Full text: 64.1936 (0064)

Saarkàmpf — Saarsieg! 
Stimmuirgsbildk 
ans dem 
Von Karl Ollmert, Saarbrücken 
Saarkampf 
Abschied von den deutschen Truppen 
Einmarsch der Franzosen 
November 1918: In den letzten Tagen 
des Oktober und in den ersten Tagen des No¬ 
vember schwirren an der Saar allerlei Gerüchte 
herum, die Veranlassung zu großen Besorgnissen 
geben. Dann wird das deutsche Waffen¬ 
stil l st a n ds a n g e b o 1 bekannt. Es ruft über¬ 
all größte Bestürzung hervor. Wenn irgendwo, 
dann hofft man hier an der Saar, trotz allem, 
was man hört und liest, immer noch auf einen 
einigermaßen glücklichen Ausgang des Krieges. 
Nirgendwo haben sich im Saargebiet Zer¬ 
setzungserscheinungen gezeigt. Ueberall ist man 
bereit, bis zum äußersten durchzuhalten. Weiß 
man doch, welch besonders trauriges Schicksal 
dem Saarlande bevorsteht, wenn der Feind den 
Frieden diktieren wird. Professor Ruppersberg, 
der bekannte Saarbrücker Historiker, weist in 
einem Aufsatz in der „Saarbrücker Zeitung" vom 
8. November auf die der Saarbevölkerung un¬ 
mittelbar drohende Gefahr einer französischen 
Annexion hin. Frankreich habe stets die Schwäi 
Deutschlands benutzt — so betont er —, um it 
Saarland zu erobern. Nur die rreudeutsche Hai 
tung der Bevölkerung habe zu verhindern ne: 
möcht, daß es an der Saar zu einer dauernde 
französischen Herrschaft gekommen sei. 
Die Besorgnis steigt und wird zu einer nii 
zu beschreibenden Bestürzung, als der Ausbm 
der Revolution in einigen Städten Nord- ui> 
Süddeutschlands sowie die Abdankung de 
Kaisers und der Thronverzicht de 
Kronprinzen bekannt werden. Eine tiei 
Trauer ergreift die gesamte Bevölkerung. Si 
steigert sich zu einer völligen Niedergeschlagn 
heit, als die Presse die kl n t e r z e i ch n un 
des Waffenstillstandes (11. 11.) und di 
damit verbundene Auslieferung Deutschland 
auf Gnade und Ungnade an die Feinde melde 
Die schlimmsten Befürchtungen werden laut. 
Bald setzt der Rückmarsch der deut 
scheu Truppen durch das Saarland ein.Vo 
ganz kleinen Ausnahmen abgesehen, erfolgt e 
in musterhafter Ordnung. Trotz der tiefe 
Französische Truppen marschieren in das Saarland ein 
40 
Foto: Julius Wagner-Sanrbi
	        

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