Full text: 60.1932 (0060)

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daß die dynamische Wirkung der Explosion in 
der Grundstrecke nach zwei verschie¬ 
denen Richtungen auseinanderging, näm¬ 
lich nach Osten in Richtung nach dem Haupt¬ 
querschlag und nach Westen in Richtung auf 
den Bremsberg 1 West. Das Aufhauen selbst 
wies an seinem Ausbau und dem vor Ort vor¬ 
handenen Arbeitsgerät keinerlei dynamische 
Wirkungen auf, wohl war im Aushauen 
die größte Hitzewirkung festzustellen: 
überaus starke Koksbildung am Ausbau, am 
Hangenden und den Stößen, Brandspuren am 
Holz in der Nähe des Ortsstoßes. Diese Um¬ 
stände deuten darauf hin, daß im Aufhauen 
der Ausgangspunkt der Explosion zu suchen ist. 
Die Auffindung einer Benzinsicherheitslampe 
mit abgeschraubtem Panzer im Aufhauen, deren 
Drahtkörbe zweifelsfreie Spuren des Durch- 
blafens der Flamme aufweisen, brachte eine 
weitere Bestätigung der Vermutung, daß die 
Explosion im Aufhauen ihren Anfang nahm. 
Das Vorhandensein von Schlagwettern im 
Aufhauen erklärt sich zwanglos aus einer 
vorübergehenden Stillsetzung des Luttenven¬ 
tilators zur regelmäßigen Schmierung des¬ 
selben zu Beginn jeder Schicht. Bei einem 
Ctti-Gehalt von 0,4—0,5 Prozent bei nor¬ 
maler Bewetterung (160 cdm/Min.), ein 
Gehalt, .der an der Lampe kaum zu sehen 
ist, mußte sich bei einem Stillstand des 
Luttenventilators von vier bis fünf Minuten 
vor Ort ein hochprozentiges Schlagwetter¬ 
gemisch bilden. Überdies ist nicht ausgeschlossen, 
daß eine in der Nähe des Ortsstoßes durch¬ 
setzende Störungszone eine stärkere Schlag- 
wetterentwicklung verursachte. Die im Auf¬ 
hauen vorhandene Schlagwettersammlung ist 
wahrscheinlich beim Versuch der Wiederanzün- 
dung der Lampe infolge Durchblasens vor der 
saugenden Lutte zur Entzündung gekommen. 
Die Explosion wurde durch die Gestein- 
staubsperren an den Grenzen der Abtei¬ 
lung 9 zum Erlöschen gebracht und auf diese 
Weise lokalisiert. Die von der westlichen Grund- 
strecke Flöz 4 aus der IV. Sohle ausgehenden 
Vorrichtungsbetriebe (1 Aufhauen und 2 Ab¬ 
hauen) waren ebenfallsdurchGe st ein¬ 
staubsperren abgeriegelt. Warum 
dieselben nicht voll zur Auswirkung kamen, 
findet vielleicht eine Erklärung darin, daß der 
der Flamme aus dem Aufhauen vorausgehende 
Luftstoß die Gesteinstaubsperren unmittelbar 
beiderseits des Ansatzpunktes vorzeitig aus¬ 
löste, so daß die Flamme ungehindert die Ee- 
steinstaubschranken nach Westen und Osten 
durcheilen konnte. 
Nach Westen konnte dann die Flamme in 
das Abhauen 1 West (100 Meter westlich 
des Aufhauens) hineinschlagen. Der in der 
Grundftrecke weitereilende Ast der Explosions¬ 
flamme ist wahrscheinlich durch die westlich des 
Abhauens gelegene Schranke zum Erlöschen ge¬ 
kommen, hat aber durch seine dynamische Wir¬ 
kung alle weiter westlich gelegenen Gestein¬ 
staubschranken ausgelöst. Die durch den Rück¬ 
schlag aus dem Abhauen 1 West heraus¬ 
geschleuderten glüh en den Kohlen st aub- 
und Gas Massen kamen wahrscheinlich bei 
ihrer Berührung mit dem frischen Wetterzug 
in der Grundstrecke zur Explosion, die 
dann über die zerstörten Gesteinstaubschranken 
ungehindert hinwegschreiten und bis zu den 
Abbaustößen des Bremsberges 1 West gelangen 
konnte, wo sie an dem Kohlenstaub der Abbau¬ 
betriebe neue Nahrung fand. 
Auf ihrem Wege durch die Baue oberhalb 
der IV. Sohle kam sie durch die Gesteins- 
ft a u b s ch r a n k e n zum Erlöschen. 
In östlicher Richtung vom Abhauen aus er¬ 
reichte die Explosionsflamme den Haupt- 
querschlag IV. Tiefbausohle und kam 
an der Gesteinstaubsperre I Ost in der östlichen 
Grundstrecke Flöz 4 zum Erlöschen. Die Ex¬ 
plosion schlug von der Grundstrecke Flöz 4 aus 
in den Hauptquerschlag IV. Sohle hinein, ver¬ 
ursachte auf eine Länge bis zu etwa 500 Meter 
lediglich dynamische Wirkungen und kam über 
die Gesteinsstaubsperren nördlich Flöz 13 nicht 
hinaus. Vielleicht hat sie im Querschlag, wo 
drei Mann zu Tode kamen, an den Schlag¬ 
wettern aus den Bläsern neue Nahrung ge¬ 
funden, jedoch wären sicherlich diese drei Leute 
auch ein Opfer der Explosion geworden, wenn 
keine Schlagwetter dort gestanden hätten. 
Die im Aufhauen ausgelöste Schlagwetter¬ 
explosion hat an dem im Aufhauen vor¬ 
handenen Kohlenstaub Nahrung ge¬ 
funden. Der Kohlenstaub wurde in die mit 
über 70 Prozent mit Gesteinstaub eingestäubte 
Grundstrecke Flöz 4 getrieben, wo sich eine 
Kohlenstaubexplosion entwickelte, die durch den 
in den Abhauen und Stößen des Bremsberges 
1 West vorhandenen Kohlenstaub weiter ge¬ 
nährt wurde. 
Die Gesteinsstaubsperren an den 
Grenzen der Abteilung 9 brachten die E x p l o -
	        
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