Full text: 58.1930 (0058)

Das also ist das heutige Rouen. Doch dürfen 
wir darüber nicht feine historische Bedeutung in 
der Geschichte Frankreichs vergessen, namentlich 
auch seine Rolle in jenem Krieg der 100 Jahre, 
in den Kämpfen zwischen Engländern und Fran¬ 
zosen um die Herrschaft auf dem Festlande, in 
welchem Rouen zum 
Schauplatz des Pro¬ 
zesses und des Todes 
der Jeanne d'Arc 
wurde. 
Von unseren ande¬ 
ren Bildern gibt uns 
Iumiég es einen 
Begriff von jenen 
reichen Abteien, die 
im frühen Mittelal¬ 
ter hier emporblüh- 
ten. Es wurde schon 
im 7. Jahrhundert 
von dem hl. Phili¬ 
bert gegründet, aber 
im 9. Jahrhundert 
von den Norman¬ 
nen bei einem ihrer 
Einfälle zerstört. Ein 
Jahrhundert später 
ließ der jetzige nor- 
männische Herzog 
des Landes, Wil¬ 
helm, zubenannt 
„mit dem langen 
Schwert" sie wieder 
aufbauen. Nach der 
Legende liegen hier 
zwei Söhne Clod- 
wigs II. begraben, 
die wegen einer Em¬ 
pörung gegen ihre Mutter verstümmelt und auf 
der Seine ausgesetzt, in Jumibges aufgenommen 
worden waren, die sogenannten « Enervés de 
Jumièges ». Von der im „normannischen" Stile 
erbauten Abtei stehen heute noch imposante 
Ruinen: Schiff, Chor und vor allem die Fassade 
mit zwei 52 m hohen Türmen. 
„L e Mes n i l" ist das typische Bild eines 
normannischen Landguts. Denn die Normandie 
ist ja bekanntlich ein fruchtbares Land — und 
wer sie so recht zur guten Zeit besuchen will, 
der muß im Frühjahrj hinkommen, wenn die 
Apfelbäume blühen. Denn der Apfelbaum ist 
der Baum, der diesem Lande der Frucht über¬ 
all seinen einheitlichen Stempel aufdrückt, und 
demgemäß ist in diesem Lande der blonden, hoch¬ 
gewachsenen Normannen das Nationalgetränk 
nicht der Wein oder das Bier, sondern der 
„Cidre," der Apfelwein. 
Das Departement O r n e trägt seinen Namen 
nach dem in die Seine einmündenden Fluß. 
Das ganze obere 
Tal des 158 km. 
langen Flußlaufs ist 
felsig und trägt bei 
den Touristen den 
Namen der „norman¬ 
nischen Schweiz"^ 
Hier liegt das Schloß 
Carrouge s, das 
mit seinen Rundtür¬ 
men und (jetzt trok- 
kenen) Graben fast 
noch mehr an die 
einstige Feudalher¬ 
renzeit erinnert als 
Fontaine Hen¬ 
ri, an dessen Fen¬ 
stern man den spä¬ 
teren Renaissance- 
ausbau erkennen 
kann. Im übrigen 
ist das Departement 
seiner Viehzucht we¬ 
gen . berühmt, hier 
liegt auch das weit¬ 
hin durch seinen fet¬ 
ten, viel nachgeahm¬ 
ten Weichkäse be¬ 
kannte Dorf Camem¬ 
bert. 
Angrenzend gegen 
Westen liegt das 
heutige Departement Calvados mit seiner 
Hauptstadt Caen. Den Namen „Calvados" hat 
es von der 26 km langen Klippenkette zwischen 
den Mündungen der Orne und Dire. 
Gehen wir weiter nach Westen, so finden wir 
die vorspringende Halbinsel Cotentin. Hier liegt 
(Hauptort des Departements La Manche) der 
berühmte Kriegshafen Cherbourg. Hier 
werden die normannischen Ufer, die vorher ent¬ 
weder sandigen Strand oder Steilküsten aus 
Kreidefelsen zeigten, zu zerissenen und wilden Fels- 
klippen; die Nachbarschaft der Bretagne kündet 
sich an. 
Dort, wo die steil nach Süden zurückfallende 
Küste auf der Karte jäh wieder umbiegt nach
	        
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