Full text: 67.1939 (0067)

„Vaterland", das er zu verteidigen hatte, doch 
ein sehr fragwürdiges Vaterland war. Er hat 
seinen Soldateneid geschworen, und er hat ihn 
über den letzten Augenblick hinaus noch gehal¬ 
ten." (Soweit das Schwarze Korps). 
In der kleinen Schrift: „Der Deutschöster¬ 
reicher im Weltkrieg" von Prof. Dr. Friedrich 
Metz heißt es auf Seite 8: „Auch mancher reichs- 
deutsche Truppenteil wurde völlig aufgerieben 
und manche Schiffsbesatzung versank in den 
Fluten, aber kein Kriegerdenkmal im Reich 
spricht eine ko erschütternde Sprache, wie jenes 
Denkmal in Klagenfurt mit der Inschrift: „Von 
dieser Stelle zog das k. u. k. Feldjägerbataillon 
Nr. 8 mit 2436 Offizieren, Unteroffizieren und 
Mannschaften ins Feld. Im Felde der Ehre 
blieben 2436." 
Ein Volk, das für seine Heimat und sein 
Deutschtum solche Blutopfer bringen konnte, 
kann nicht weich und verweichlicht sein und die 
Legende vom „Kamerad Schnürschuh" ist eine 
Beleidigung und ein großes Unrecht, das gerade 
dem deutschösterreichischen Soldaten im Weltkrieg 
zugefügt wurde. 
Als dann die morsche Monarchie zusammen¬ 
brach und die Nachfolgestaaten gierig nach deut¬ 
schem Boden griffen, da sahen die Reste der 
Männer dieses ausgebluteten Landes, vor allem 
die Kärntner und Steirer nicht tatenlos zu, son¬ 
dern sie griffen noch einmal zu den Waffen — ja 
sogar gegen den Willen der Wiener Regierung 
— und geboten den Eindringlingen Halt, oder 
warfen sie wieder hinaus. Die Kärntner Frei- 
heitskämpfe gehören zu den heldenhaftesten, die 
je ein ausgeblutetes Volk für seine Freiheit 
geführt hat und können sich ruhig neben die 
Tiroler Freiheitskämpfe von 1809 stellen. Diesen 
Kärntner Freiheitskämpfen, die gegen einen 
ganz gewaltig überlegenen Gegner geführt wur¬ 
den. allein ist es zu verdanken, daß Südkärnten 
unserem Deutschtum nicht verloren ging. Sie 
waren auch Vorbild für die Abwehrkämpfe in 
Oberschlesien und am Rhein. (Volksdeutscher 
Kampf von Richard Wichterich.) 
Ebenso wiesen die untersteirischen Bauern 
unter ihrem Bauernführer Dr. Brodmann die 
über die Mur vorgedrungenen Slovenen und 
Serben zurück. 
Das war „Kamerad Schnürschuh". 
Solange der Deutschösterreicher mit den an¬ 
deren deutschen Stämmen in einem Reiche ver¬ 
einigt war, brauchte er sein Deutschtum ja nicht 
besonders zu betonen. Als sich aber das Habs¬ 
burgerreich aus dem deutschen Staatenverband 
löste, als es sogar im Iahre 1866 zum Bruder¬ 
krieg kam und die Habsburger besonders von 
dieser Zeit an aus rein dynastischen Gründen die 
Ansprüche der anderen Nationen ihres Reiches 
auf Kosten des deutschen Volksteiles zu befrie¬ 
digen suchten, da brauste das urdeutsche Blut des 
Deutschösterreichers wieder auf und stemmte sich 
mit aller Macht gegen die Machenschaften seines 
Herrschergeschlechtes. Deutschöfterreiche Dichter 
und Denker, führende Männer und auch Poli¬ 
tiker dieser Zeit traten entschlossen für ihr 
Deutschtum gegen Kaiser und Regierung ein, 
das deutsche Volk in Österreich schloß sich ihnen 
an. Robert Hammerling unterbricht auf seinem 
Siechbette in Graz sein Schwanenlied der Ro¬ 
mantik — und streut 1872 unter Österreichs Ju¬ 
gend seine „Blätter im Winde".' Gleich zünden¬ 
den Flammen wirken diese herrlichen der Sehn¬ 
sucht nach einem Großdeutschland geweihten 
Gedichte, so daß der Dichter selbst überrascht ob 
des außergewöhnlichen Erfolges seinem Freund 
und Schützling Peter Rosegger vom Kranken¬ 
lager aus seine Ergriffenheit in den Worten 
mitteilt: „Ia. lieber Freund, die Leute sind drol¬ 
lig, denken Sie. meine größeren Werke haben 
mir nicht soviel Beifall eingebracht, als ein paar 
nationale Gelegenheitsgedichte . . .". 
Es würde hier zu weit führen, näher auf diese 
Zeiten und Kämpfe einzugehen. Von einem der 
größten Feldherrn der alten Monarchie, dem 
Soldaten — Vater Radetzky, der auch General¬ 
stabschef der Völkerschlacht bei Leipzig war — 
stammt folgender Ausspruch aus dem Iahre 1848: 
„Auch in unserer Brust schlägt ein stolzes deut¬ 
sches Herz und niemand räumen wir das Vor¬ 
recht ein, deutscher zu empfinden als wir". Von 
Georg Ritter von Schönerer, dem kühnen Vor- 
kämvfer des Großdeutschen Gedankens und Anti¬ 
semitismus in Österreich in den 80er und 90er 
Iahren des vorigen Jahrhunderts (siehe Adolf 
Hitler „Mein Kampf") stammt folgender Aus¬ 
spruch: „Des Deutschösterreichers Glaubenssatz: 
ich glaube an das Gesetz der deutschen Einheit". 
Und der Sudetendeutsche Dichter Alfred Meißner 
sagt: „Österreichs Zukunft? das größere Deutsch¬ 
land. Wir lieben, glauben, hoffen!" Die Deutsch¬ 
österreicher stellen schon vor dem Kriege das 
Volk über den Staat im Gegensatz zu den preu¬ 
ßischen „Alldeutschen", die vom staatlichen im¬ 
perialistischen Gedanken ausgingen. Der„Deutsche 
Schuloerein" und die „Südmark" kämpften schon 
lange vor dem Kriege gegen Habsburg für die 
Erhaltung deutschen Volkstums. Deutsche Stu¬ 
denten und deutsche Turner Österreichs sangen 
ebenfalls schon vor dem Kriege auf die Melodie 
der „Österreichischen Kaiserhymne" das Deutsch¬ 
landlied. Sie waren nicht nur die Vorläufer des 
Nationalsozialismus, sondern auch seine ersten 
Streiter auf dem Boden Deutschösterreichs und 
des deutschen Sudetenlandes. Hier auf Österreichs 
deutschem Boden wurde der großdeutsche Gedanke 
geboren und es ist fürwahr kein Zufall, wenn 
der Schöpfer des Nationalsozialismus ein Öster¬ 
reicher war. Auch seine Idee ward geboren aus 
der Sehnsucht Deutschösterreichs nach einem 
Großdeutschland. 
Als dann aber im Iahre 1918 die alte Mo¬ 
narchie zusammenbrach und derDeutschösterreicher
	        
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