zeigen. 
Von der Sohle des Querschlags bis zu der größten 
Höhe, auf welcher man den Baum entblößt hat, ist er 
neun Fuß acht Zoll hoch, sein Durchmesser beträgt unten 
17 bis 18 Zoll, oben 13 bis 14 Zoll. Die Sohle des 
Querschlags scheint die Oberfläche gewesen zu seyn, auf 
welcher der Baum in seinem vegetativen Leben stand, denn 
hier ist sein größter Durchmesser und von hier scheinen die 
Wurzeln abzugehen, die man nicht hat verfolgen können, 
aus Furcht den Stamm zu beschädigen. Eine Unter¬ 
suchung derselben wird am füglichsten erst später durch 
ein Ueberbrechen aus dem vierten Steinkohlenflötz ge¬ 
schehen können. 
An der Firste des Ueberbrechens im Querschlage, so 
weit der Stamm entblößt ist, gewahrt man, daß derselbe 
auf einmal horizontal abgeschnitten wird, ohne daß im 
Gebirge selbst, außer der horizontalen Ablösung, eine 
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