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Blick auf die Dillinger Hütte. 
Last abzuwälzen, kam man auf den Gedanken, das 
freie Eigentum einem in der Nähe wohnenden mäch¬ 
tigen Herrn abzutreten und dann in dessen Auftrag 
als Meyer oder Lehensmann weiter zu bewirt¬ 
schaften. Man brauchte dann zwar keine Kriegs¬ 
dienste mehr zu leisten, mußte aber dem Lehensherrn 
soviele Abgaben entrichten, daß dieser dafür dauernd 
einen Knecht halten und dem Kaiser als Krieger 
zur Verfügung stellen konnte. So sehen wir denn 
schon sehr frühe fast überall die Dorfbewohner, ihres 
persöhnlichen Eigentums entkleidet, als „Hörige" 
(zum Gut Gehörige) irgend eines in der Nähe woh¬ 
nenden Grundherren, der ihre noch verbliebenen 
Rechte und Freiheiten mehr und mehr zu schmälern 
wußte, wobei auch noch, da um die Mitte des 
14. Jahrhunderts das Faustrecht sich mehr und 
mehr ausbreitete, das durch die Uebereignung ur¬ 
sprünglich erstrebte Ziel, vom KrieBdienst befreit zu 
sein, fast ganz illusorisch wurde. Bei den fortwäh¬ 
renden Fehden der Großen mußten nämlich auch die 
Hörigen Haus und Hos im Stich lassen und mit 
ausziehen. Fiel aber der Feind ins eigene Gebiet 
ein, so geschah es wohl, daß ihnen daß Vieh wegge¬ 
trieben, ihre Häuser in Brand gesteckt und sie sewst 
von Haus und Hof vertrieben 'wurden. So hatten 
denn auch in Dillingen die ursprünglich freien Bau¬ 
ern sich unter den Schutz eines größeren Grundherrn 
begeben, der als „Herr von D i l l i n g e n" die 
im heutigen Hüttenoering gelegene Wasserburg, 
das sogenannte „Alte' Sch'loß" bewohnte. Im 
weiteren Verlauf dieser Darlegung soll daher an 
Stelle des Ortes Dillingen die Herrschaft 
Dillingen treten, da bis ins 19. Jahrhundert hinein 
das Schicksal der nur eine ganz untergeordnete Rolle 
piekenden Ortsbewohner mit dem Geschick der Herr- 
chaft Dillingen unlöslich verbunden war. 
II. Aus der Geschichte der Herrschaft Dillingen. 
Tie Herrschaft Dillingen bestand nach einer nota¬ 
riellen Feststellung aus dem Jahre 1747 aus dem 
alten Scbloß, 7 Morgen Gartenland, 414 Morgen 
Aecker und Wiesen und 1675 Morgen Wald. Das 
Jahr der Erbauung des Schloßes ist nicht bekannt. 
Es mag wohl gegen Ende des 13. oder zu Anfang des 
14. Jahrhunderts gewesen sein. Schon aus dem 
Jahre 1349 lesen wir von einer Zerstörung des 
Schloßes, wobei 14 Ritter mit ihren Knappen ge¬ 
fangen genommen, 11 davon vor dem Tore des 
Schlosses aufgehängt und 2 enthauptet wurden. Der 
14., ein fahrender Sänger, soll den Henker gespielt 
haben, wofür ihm das Leben geschenkt wurde. Wieder¬ 
aufgebaut, wurde das Schloß während des 30 jährigen 
Krieges (1635) zum zweiten Male zerstört. 
Doch auch diesmal erhob es sich bald wieder aus 
seinen Trümmern und dient noch heute in der 
damals erbauten Form als Wohnung 
für Hüttenbeamte. 
Staatsrechtlich gehörte die Herrschaft 
Dillingen als Lehen des Herzogs von Lothringen 
zum deutschen Reiche. Nur in der Zeit von 1678 
(Frieden zu Nymwegen) bis 1697 (Frieden zu Rhs- 
whk) gehörte Lothringen und also mit ihm auch die 
Herrschaft Dillingen zu Frankreich. Im Jahre 1736 
wurde Stanislaw Leszhnskh, der vertriebene König 
der Polen, Herzog von Lothringen *). Nach seinem 
Tode fiel das Herzogtum an seinen Schwiegersohn, 
König Ludwig XV. von Frankreich. Von diesem 
Tage an gehörte also auch die Herrschaft Dillingen 
als lothringisches Lehen zu Frankreich, bis sie im 
Jahre 1815 an Preußen fiel. 
Weit öfter noch als die Staatshoheit hat die Herr¬ 
schaft Dillingen ihren Besitzer und Grund- 
herrn gewechselt. Vorübergehend waren die Be¬ 
sitzer der auf der anderen Saarseite gelegenen Herr¬ 
schaft Siersburg auch Herren von Dillingen. 
Wegen der Lehenshoheit über die Herrschaft Siers¬ 
burg wurden zwischen dem Herzog von Lothringen 
und dem Erzbischof von Trier wiederholt heiße 
Kämpfe ausgefochten. Ein im Rathause zu Dillin¬ 
gen befindliches Gemälde der Siersburg trägt auf 
dein Mittelschild die Inschrift: „Heimkehr der 
Herren von Siersburg von der Belehnungsfeier in 
St. L. hatie vorher in Zweibrücken gewöhne; siehe Bergmann» - 
kalender 1927, Seite 95ff. „Barock und Rokoko an der Saar!
	        
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