Full text: 66.1938 (0066)

Saarland gefunden habe, den Weg zu den 
Hütten und Gruben der Saar, zu Arbeit und 
Arbeitern, zu einer Welt wirklichen Lebens. 
„Er lebte unter den Bergleuten des Saarlan¬ 
des, beobachtete den Arbeiter in Grube und 
Hütte. Die Bergleute, Werkmänner, Block- 
mälzer, Of-enmänner, Hammermeister wurden 
ihm in Arbeit und Feierstunde vertraut, wur¬ 
den Gestalten seiner schaffenden Plastik. Wenn 
das Saarland ihm eine zweite Heimat wurde, 
konnte fein Werk Kraft aus seiner eigenen Ver¬ 
wurzelung mit Land und Leuten schöpfen. Mit 
dem Land an der Saar wählte sich Koelle als 
anregendes Stoffgebiet einen Brennpunkt der 
schaffenden Arbeit, einen Brennpunkt des 
nationalen Interesses, mit seiner damals noch 
bevorstehenden politischen Entscheidung. Als 
Gleichklang der Zeit tragen seine Gestalten Er¬ 
wartung und Ausdruck der kommenden Ent¬ 
scheidung in sich, sind beseelte Zeugnisse von 
Schaffen, Kämpfen und Leiden, oft einer ver¬ 
antwortungsbewußten, still verhaltenen Kraft, 
wie sein betender Saarbergmann, der vor der 
Schicht seine schweren Hände auf die Hacke stützt: 
„Herr, mach uns frei!" . . . 
So können wir mit Fug und Recht Koelle als 
den Bildner des Saarbergmannes 
bezeichnen, den er in seinem tiefsten Wesen ganz 
erkannt und erfaßt hat. Als seine Bergleute 
und Hüttenmänner in seiner Werkstatt in 
München vor wenigen Monaten besichtigt wur¬ 
den, da sagte er schlicht und einfach: „Das sind 
meine Saararbeiter. Die sind mir ganz beson¬ 
ders ans Herz gewachsen. Ihnen gilt meine 
Lebensarbeit und wenn ich gerade Zeit dazu 
habe, dann fahre ich immer wieder in das 
Saarland und steige mit diesen Leuten in das 
Bergwerk hinab, um sie bei der Arbeit zu sehen. 
Wissen Sie, man kann nur schaffen, wenn man 
zuvor gesehen hat ..." . pk. 
Friehjohrsluscht 
Soll vielleicht mei Brufcht net schwelle 
zu me scheue Friehjohrslied, 
wann die Sunn schunn kitzt die Quelle, 
sießer Duft die Au durchzieht? 
Wann vumm Felse Bächjer trippfe, 
schtolz im Gras marschiert dr Schtar, 
wann u'm Dach die Schbatze hippse, 
luschdig, wie vorm Traualtar? 
Wann die Ooschderblume schtoße 
un die Veilcher Hann schunn Knepp, 
griene Schbitze kriehn die Rose 
un die Birke lange Schlepp? 
Wann im Wald e frohes Huschble 
ziddert leis vunn Baam zu Baum, 
wann im Moos die Wichtjer rufchble 
aus'm dieffchde Windertraam? 
So vielleicht mei Brufcht net schwelle 
zu me scheue Friehjohrslied, 
wann e Schaar vunn Frohgeselle 
juchzend in de Lenz ninnzieht? 
Hach, das wärs? — Rings uff die Berge 
werd sich schnell enuffgeschwung 
un vunn dort aus, wie die Lerche 
iwwer Daal und Heh gefung! 
C. Sch., Saarbrücken. 
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