Full text: 66.1938 (0066)

Metallindustrie gewählt. Während die länd¬ 
liche Jugend am liebsten als Schlosser oder 
„Elektrischer" zur Hütte will, bevorzugt die 
Stadtjugend den Autoschlosser- und Mechaniker¬ 
beruf. An zweiter Stelle stehen die kaufmänni¬ 
schen Berufe, wobei zu vermerken ist, daß im 
Gegensatz zu den Mädchen das Interesse für den 
Verkäuferberus gering ist. Der größte Teil der 
2955, d. i. 18 Prozent der Ratsuchenden, wünscht 
eine Lehrstelle auf dem Büro. An dritter Stelle 
folgt der Bergmannsberuf. 1571 = 9,5 Prozent 
der Knaben wollen zur Grube. Allerdings 
möchten viele dieser Jugendlichen nicht als 
Bergmann unter Tage, sondern als Eruben- 
schlosser, Erubenschmied usw. im Tagebetrieb 
arbeiten. 
Im weiten Abstande folgen erst die anderen 
Berufe. Sieht man von der Landwirtschaft mit 
873 Vorgemerkten ab, die mehr oder weniger 
sich nur für eine bestimmte Zeit verpflichten, er¬ 
reicht das Nahrungs- und Genußmittelgewerbe 
675 = 3,9 Prozent Bewerber. Auf der anderen 
Seite haben sich noch nicht 90 Jugendliche für 
den Maurerberuf gemeldet. 5 hatten Gipser 
werden wollen. 
Wie sind dem gegenüber die Vermittlungs¬ 
möglichkeiten? Auch hier steht die Metall¬ 
industrie mit 1718 = 31,5 Prozent der Gesamt¬ 
vermittlungen an der Spitze. Im Verhältnis 
zu den Ratsuchenden haben 36,1' Prozent der 
Jugendlichen ihren Berusswunsch in Erfüllung 
gehen sehen. Das aber bedeutet, daß 
fast dreimal so viele Lehrstellen 
hätten vorhanden sein müssen, um 
alle zu vermitteln. An zweiter Stelle 
finden wir die kaufmännischen Berufe mit 823 
= 15,1 Prozent. Hier ist das Verhältnis der 
Zahl der verfügbaren Stellen zu der Zahl der 
Bewerber noch ungünstiger. Nur 28,2 Prozent 
konnten eine Lehrstelle erhallen. Es folgt das 
Holz- und Schnitzstoffgewerbe mit 456 = 8,3 
Prozent, bzw. 78,2 Prozent. Der Bergbau steht 
mit 451 Vermittlungen = 8,2 Prozent, bzw. 
28,7 Prozent an vierter Stelle. 
Wollen wir die Statistik der Verufswünsche 
der Ratsuchenden und der Vermittlungen als 
ein Spiegelbild der saarländischen Wirtschaft 
sehen, so wäre für den Nachwuchs in der Metall¬ 
industrie mehr als gesorgt. Die 1. Anord¬ 
nung zur Durchführung des Vier¬ 
jahresplanes über die Sicherstel¬ 
lung des Facharbeiternachwuchses 
für die Eisen- und Metallwirt¬ 
schaft hat im Saarlande wenig st ens 
von seiten des Nachwuchses nicht 
die Bedeutung wie in anderen Ge¬ 
genden, wo z. T. schon Jugendliche fehlen. 
Im Saarland so viele Lehrstellen zu schaffen, 
um die Interessen aller Jugendlichen zu be¬ 
friedigen, ist z. Zt., ohne Gefährdung einer rich¬ 
tigen Ausbildung des Nachwuchses, kaum zu er¬ 
warten. Erft wenn im übrigen Reich durch Er¬ 
bauung von Lehrlingsheimen saarländische Be¬ 
werber untergebracht werden können, dürfen 
mehr Jugendliche hoffen, einen Metallberuf er¬ 
greifen zu können. 
Ebenso sind die kaufmännischen Be¬ 
rufe überfüllt. Viele Firmen gehen dazu 
über, nur solche Jugendlichen einzustellen, die 
bereits Vorkenntnisse in Stenographie und 
Maschinenschreiben besitzen. 
Beim Bergbau ist die Lage noch nicht ganz 
übersichtlich. Zurzeit können jährlich 800 Lehr¬ 
knappen angelegt werden. Die Bestrebungen der 
maßgebenden Stellen gehen dahin, diese Zahl 
zu erhöhen. In diesem Zusammenhang sei 
Eltern und Jugendlichen ein ernstes Wort ge¬ 
sagt. Immer wieder muß die Berufsberatung 
der Ansicht entgegentreten, als ob der Berg¬ 
mannsberuf nur körperliche Anforderungen 
stelle. Daß auch eine gewisse geistige Ver¬ 
anlagung notwendig ist,'.leuchtet vielen nicht ein. 
Der Bergmannsberuf ist ein ge¬ 
lernter Beruf, der ein großes Matz 
von Kenntnissen und Fertigkeiten 
verlangt. 
Während diesen drei Berufen genügend Be¬ 
werber zur Verfügung stehen, ist es für andere 
Berufe oft sehr schwer, Jugendliche zu erhalten. 
Weniger Interesse finden zurzeit die Berufe 
als Schneider, Friseure, Maler, Bäcker, Ver¬ 
käufer und zum Teil auch schon Schreiner. Wenn 
auch die Zahl der arbeitslosen Gesellen vor 
allem im Bäckerhandwerk noch verhältnismäßig 
groß ist, so darf das nicht dazu führen, daß die¬ 
sen Berufen der Nachwuchs ganz entzogen wird. 
In gleicher Weife findet das ländliche Hand¬ 
werk, Schmied und Stellmacher, nur sehr wenige 
Liebhaber. 
Am schlimmsten siehtes beim Bau¬ 
gewerbe aus. Es ist fast unmöglich, Jugend¬ 
liche und mehr noch deren Eltern für den Be¬ 
ruf des Maurers, des Zimmermanns und des 
Gipsers zu interessieren. Es wird das eine 
Schicksalsfrage des Saarlandes. 
Die 1. Anordnung zur Durchführung 
des Vierjahresplanes über die 
Sicherstellung des Facharbeiter¬ 
nachwuchses für das Baugewerbe 
ist hier im Saarland mehr eine 
Aufforderung an die Jugendlichen, 
Maurer, Zimmerer, Betonfach¬ 
arbeiter usw. zu werden, als eine Ver¬ 
pflichtung der Firmen, mehr Lehrlinge ein¬ 
zustellen. Schon in den vergangenen Jahren 
konnten bei weitem nicht alle Lehrstellen besetzt 
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