Full text: 60.1932 (0060)

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Der technische Direktor Herr Sainto Llaire Devilie verläßt die Tramchalle. 
zu entreißen. Ich schließe mich dem Schmerz 
jener zahlreichen Hinterbliebenen an, die 
jetzt ihr Gebet mit ihren Hoffnungen ver¬ 
einigen. Im Namen der Regierung der 
französischen Republik gebe ich hiermit den 
Hinterbliebenen der Dahingeschiedenen die 
Versicherung, daß wir ihre Trauer zu der 
unserigen gemacht haben, und daß wir ihnen 
zu Hilfe kommen werden in demselben Maße, 
wie unser Mitgefühl groß ist. Indem ich 
Ihnen diese Versicherung gebe, verneige ich 
mich ehrfurchtsvoll vor jenen, die auf dem 
gefährlichen Posten gefallen sind, auf den 
sie täglich ihr bescheidenes und heldenhaftes 
Schicksal stellt. 
Diese Gefühle der innigsten menschlichen 
Solidarität finden ihren Ausdruck in dem 
Schritt, den der Herr Präsident der Repu¬ 
blik, in seinem Namen zu verrichten, mir die 
Ehre übertragen hat, in der Niederlegung 
einer Palme auf den Särgen der teuren 
Hingeschiedenen. Wir werden ihr Andenken 
treu bewahren." 
Nach Herrn Pernot brachte dann der Präsi¬ 
dent der Negierungskommission, Sir E r n e st 
W i l t o n, der zugleich im Namen der Saar¬ 
regierung allen Erschienenen für ihre Teil¬ 
nahme dankte, Herr Reichsverkehrsminister 
von Guerard im Namen der Deutschen 
Reichs- und der preußischen Staatsregierung, 
ferner die Herren Fritz Kuhnen und Julius 
Schwarz als Vertreter der christlichen und 
der freien Gewerkschaften ihr Beileid zum 
Ausdruck, und endlich rief ihnen der Ob- 
mann der Maybacher Sicherheitsmänner ein 
letztes „Glück Auf" zu. — Ein letztes Chorlied 
und ein Vortrag der Musik beendete die ein¬ 
drucksvolle Feier, worauf die 93 Särge zu ihrer 
letzten Ruhestätte geleitet wurden. 
* 
Das Maybacher Massenunglück regte natür¬ 
lich auch allenthalben die Mildtätigkeit an. 
Um die erste Not bei den Hinterbliebenen zu 
lindern, ließ die Administration des Mines als 
erste Unterstützung an die Angehörigen der 
Opfer je 1000 Franken und an die Verletzten 
je 300 Franken zur Auszahlung bringen. Die 
Saarknappschaftsberufsgenossenschaft überwies 
gleichfalls den Witwen je 1000 Franken und 
den Angehörigen von Ledigen je 300 Franken 
als Vorschußleistung, und die Saarknappschaft 
endlich zahlte für jeden der Toten ein Sterbe¬ 
geld von 900 Franken. Die gleichzeitig bei 
Banken, Sparkassen, Zeitungen und anderen 
Stellen eingeleiteten Sammlungen hatten ein 
sehr schönes Ergebnis: insgesamt waren bei 
der Kreissparkasse Saarbrücken als Haupt¬ 
sammelstelle bis zum 9. April 1931, an welchem 
Tage der mit der Verwaltung der Spenden 
betraute Ausschuß über seine Tätigkeit Bericht 
erstattete, eingegangen: 2 292 300,59 Franken 
und 273 317,60 Reichsmark. 
Nun hatten aber zahlreiche Spender den 
Wunsch ausgedrückt, daß aus dem Ergebnis 
der Sammlungen nicht nur den Hinterbliebenen 
der bei dieser Katastrophe getöteten Berg¬ 
leute, sondern darüber hinaus auch bei spä¬ 
teren einzelnen Unglücken den Hinterbliebenen 
in diesen Fällen geholfen werden sollte. Dieser 
Wunsch erschien in der Tat durchaus berechtigt, 
wenn man bedenkt, daß die Lage der Witwen 
oder der Kinder, deren Ernährer durch einen 
der ja immer wieder vorkommenden Einzel¬ 
unfälle dahingerafft wird, sich keineswegs von 
der der Verwaisten in Massenkatastrophen 
unterscheidet, obwohl hier nicht das Mitgefühl 
der Menschheit in dem gleichen Maße auf¬ 
gerüttelt wird, wie dort. Der Ausschuß hat 
sich denn auch einstimmig entschlossen, diesen 
Wünschen nachzukommen. Somit wurde von 
den eingegangenen Geldern ein Teil als so-
	        
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