Full text: 68.1940 (0068)

auf dem Kerbholz hatten, aufgerufen, und Ver¬ 
fehlung und Strafe wurden der Brüderschaft 
bekanntgegeben. Bei schweren Strafen und bei 
Erduldung entehrender Leibesstrafen wurde denr 
schuldigen Bergmanne das Bergleder aberkannt, 
er wurde aus der bergmännischen Gemeinschaft 
mit Schimpf und Schande ausgeschlossen. 
Diese alte, an altem bergmännischen Brauch¬ 
tum ausgerichtete Disziplin hat sich lange Jahr¬ 
hunderte hindurch bis in die Gegenwart hinein 
voll und ganz bewährt. Ave-Lallement hebt in 
seiner großen Geschichte des deutschen Gauner¬ 
tums mit Nachdruck hervor, daß das Gauner¬ 
tum in seiner langen Geschichte keinen einzigen 
Bergmann in seiner Jüngerschaft auszuweisen 
hat. Auch in den Tausenden von Steckbriefen, 
die gegen Ende des 18. und zu Beginn des 
19. Jahrhunderts gegen die zahlreichen Gauner- 
und Räuberbanden erlaßen wurden, konnte ich 
keinen einzigen Bergmann ermitteln, während 
über 50 v. H. der Verfolgten Juden waren. Eine 
Überprüfung der ältesten Register der Märki¬ 
schen Knappschaft ergibt, daß bis zum Jahre 
1800 nur ein einziger Bergmann wegen einer 
Zuchthausstrafe aus der Knappschaft ausge¬ 
schlossen wurde. 
Ein besonderer Beweis dafür, daß die Berg¬ 
leute Jahrhunderte hindurch die von ihnen ver¬ 
langte Disziplin mit freudigem Gemeinschafts¬ 
sinn getragen haben, ist das gute Verhältnis zu 
ihren Vorgesetzten, Immer wieder begegnet uns 
in alten Chroniken der Hinweis, daß der Berg¬ 
mann in einem besonders guten Verhältnis zu 
seinen Vorgesetzten stehe, seine freudige Unter¬ 
ordnung unter die Befehle seiner Vorgesetzten 
bringe es mit sich, daß der Bergmann als Sol¬ 
dat weit und breit begehrt sek. 
Gemildert wurde die strenge Disziplin, die von 
jedem Bergmanne verlangt 'wurde, von den 
ersten Anfängen des Bergbaues an durch einen 
ausgesprochenen Sozialsinn der Bergbehörden 
und der Gewerken. Es ist kein Zufall, daß wir 
im deutschen Bergbau die ersten Anfänge der 
deutschen Sozialpolitik antreffen. Die schwere 
und gefahrvolle Berufsarbeit, das enge Gemein¬ 
schaftsgefühl, das vor allem im Bergbau Vor¬ 
gesetzte und Untergebene verband, förderte den 
sozialen Gedanken und war ständiger Antrieb 
für die soziale Fürsorge. Eine oft recht weit¬ 
gehende Fürsorge für Kranke und Hinterbliebene 
läßt sich schon lange vor Einführung der Knapp¬ 
schaftskassen nachweisen, z. B. lm Werdener 
Bergbau. Die Mittel für die Fürsorge flößen 
aus freiwilligen Beiträgen der Bergleute und 
der Gewerken. Es ist auch bezeichnend, daß man 
sich zuerst im Bergbau mit dem Problem der 
Berufskrankheiten befaßt hat. Erfahrene Berg¬ 
ärzte haben schon vor zweihundert Jahren wis¬ 
senschaftliche Arbeiten über die Staublungener¬ 
krankungen geschrieben; man sprach damals von 
der Bergsucht. Und bereits im Jahre 1541 schrieb 
Paracelsus den bezeichnenden Satz: „Denn es 
ist von nvthen, daß man allwegen mehr achtung 
auf die Gesundheit / denn auf den Gewinn 
habe." Ein Grundsatz, der im nationalsozialisti¬ 
schen Deutschland eine Anerkennung gefunden 
hat, wie sie in keinem anderen Industrievolke der 
Welt anzutreffen ist. Im heutigen Deutschland, 
wo das Autoritätsprinzip zum Staats- und 
Wirtschastsprinzip geworden ist, wo auch im 
Betriebe der Führergedanke seine allseitige An¬ 
erkennung gefunden hat, rvo der Sozialsinn 
äußerst verfeinert ist, kann der disziplinierte 
Bergmann in erster Linie den Forderungen des 
Staates und der Wirtschaft gerecht werden. Es 
ist eine erfreuliche Tatsache, daß gerade der 
Bergmann bei dem wirtschaftlichen Freiheits¬ 
kampfe, der vom deutschen Volke geführt werden 
muß, in der vordersten Frvntlinie kämpft. 
Sonderbare bergmännische Familiennamen 
Eine äußerst ergiebige Quelle für bergmän¬ 
nische Familien- und Namenforschungen sind bie 
Knappschaftsregister. Bei Studium dieser Ver- 
zeichniße begegnet uns eine große Anzahl selte¬ 
ner und sonderbarster Familiennamen. Das 
Eigenartige dabei ist, daß diese sonderbaren Fa- 
Von Dr. C. Sieben 
mrliennamen typisch bergmännisch zu sein schei¬ 
nen; denn bei anderen Berufsgruppen kommen 
sie überhaupt nicht, oder nur ganz vereinzelt vor. 
Bei den Trägern solcher Familiennamen scheint 
es sich also um alte und älteste Bergmanns- 
familien zu handeln. Wenn auch einzelne dieser 
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