Full text: 67.1939 (0067)

Wie das Bergwerk St. Ingbert 
seinen ersten Steiger erhielt (1772) 
„Daß man in St. Ingbert seit Ende des 17. 
Jahrhunderts Kohlen gräbt, dürfte über die 
engere Heimat bekannt fein." — so, und wie nach¬ 
stehend schrieb Dr. Wolfgang Krämer, nach 
archivalischen Quellen, zur Hundertjahrfeier der 
Stadt St. Ingbert im Jahre 1929. 
Die Kohlengrube St. Ingbert war das einzige 
Bergwerk, das die bis zum Jahre 1793 in der 
Saarpfalz herrschenden Grafen von der 
L e y e n ihr eigen nannten. Immerhin gehörte 
sie schon im 18. Jahrhundert zu den wichtigsten 
Gruben des Saarlandes. Trotzdem sie — nach 
mannigfachen Schicksalen im 17. Jahrhundert — 
bereits seit 1714 in ununterbrochenem Betriebe 
war, entbehrte die Grube St. Ingbert einer fach¬ 
männischen Leitung. Der Mangel hatte zahl¬ 
reiche Nachteile im Gefolge, die mit den Jahren 
immer deutlicher zu Tage traten. Ende 1771 ent¬ 
schloß man sich daher zur Anstellung des ersten 
Steigers. Das fürstlich v. ü. Leyensche Archiv in 
Waal enthält darüber folgende Nachrichten, die 
von wirtschaftsgeschichtlichem Interesse sind: 
Am 14. September 1771 bemerkte Graf Franz 
Earl v. d. Leyen in einem Schreiben an das 
Blieskasteler Oberamt, es sei „überhaupt rat¬ 
sam und vorteilhaft, daß einige Gruben 
auf herrschaftliche Kosten und Rech¬ 
nung auf getan, bergmännisch gebauet und 
die fördernde Kohlen verdebitiret werden, näm¬ 
lich, daß von Herrschaftswegen ein gelern¬ 
ter Steiger oder Bergdirektor ange¬ 
ordnet werde", der auch die Beständegruben 
beaufsichtige. Es komme nur darauf an, „ob der 
künftige Nuzen die erforderlichen Kästen aus¬ 
trage." 
Am 21. September ersucht das Amt förmlich 
um die Anstellung eines solchen Fachmannes ... 
„weilen dadurch der Kohlenbau in besiere Ord¬ 
nung käme . . . zumalen die Steinkohlen von 
Jahren zu Jahren wegen Abgang des Holzes 
einen höchst nöthigen Behuf des Brandts seyndt 
und in der Länge der Zeit ohnentpehrlich wer¬ 
den dürsten". Der Graf beauftragt am 5. Oktober 
den Amtmann Schmelzer, ihm einen geeig¬ 
neten Kandidaten vorzuschlagen und bemerkt: 
„Sollte kein Catholik hiezu ausfindig gemacht 
werden können, so kämmet es just nicht darauf 
an, daß er auch ein Protestant sey, besonders da 
er kein Bürger wird und dahero zu jederzeit 
amoviret werden kann". Diese Bemerkung be¬ 
zieht sich auf die Tatsache, daß der Oberlehnsherr 
der Herrschaft Blieskastel das Erzftift Trier war, 
das darauf sah, daß keine Protestanten sich nieder¬ 
ließen. Tatsächlich war bis 1772 im Oberamt 
Blieskastel nicht ein einziger Protestant ansässig. 
Durch den St. Jngberter Förster Peter Schmidt 
wird das Amt auf den nasiau-saarbrückischen 
Steiger Christian F e y aufmerksam gemacht, der 
„ein geschickter und ehrlicher Mann seye", sein 
Handwerk bestens verstehe, und sich verändern 
wolle, da mit dem neuen Berginspektor zu Saar¬ 
brücken er nicht gut auskomme. Allerdings ist 
Fey reformierter Religion und hat mehrere Kin¬ 
der. Er ist zu Wellesweiler mit Haus und Gütern 
„angesessen". Seine Bedingungen sind 20 Gulden 
Monatslohn, freie Wohnung bei der Grube oder 
statt deren 20 fl. jährlich Mietzins, jährlich 
6 Klafter Holz und 60 Zentner Kohlen, sodann 
„bergmännische und Religionsfreiheit". 
Fey war schon 1761—1766 auf der Dudweiler 
Grube als Steiger tätig mit 200 fl. Jahres- 
gehalt*). 
Der Graf ist geneigt, auf die Gehaltsansprllche 
einzugehen, doch hat Fey, bevor sein Anstellungs¬ 
dekret ausgestellt witd, einen Bericht über die 
Visitation der St. Jngberter Kohlengruben zu 
erstellen. Dies geschieht Ende Dezember 1771*). 
Der Bericht Feys ließ in Coblenz den Fach¬ 
mann erkennen, und am 3. Februar 1772 beauf¬ 
tragte der Graf das Amt, den Christian Fey „als 
Bergsteiger" in Dienst zu nehmen und ihn, wo es 
ihm gelegen erscheine, eine herrschaftliche Grube 
öffnen zu lassen. Die Anstellung erfolgte am 19. 
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