Full text: 67.1939 (0067)

Bergmann und Vogelwelt von th Schmidt 
„Als ich Abschied nahm, 
war die Welt mir voll so sehr. 
Als ich wiederkam, war alles leer." 
In diese Verse seines stimmungsvollen 
Schwalbenliedes hat der Dichter Friedrich 
R ü ck e r t das Grundmotiv des Gesanges der 
Rauchschwalbe eingekleidet, jenes Vogelliedes, 
das gar schlicht und anspruchslos die Häuschen 
unserer Dorfheimat umklingt. In ganz eigener 
und besonderer Art aber birgt es etwas Liebes, 
Herziges und Seelenvolles in sich. Wie fein an¬ 
deres, ist es in dieser Heiterkeit und Lebens¬ 
freude dem Landvolk lieb und wert und wird es 
von ihm auch durch das Unterlegen von Worten 
und Verslein in sinniger und gemütvoller Art 
ausgedeutet. Erinnerungen aber an ganz selt¬ 
sam berührenden Schwalbengesang auf fremder, 
heimatferner Erde, ihr Zusammenklingen mit 
Hänschen wehrt sich! 
den obigen, leis wehenden Versen des Rückert- 
schen Liedes sowie jüngste Geschehnisse auf dem 
Gebiet der heimischen Vogelkunde sind es, die 
uns Anlag wurden zu dieser Abhandlung. 
Vogelliebe des Saarbergmanns 
In einem öden, düsteren Sumpfwaldgebiet 
Ostlitauens war es in den Sommermonaten der 
Kriegsjahre 1916/17 und in den Kampfgräben 
unseres damaligen Frontabschnittes hart am 
Westufer der kleinen Beresina. Wo auf der 
Dünenwelle des Uferzuges einst das lang sich 
hindehnende Zeilendorf Bakschty stand, das die 
zu den Minsker Sümpfen abziehenden Russen 
am 25. Sept. 1915 vor uns niederbrannten, ver¬ 
liefen nunmehr durch die ehemalige Dorjstrage 
und die anliegenden Haus- und Hofstätten 
unsere Kampfgräben mit ihren sorglich aus¬ 
gebauten Holz- und Betonunterständen und den 
davor liegenden Sicherungen der tiefen Draht¬ 
verhaue. Feldgraue aus unserer Saarheimat 
hielten in jenem Kampfabschnitt die vorderste 
Wacht am Feind: Wehrmänner des Saar¬ 
brücker Landwehr-Infanterie-Re- 
g i m e n t s 17. Aus Kopf- und Handarbeitern 
aller Berufszweige setzten sich die Mannschaften 
der beiden Stammbataillone zusammen. Die 
aber, die aus werktätigen Berufen kamen, waren 
in ihrer überwiegenden Zahl Berg¬ 
leute aus den großen und kleinen Bergmanns¬ 
dörfern des Kreises Saarbrücken, dort im Sulz¬ 
bach-, Fischbach- und Köllerbachtal, im Warndt 
und dem anliegenden Kohlenland des Kreises 
Forbach. Als tapfere Soldaten und in treuer 
Kameradschaft standen sie in den Beresinakampf- 
grüben in brennender Sonnenglut und eisiger 
Winterkälte unentwegt ihren Mann. Was sie 
dem leitenden Regimentskommandeur, einem 
aktiven Pionierobersten, beim Stellungsbau und 
der Instandhaltung der festungsartigen Brücken¬ 
kopfverteidigung aber besonders nahe stehen und 
wert sein lieg, war ihre berufliche Befähigung 
und Geschicklichkeit als Mineure und Bauleute, 
die den Graben unseres Regimentsabschnittes zu 
einer anerkannten Musteranlage dieser Art ge¬ 
stalteten. 
Und ein anderes noch zeichnete diese wackeren 
Bergknappen von der Saar aus. Harte Krieger 
waren sie, Männer aber auch mit einem wei¬ 
chen und empfindsamen Herzen, denen Liebe zur 
Natur und ihren trauten Vogelgestalten tief im 
Gemüt fast. Das hatten sie schon im ersten 
Kriegsfrühling im nordpolnischen Kampf¬ 
abschnitt südlich von Praschnüscz an der Lydinia 
bewiesen. Jenes stattliche Storchenmänn- 
ch e n z. B. erfuhr es, das allemal in früher 
Morgenstunde vom Dorfsaum her durch den 
Laufgraben in die Stellung hereinkam und ver¬ 
traut in nächster Nähe der Feldgrauen von der 
Grabensohle die Frösche aufnahm, die zur Nacht¬ 
zeit da hineingeraten waren. Und mit Freund 
Adebar kamen auch die Gestalten von Kuckuck 
und Pirol aus den Kiefer- und Erlengehölzen 
der Umgebung herüber, um dann von den Dach¬ 
firsten und Fensterläden des zerschossenen Panje- 
dörfchens hart über der Stellung ihr wunder¬ 
sames Singen hineingehen zu lassen in den 
sonnigen Maimorgen, das Wirrwarr der tiefen 
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