Full text: 64.1936 (0064)

schied, daß diese Kohlenwasserstoffe schwerer 
sind, also größere Moleküle haben, und aus 
die gleiche Menge Kohlenstoff weniger Was¬ 
serstoff enthalten als die Kohlenwasserstoffe 
des Erdöls. Durch Spaltung dieser großen 
Moleküle und Anlagerung von Wasserstoff 
(„Hydrierung") ist es daher möglich, aus 
den Kohlen ähnliche Produkte zu gewinnen 
wie aus Erdöl. Auf dieser Tatsache baut 
sich das Verfahren der Kohlehydrierung auf: 
der Wasserstoff wird bei hoher Temperatur 
unter einem Druck von 2—300 Atmosphären 
in Geoenwart von sogenannten „Katalysa- 
¿'fcnfmtt nerii fcv Versuchsanlagen in Üiidtvigshafcu 
Fvto: 
toren" an die Kohlen angelagert; so gelingt 
es, je nach der angewandten Kohle und nach 
den Arbeitsbedingungen, die ganze Reihe 
der üblichen Mineralölprodukte herzustellen. 
Die Hydrierungsanlage der I. E. Farben¬ 
industrie in Leuna, die 1927 in Betrieb ge¬ 
nommen wurde, verarbeitet Braunkohle, 
Vraunkohlenteer und Steinkohlenteeröle, 
und zwar hauptsächlich auf das wichtigste 
Mineralölprodukt, auf Benzin. Vis Ende 
1933 wird die Venzinproduktion der Leuna- 
Werke 300 000 Tonnen im Jahr erreichen. 
Hervorzuheben ist, daß der überwiegende 
Anteil dieser Erzeugung auf 
der unmittelbaren Hydrie¬ 
rung der feingemahlenen 
Braunkohle aufgebaut ist. 
Neuerdings ist nun auch 
die Steinkohle selbst zur un¬ 
mittelbaren Hydrierung her¬ 
angezogen worden. Ein Ende 
1934 im Werk Ludwigshafen- 
Oppau der I. G. Farben¬ 
industrie durchgeführter Gro߬ 
versuch hat den Beweis er¬ 
bracht, daß auch die unmittel¬ 
bare Hydrierung der Stein- 
wie die der Braunkohle mög¬ 
lich ist, also nun auch dieser 
in Deutschland in großer 
Menge zur Verfügung ste¬ 
hende Rohstoff zur Lösung 
des Treibstoffproblems nutz¬ 
bar gemacht werden kann. 
Die Steinkohle wird fein¬ 
gemahlen, mit Oel zu einer 
breiartigen Masse vermischt 
und mit Hilfe der sogenann¬ 
ten Kohlebreipumpen (Abb. 1) 
in die in den Kammern be¬ 
findlichen Hochdrucköfen ge¬ 
drückt (Abb. 2 und 3), in 
denen in Gegenwart von Ka¬ 
talysatoren unter hohem Druck 
(2—300 Atm.) bei Tempera¬ 
turen von etwa 450 0 C mit¬ 
tels Wasserstoff die Umwand¬ 
lung der Kohle in Benzin, 
Oel und gasförmige Kohlen¬ 
wasserstoffe erfolgt. 
Auf Grund der Ergebnisse 
des vorerwähnten Großver¬ 
suchs wird zur Zeit die erste 
technische Steinkohle-Hydrier- 
Oppau 
J.G. Farben Archiv
	        

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