Full text: 66.1938 (0066)

fristigen Dienstzeit vor. An der Stelle eines 
Heeres von langdienenden Berufssoldaten sollte 
die neue volksverbundene Armee der allgemeinen 
Wehrpflicht treten. So forderte es das Pro¬ 
gramm der NSDAP, von 1920. Es mag für den 
alten Feldmarfchall, der das Reich zu neuen 
Ufern hinübergeführt hatte, das beglückendsts 
Gefühl gewesen sein, daß er noch vor seiner 
Todesstunde am 2. August 1934 die Morgenröte 
der politischen Freiheit sehen konnte. Noch am 
Abend des gleichen Tages schwur die Wehrmacht 
als erste Organisation des Staates den persön¬ 
lichen Treueid auf den Führer und Reichskanz¬ 
ler Adolf Hitler, der fortan ihr Oberster Be¬ 
fehlshaber fein sollte. Als Vermächtnis hatte 
Hindenburg am 25. Mai dieses Jahres der 
Wehrmacht die neuen „Pflichten des deutschen 
Soldaten" gegeben, die in knappen Sätzen eine 
nationalsozialistische soldatische Pflichtenlehre 
enthalten. „Der Dienst in der Wehrmacht ist 
Ehrendienst am deutschen Volk". Was hier noch 
für die Mehrzahl unserer wehrhaften Jugend 
als Forderung an die Zukunft aufgestellt war, 
sollte bald Wirklichkeit werden. Schon seit Be¬ 
ginn des Jahres 1934 trugen die Soldaten der 
Wehrmacht mit Stolz auf der Uniform das 
Hoheitszeichen der Bewegung; zum erstenmal 
sah der Reichsparteitag starke Truppenverbände 
Schulter an Schulter mit den politischen Kämp¬ 
fern der NSDAP. 
Das Jahr 1935 wird für alle Zeiten als das 
Jahr der Wehrfreiheit in die deutsche Geschichte 
eingehen. In der wehrpolitischen Entwicklung 
war Frankreich wieder der Schrittmacher, der 
den historischen Entschluß Adolf Hitlers am 
16. März auslöste. Die Einführung der zwei¬ 
jährigen Dienstzeit bei unserem westlichen Nach¬ 
bar zwang zum Handeln. Das Gesetz über den 
Aufbau der Wehrmacht, das die allgemeine 
Wehrpflicht verkündete, ist die Geburtsurkunde 
der nationalsozialistischen Wehrmacht des Drit¬ 
ten Reiches. Schon am 21. Mai kam das Wehr¬ 
gesetz heraus. Es folgte am 18. Juni das Flot¬ 
tenabkommen mit England, das auch völker¬ 
rechtlich den Teil V des Diktats von Versailles 
beseitigte. Im Sommer wurde die Musterung 
des ersten Rekrutenjahrganges durchgeführt und 
am 7. November leistete der Jahrgang 1914 
unter der neuen Reichskriegsflagge, dem Sym¬ 
bol der Einheit von Staat und Volk, Partei 
und Wehrmacht, den Eid auf den Führer. 
Noch blieb die Lösung wichtiger Aufgaben der 
Zukunft vorbehalten. Das Jahr 1936 brachte die 
Erfüllung. Wieder fiel auf den Vorabend des 
Heldengedenktages eine wehrpolitische Großtat 
Adolf Hitlers. Als Antwort auf den Abschluß 
des Militärbündnisses zwischen Frankreich und 
der Sowjetunion, wodurch der Locarnopakt 
juristisch und praktisch durchlöchert worden war, 
rückten deutsche Regimenter am 7. März 1936 j 
in die entmilitarisierte Rheinlandzone ein und j 
beseitigten damit das letzte Ueberbleibsel ein- j 
seitiger Beschränkung unserer Wehrhoheit. Und ! 
als im August die roten Machthaber in Moskau 
die fieberhafte Aufrüstung der bolschewistischen 
Armee der Weltrevolution durch Herabsetzung 
des Einstellungsalters erneut beschleunigten, 
war dies das Signal für die Einführung der 
zweijährigen aktiven Dienstzeit in der deutschen 
Wehrmacht. Der Jahrgang 1915 aber, der im 
Oktober in die Kasernen einrückte, fand das 
Gebäude der Wehrmacht, so wie es das Gesetz 
vom 16. März 1935 vorgesehen hatte, in den 
wesentlichen Fundamenten und Umrissen fertig 
vor. 
Ueberblickt man die Größe, den Umfang und 
das Tempo des wehrpolitischen Aufbauwerkes 
des Nationalsozialismus in diesen vier Jahren, 
dann kann man nur von einem Wunder sprechen 
Nie zuvor in der deutschen Geschichte — und auch 
niemals bei anderen Völkern — ist Aehnliches 
in so kurzer Frist geschaffen worden. Vor vier 
Jahren noch eine Armee von 100 000 Mann mit 
völlig unzureichender Bewaffnung — heute an 
Stelle der 7 Infanterie- und 3 Kavallerie-Divi¬ 
sionen das neue Heer der allgemeinen Wehr¬ 
pflicht, zahlenmäßig vervielfacht, gegliedert in 
12 Armeekorps mit 36 Divisionen, ausgerüstet 
mit allen Waffen des neuzeitlichen Krieges, mir 
Panzertruppen, schwerer Artillerie, mit Landes- 
befestigung und wohlorganisiertem Ergänzungs¬ 
wesen; damals ein Deutschland, das völlig wehr¬ 
los der tödlichen Luftgefahr ausgesetzt war, 
— heute eine mächtige Luftwaffe und ein gut¬ 
vorbereiteter Luftschutz als Bürgen unserer 
Sicherheit; 1933 noch eine Kriegsmarine mit 
wenigen Schiffen — heute eine Seerüstung, die 
über alle Gattungen von Kriegsfahrzeugen schon 
verfügt oder in naher Zukunft verfügen wird, 
und die in Spanien gezeigt hat, daß sie die 
Lebensrechte des Volkes wirksam schützen kann. 
Damals ein Staat, der in der Politik der Grotz- 
müchte nur Objekt war — heute ein Reich, das 
dank seiner neugewonnenen Stärke zum höchst 
beachtlichen Subjekt wurde. Vor vier Jahren 
noch ein Volk, das sich im inneren Kampf selbst 
zerfleischte, — heute eine Nation, einig im 
Denken und Handeln, gesund an Körper und 
Seele, erfüllt von gläubigem Vertrauen zur 
Führung und in die eigene Kraft. 
Der Soldat aber, der am neuen Wehrgebäude 
mitarbeiten durfte, wird diese vier Jahre zu 
den schönsten seines Lebens rechnen. Sie waren 
reich an Aufgaben und Mühen und gerade des¬ 
halb so beglückend! Mit neuer Kraft wird er 
ans Werk der Zukunft gehen. Es gibt in der 
Wehrertüchtigung von Volk und Staat noch 
Ziele genug, die den Einsatz aller Kräfte lohnen. 
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