Full text: 60.1932 (0060)

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lich aber siegte doch der besonders auf Malstatt- 
Burbacher Seite vorhandene Wille zum Fort¬ 
schritt. — 
Die Brücke selbst ist ganz in Eisen konstruiert, 
und ruht auf drei mächtigen gemauerten Pfeilern, 
von denen im Gegensatz zu den bisher vorhandenen 
Brücken jedoch keiner mehr im Flußbett steht. Die 
Baukosten betrugen rd. 400.000 Mark. — Auf der 
Saarbrücker Seite erheben sich zu beiden Seiten des 
Brückenkopfs zwei vollkommen gleichartige aus 
roten Ziegeln erbaute und mit einem Türmchen 
versehene Häuser. In einem derselben wohnte 
früher der Vrückenwärter, der in den ersten Jahren 
nach Erbauung noch Brückengeld erhob. — Später 
wurde über diese Brücke die elektrische Straßen¬ 
bahn von Saarbrücken nach Malstatt-Burbach ge¬ 
führt. Der gesteigerte Verkehr, namentlich seit der 
Vorherrschaft des Automobils, ließen dann vor 
einigen Jahren die drei gemauerten Pfeiler den 
an sie gestellten Anforderungen nicht mehr ge¬ 
wachsen erscheinen, so daß man sie mit Eisenbeton¬ 
pylonen unterstützen mußte. 
Zehn weitere Jahre waren seit Errichtung der 
Kaiser-Wilhelm-Vrücke ins Land gegangen^ als 
Malstatt-Vurbach, das schon um die Jahrhundert¬ 
wende die beiden alten Städte (trotzdem Saar¬ 
brücken 1897 St. Arnual eingemeindet hatte) an 
Einwohnerzahl bedeutend übertraf, sich flußabwärts 
so ausgedehnt hatte, daß eine weitere Verbindung 
zur linken Saarseite nötig wurde. So entstand 
dann in den Jahren 1904 bis 06 unterhalb der alten 
Cisenbahnbrücke, deren Gehsteige dem Verkehr ja 
nicht gewachsen sein konnten, die Burbacher 
Brücke, die von dem damaligen Ausgang Bur¬ 
bachs hinüberführt nach Gersweiler. Auch 
diese eiserne Brücke ruht auf gemauerten Pfeilern, 
je einer auf beiden Ufern. Auch hier finden wir 
auf der linken Saarseite das Haus des früheren 
Brllckengelderhebers. 
Die sechste der Saarbrücken wurde zum Sinnbild 
der endlich 1909 nach vierjährigen harten Kämpfen 
zu Stande gekommenen Städtevereinigung. Die 
Kaiser-Friedrich-Vrücke hat mit fast 
82 m die größte Spannung aller Saarbrücken. Die 
eigentlichen Tragwerke, die großen Sichelbogen, 
mußten bei ihr mit Rücksicht auf etwaige Hoch¬ 
wasserstörungen, die auch auf der Saarbrücker Seite 
die Höhenlage des Brückenkopfs bedingte, über die 
Fahrdecke gelegt werden: sie stützen sich mit ihren 
Spitzen auf die großen Widerlager aus Beton: 
an diesen Vogen hängen dann die Geh- und Fahr¬ 
bahnen.. Die für Fuhrwerke nutzbare Breite ist 
rd. 9 m': die etwas über 3 m breiten Laufstege 
für Fußgänger sind außerhalb des Tragwerks an¬ 
geordnet. Die höchste Höhe über dem Saarstau be¬ 
trägt 6,50 m, die größte Trägerhöhe 13,85 m. Die 
Brücke ist ein Werk der heimischen Firma B. 
Seibert. Die Baukosten betrugen 375 000 Mark, 
wozu für Offenlegung und Anlage der Zufuhr¬ 
straßen noch weitere 400 000 Mark kamen. 
Nunmehr, da die drei Saarstädte vereinigt und 
die widerstrebenden Einzelinteressen ausgeschaltet 
waren, machte die Entwicklung der neuen Gro߬ 
stadt rasche Fortschritte. Namentlich geschah dies 
saaraufwärts, wo einerseits das Stadenviertel neu 
entstand, andererseits die Abhänge des Winter¬ 
bergs und die Fluren St. Arnuals der Bebauung 
erschlossen wurden. Somit erwies sich bald der 
Bau einer weiteren Verbindung über die Saar 
gerade hier als unumgänglich, so daß man schon 
drei Jahre später zum Bau der siebenten, in ihren 
Formen und vor allem im Material modernsten 
Saarbrücke schritt: der „Bismarckbrücke". 
Dieselbe wurde 1915 vollendet. Sie ist ausgeführt 
in Eisenbeton mit Hausteinverblendung in rotem 
Sandstein, und hat fünf ungleichgrotze Bogen, von 
denen der zweite, von St. Johann aus gezählt, 
allein die Saar überspannt, so daß auch hier 
wieder das Prinzip, den Wasserspiegel frei zu 
halten, wie schon bei den letzten vorhergehenden 
Brückenbauten erfüllt ist. — Dabei ist die Fahr¬ 
bahn der neuen Brücke nach dem Beispiel der 
Kaiser-Friedrich-Vrücke so breit gehalten, daß außer 
den zwei Straßenbahngleisen noch Platz für sich 
kreuzende Fuhrwerke verbleibt. Die Baukosten be¬ 
trugen 480 000 Mark. 
Allerdings hat sich diese Voraussicht auch als 
notwendig erwiesen, da der Verkehr über die neue 
Brücke von Tag zu Tag stärker wurde, so daß — 
vielleicht spricht dabei die Zeit ihrer Fertigstellung 
im Kriege mit — schon Risse und sonstige Schäden 
an dem stolzen Bauwerk festgestellt werden mußten. 
Hoffen wir, daß die im vorletzten Jahre vor¬ 
genommenen Reparaturen diese völlig beseitigt 
haben und der Vismarckbrücke ein eoensolanges 
Leben beschieden sei wie ihren Schwestern. 
Hatte nun schon die Bismarckbrücke den Weg zu 
den Gegenden gezeigt, wo Saarbrückens Zukunft 
lag, so hat die Entwicklung der Nachkriegszeit diese 
Weisung für die jetzt zur Hauptstadt des Saar¬ 
gebiets gewordene Großstadt wohl befolgt. Rechts 
wie links sind flußaufwärts ganze Stadtviertel neu 
entstanden, und so erscheint, namentlich seitdem der 
Flughafen dem altehrwürdigen Boden St. Ar¬ 
nuals modernen Glanz verleiht, die Errichtung 
einer weiteren achten Brücke wohl nur 
noch eine Frage kurzer Zeit. Bereits hat man 
Projekte gemacht, und so werden wir auch bald 
an der Stelle etwa, wo dereinst die alte Römer¬ 
brücke, der die Saarhauptstadt ihren Namen ver¬ 
dankt. in den Fluten der Saar versunken, wiederum 
auf stolzem Brückenbogen den Fluß überschreiten 
können. 
Spruch. 
Cal} JVeid und dlihgunst sieb verzehren, 
Das Gute werden sie nickt wehren. 
Denn, Gott fei Dank! es ist ein alter Krauck: 
Soweit die Sonne sckeint, 
Soweit erwärmt sie auck. 
Goetke.
	        

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