Full text: 67.1939 (0067)

Grabenzüge und das granatenzerwühlte Sumpf- 
gelände rings. Neu bestätigte sich dann die 
Vogelliebe der saarländischen Bergleute im 
litauischen Beresinaabschnitt. Das erfuhr im 
Vorlenz 1916 zunächst wiederum einStorchen- 
m a n n mit seiner schmucken Gesponsin. Auf 
einer mächtigen Kopfweide am feindlichen Be- 
resinaufer, zwischen den Stellungen hüben und 
drüben, hatte es seinen alten Horst, den es trotz 
der schweren Geschoßeinschläge in der Umgebung 
bald nach der Ankunft aus dem Süden neu her¬ 
zurichten begann für das lenzliche Brutgesch'äft. 
Da waren es nicht die „Nemjetz", sondern ver¬ 
rohte sibirische Scharfschützen von drüben, die 
das ahnungslose Storchenpaar eines Tages 
unter Feuer nahmen und nach wenigen Schüssen 
schmählich auch hinmeuchelten, damit einen Ent¬ 
rüstungssturm auslösend in unserm ganzen 
Erabenabschnitt. Deutsche Vogelliebe erfuhr auch 
das Bachstelzenpaar, das in herziger Zu¬ 
traulichkeit zu den dort Ein- und Ausgehenden 
in der Holzverschalung am Eingang zu einem 
Osfiziersunterstand sein Nestchen baute, brütete 
und dann sechs Äungoögel glücklich groß atzte. 
2n ein besonders inniges Freundschaftsver¬ 
hältnis aber traten unsere Saarbrücker Graben¬ 
leute vom L.J.R. 17 in den Beresinagräben 
durch die Sommermonate 1916 und 1917 hin zu 
einigen Schwalbenpaaren. Suchend über¬ 
spielten in den jungen Maitagen 1916 kleinere 
Flüge von Rauch- und Fensterschwalben unsern 
Grabenabschnitt. Doch das Dorf, das ehedem 
hier stand, und die Holzhütten mit ihren weit 
überspringenden Dächern, an denen sie einst 
heimisch waren, fanden sie nicht mehr vor. Ein 
herzliches Freuen aber war dann in dem ganzen 
Erabenabschnitt, als die suchenden Schwalben- 
pürchen in rührender Anhänglichkeit an die ver¬ 
wüstete Heimat sich anschickte, in den Mauer- 
winkeln der Vetonunterschlüpfe und in den Zu¬ 
gängen der Unterstände ihre Nestkörbchen aus¬ 
zumauern. In Raststunden der Feuerpausen 
saßen hier die harten Krieger rauchend und leise 
sich unterhaltend an der Grabenwand, sahen den 
geschäftigen Schwälbchen zu und lauschten ihrem 
anmutigen Liebesgezwitscher. Ernste Augen 
träumten dann oft mit wehmütigem Blick in die 
Ferne, heimwärts zum trauten Dorf dort irgend¬ 
wo im Saarbrücker Land, wo um die rauch¬ 
geschwärzten Giebel und Dächer der Häuschen 
und das Bangen der stillen Vergmannsstuben 
blaue Schwalben flitzten und sangen. Ein ganz 
seltsam Anmutendes aber war es, allenthalben 
nahe den Niststätten in der Grabenstellung 
Tafeln angebracht zu finden mit dem sorglichen 
Hinweis: „Achtung— Schwalbennest!" Deutsches 
Kindergemüt, deutsche Natursinnigkeit und Vogel¬ 
liebe, die dort noch keimten und blühten, wo 
doch das eigene Leben stündlich vom Tode um¬ 
lauert und bedroht war! 2ch muß gestehen: 
kaum etwas aus der Seele dieser wackeren 
Bergmannskameraden aus dem Saarland hat 
Lori der Beresinastellung des Saarbrücker L. J. R. 17 in Litauen 1915/17 
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