Full text: 66.1938 (0066)

werden. Die saarländischen Jugendlichen wer¬ 
den sich überlegen müssen, ob sie nicht zu diesen 
auch im Saar Isttib nachwuchsarmen 
Berufen greifen, zumal sie heut« jedem jun¬ 
gen Deutschen sowohl gesicherte Existenzmöglich¬ 
keiten als auch eine ganze Reihe von Aufstieg- 
möglichkeiten bieten. 
Nur so kann der Volksgemeinschaft und gleich¬ 
zeitig der saarländischen Wirtschaft geholfen 
werden, wenn allen Berufen, je nach Bedarf, der 
Nachwuchs zugeführt wird. Bei der großen Zahl 
von Jugendlichen im Saarland müßte das mög¬ 
lich sein. 
Jedenfalls würden dadurch auch weniger Jun¬ 
gen der gelernten Arbeit verloren gehen. W i s- 
viele warten Jahre lang auf eine 
Lehrstelle bei der Hütte oder auf An¬ 
legung als Lehrknappen. Wenn es dann z u 
spät ist, verlieren sie die Lust an 
einem gelernten Beruf und greifen 
zur ungelernten Arbeit. Gewiß, auch 
die wirtschaftlichen Verhältnisse zwingen man¬ 
chen dazu. Manchmal sind es auch die Jungen 
selbst, die des besseren Verdienstes in der un¬ 
gelernten Arbeit wegen, eine Lehrstelle aus- 
schlagen. 
Jeder, der das Zeug zu einem ge¬ 
lernten Beruf in sich trägt, hat 
heute die Pflicht, seine geistigen 
Kräfte und Fähigkeiten der deut¬ 
schen Wirtschaft zur Verfügung zu 
stellen und mitzuhelfen, den Fach¬ 
arbeiternachwuchs sicher zu stellen. 
Nicht minder wichtig wie die wirtschaftlichen 
Erwägungen sind die persönlichen. Wenn vor¬ 
hin gesagt ist, Qualitätsarbeit setzt Qualitäts¬ 
arbeiter voraus, so bedeutet das, daß der 
Mensch zu seinem Berufe geeignet 
sein muß, daß er mit Luft und Liebe bei 
der Arbeit ist. Der Frage der Eignung 
und Neigung mutz daher die größte 
Aufmerksamkeit geschenkt werden. 
Sie ist entschieden, wenn die persönlichen Fähig¬ 
keiten und Eigenschaften berücksichtigt und den 
Berufsanforderungen angeglichen werden. Nur 
derjenige, der am rechten Platze steht, dient der 
Wirtschaft und sich selbst. Wenn einer den An¬ 
forderungen des Berufes, fei es geistig, sei es 
körperlich, nicht gewachsen ist, wenn er trotz 
Fleißes immer nur Mißerfolge sieht, dessen 
Selbstvertrauen und Tatkraft werden bald er¬ 
lahmen und Arbeitslust wird in Arbeitsunluft 
umschlagen. Wir wollen nicht verkennen, daß 
Arbeitswille und Fleiß Mängel bis zu einem 
gewissen Grade ersetzen können. Aber auch 
stärkstes Wollen und unermüdliche Ausdauer 
werden bei einer ganzen Reihe von Verufs- 
anforderungen nicht genügen, wenn geistiges 
Versagen und körperliche Minderwertigkeit im 
Wege stehen. Es gibt eben Klüfte, die 
nicht zu überbrücken sind. Das gilt 
auch für den A b st a n d zwischen per¬ 
sönlicher Leistungsfähigkeit und 
Berufsanforderung. 
Andererseits kann die Eignung nicht alleinj 
maßgebend sein. Wen nicht Freude am1 
Beruf durchglüht, wer nicht den! 
festen Willen besitzt, seine Pflicht 
bis zum äußer st en zu erfüllen, wird 
niemals seine Arbeit so verrichten,! 
wie es das Volksganze verlangt.! 
Das erst macht die Arbeit wertvoll: der Geist, ! 
in dem man sie verrichtet. Unser Führer hat 
am ersten Tage der nationalen Arbeit das Wort . 
geprägt: „Es gibt vielleicht viele Zehntausende, 
die den Respekt vor dem Einzelnen abhängig 
machen wollen von der Arbeit, die einer ver¬ 
richtet. Nein! Man kann den Respekt nur ab- s 
hängig machen von dem Wie, wie einer seine - 
Arbeit verrichtet." Wenn jeder an seinem noch s 
so geringfügigen Platze seine Pflicht tut, wird I 
Deutschlands Wirtschaft wieder gesunden. Ein! 
Volk, das aus berufstüchtigen und arbeits- ; 
freudigen Menschen sich zusammensetzt, die in 
ihrem Berufe die Grundlage erkennen, von der 
aus sie ihre Aufgaben und Pflichten gegen die, 
Volksgemeinschaft erfüllen, ist ein innerlich ge¬ 
sundes Volk. 
Zum Schluß fei aber noch eine für die saar¬ 
ländische Jugend sehr wichtige Frage an¬ 
geschnitten. Trotz der größten Be¬ 
mühungen ist es nicht gelungen,! 
alle älteren Jugendlichen in Lehr-s 
stellen unterzubringen. Aus diesem 
Grunde wurden in diesem Jahre bei der Lehr¬ 
stellenvermittlung nur die älteren Ratsuchenden 
berücksichtigt, die bereits ein Jahr und länger! 
die Schule verlassen haben. Die meisten diesers 
Jugendlichen hatten bereits ihren Dienst am 
deutschen Boden getan. Diese zuerst unter¬ 
zubringen, sahen die Berufsberatungsstellen allj 
ihre erste Pflicht an. Nur in sozial schwierig 
gelagerten Fällen wurden Ausnahmen gemacht. 
An die Schulentlassenen von 1937 erging der 
Ruf, sich zunächst der Landwirtschaft zur Ver¬ 
fügung zu stellen. Diesem Rufe sind erfreulicher-! 
weise Tausende von saarländischen Jugendlichen f 
gefolgt. 
Ebenso sind dem Aufrufe der Eauleitung ans 
die Betriebsführer, nur ältere Jugendliche ein-? 
zustellen, die meisten Firmen nachgekommen. 
Dem Einwand einiger Firmen, sie müßten die 
Schulentlassenen vorziehen, da diese bessere, 
Leistungen gezeigt hätten, als diejenigen, die! 
bereits einige Zeit von der Schule seien, ver¬ 
mag ich nicht zu folgen. Abgesehen davon, Mj 
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